Wiesbaden / DPA  Uhr
Die Deutschen sortieren ihren Müll wie die Weltmeister - mancher ausländische Besucher schüttelt den Kopf über so viel Mühe mit dem eigenen Dreck. Aber es müsse noch mehr gehen, fordern Umweltexperten.

Eine bunte Reihe Mülltonnen steht in Frankfurt vor den Häusern: Braun für Bio, Grün für Papier, Gelb für Verpackungen mit dem Grünen Punkt, Grau für den Rest. Flaschen müssen zum Glascontainer, ausgediente Elektrogeräte zum Wertstoffhof gebracht werden, für Farbreste gibt es gesonderte Termine, Sperrmüll wird nach Bedarf abgeholt. Alles perfekt geregelt - aber der Gedanke an Langlebigkeit oder Reparatur kaputter Geräte komme dabei gar nicht auf, kritisieren Umweltexperten.

In der grauen Tonne für den vermeintlich unbrauchbaren Rest lande immer noch zu viel, bemängelt Günter Dehoust, Abfallexperte beim Öko-Institut. Dabei ist die Menge an Restmüll von 2006 bis 2012 schon um eine Million Tonnen auf 13,2 Millionen Tonnen gesunken, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden gestern berichtete. Aber beim Sortieren gehe noch mehr, meint Dehoust.

Schon jetzt ist Müll für die Bürger eine logistische Herausforderung: Dass verwelkte Blumen unter den braunen Deckel gehören und die ausgelesene Zeitung unter den grünen, ist leicht. Aber wohin mit dem Plastikschälchen, in das der Metzger Fleischsalat gefüllt hat? Gelb? Falsch, denn der Metzger hat für den Grünen Punkt keine Lizenzgebühr bezahlt, das Schälchen ist im Jargon der Branche eine "stoffgleiche Nichtverpackung" wie altes Plastikgeschirr oder die kaputte Bratpfanne und gehört nach Grau.

Die gelbe Tonne sei die mit den meisten Fehlwürfen, sagt Michael Werner von der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH. In der Stadt läuft noch bis April ein Versuch mit der Wertstofftonne für Plastikabfälle mit oder ohne Grünem Punkt, Metall oder Holz. "Ich bin jetzt eine Wertstofftonne" steht auf den gelben Tonnen vor 60 000 Haushalten. Damit solle die Verwirrung um die Verpackungsabfälle beendet und zugleich Material eingesammelt werden, das sonst in die Graue Tonne wanderte, etwa kaputtes Plastikspielzeug.

"Auf die Wertstofftonne warten wir seit Jahren", sagt Abfallexperte Dehoust. "Wir brauchen mehr Recycling." Die Abfallwirtschaft selbst habe aber gar kein Interesse daran, den Restmüll weiter zu reduzieren, denn dann drohten Überkapazitäten bei der Verbrennung. Die Öfen prägten zwar immer noch die Kreislaufwirtschaft, seien aber mit den Zielen der Energiewende nicht vereinbar, sagt Dehoust. Denn wenn 90 Prozent der Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen stammten, sei die Müllverbrennung nicht mehr als Ersatz für andere Brennstoffe nötig und werde zur Belastung.

Familienpackungen und Einkaufszettel helfen vermeiden