Berlin / IRIS HUMPENÖDER  Uhr
Sie war schon 2011 umstritten, doch 2012 könnte das Aus für die E-Zigarette kommen. Die grüne NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens hält den freien Verkauf von E-Zigaretten jedenfalls für illegal.

Er gehört zu den beliebtesten Vorsätzen fürs gerade begonnene neue Jahr: der Wunsch, endlich von der Zigarette loszukommen. Mehr als die Hälfte der Raucher möchte den Tabakkonsum aufgeben. Schließlich ist Rauchen nachgewiesenermaßen ungesund: "Raucher verlieren durchschnittlich zehn Lebensjahre", sagt Prof. Anil Batra, Präsident der deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie. Und teurer wird es 2012 auch schon wieder.

Da flattert zu Neujahr der Prospekt einer großen Handelskette ins Haus: "Die E-Zigarette - die gesunde Art zu rauchen", steht da Weiß auf Rot. Und mehr noch: "Sieht aus, schmeckt und fühlt sich an wie eine Zigarette."

Weg vom krebserregenden Rauch hin zum harmlosen Dampf? Rauchlose E-Zigaretten sind seit einiger Zeit vor allem übers Internet, zunehmend aber auch im örtlichen Handel zu bekommen. Ihre gesundheitlichen Auswirkungen sind jedoch kaum erforscht.

"Der Konsum von E-Zigaretten ist mit gesundheitlichen Risiken verbunden", warnt etwa die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. "Denn die benutzten Kartuschen enthalten häufig neben dem Suchtstoff Nikotin auch andere gesundheitsschädliche Substanzen."

Die Gesundheitsministerin Nordrhein-Westfalens, Barbara Steffens (Grüne), argumentiert juristisch: "Was derzeit auf dem Markt ist, ist alles nicht zugelassen und nicht geprüft." Die bisher erhältlichen Flüssigsubstanzen, die so genannten Liquids, enthielten so hohe Mengen an Nikotin, dass sie als Arzneimittel einzustufen seien und damit unter die strengen Zulassungsauflagen des Arzneimittelgesetzes fielen.

Der deutsche E-Zigarettenhandel hält dagegen: Arzneimittel müssten über eine therapeutisch-diagnostische Eignung verfügen. Das sei bei der E-Zigarette nicht der Fall. Sie sei ein Genussmittel. Die derzeitige Rechtslage besage eindeutig, dass E-Zigaretten gar nicht durch das Arzneimittel- oder Medizinproduktegesetz geregelt werden dürften. Der Verband sieht sich vielmehr einer "gezielten Desinformations-Kampagne" ausgesetzt.

Vielleicht sorgen Politik und Justiz aber im neuen Jahr relativ schnell für Klarheit, denn erste Meldungen von Vergiftungen durch E-Zigaretten sind aktenkundig. Am 6. Dezember mussten eine 45-jährige Frau und ein 35-jähriger Mann im Kreis Soest (Nordrhein-Westfalen) nach dem Konsum von E-Zigaretten notärztlich behandelt werden. Dr. Frank Renken, Gesundheitsamtsleiter des Kreises Soest, ließ sofort verlauten: "Auf keinen Fall dürfen mehr Züge als vom Hersteller empfohlen gemacht werden. Bei Überdosierung besteht die Gefahr schwerer Vergiftungen."

Dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn liegen mehrere Anträge von Landesbehörden vor, in denen es um die Überprüfung einzelner E-Zigarettenprodukte geht. Geprüft wird etwa, wie hoch der Nikotinanteil ist oder welche Substanzen noch inhaliert werden.

Mittlerweile rauchen auch in der EU-Kommission die Köpfe, wie die E-Zigarette eingestuft werden soll: Weiterhin als "Genussmittel", wie es die Hersteller wollen, oder gar als apothekenpflichtiges Arzneimittel, was unter anderem die Krebsforscher in Heidelberg fordern? Nur in einem sind sich alle einig: Um sich das Rauchen abzugewöhnen, ist die E-Zigarette nicht geeignet.

Nur heiße Luft: Die E-Zigarette im Test