Umfrage unter Schulleitern Körperliche Gewalt gegen Lehrer an jeder dritten Grundschule

Eine Lehrerin steht in einem Klassenraum an einer Tafel und schreibt. Foto: Mohssen Assanimoghaddam
Eine Lehrerin steht in einem Klassenraum an einer Tafel und schreibt. Foto: Mohssen Assanimoghaddam © Foto: Mohssen Assanimoghaddam
Berlin / DPA 02.05.2018

An etwa jeder dritten Grundschule in Deutschland sind Lehrkräfte in den vergangenen fünf Jahren laut einer neuen Studie körperlich angegriffen worden.

Dies berichteten die Schulleitungen laut einer in Berlin vorgestellten Umfrage des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE). Über alle Schulformen hinweg berichtete rund jede vierte Schulleitung von Fällen körperlicher Gewalt gegen Lehrkräfte.

Fast die Hälfte der Schulleitungen (48 Prozent) gab an, dass es an ihrer Schule in den vergangenen fünf Jahren Fälle von „psychischer Gewalt“ gab - also Fälle, bei denen Lehrkräfte direkt beschimpft, bedroht, beleidigt, gemobbt oder belästigt wurden. Fälle von Mobbing, Diffamierung und Belästigung über das Internet gab es laut Studie an jeder fünften Schule.

Wie sich Lehrer wehren können

Wer körperlich angegriffen wird, darf sich wehren. Das gilt auch für Lehrer. „Die haben ja nicht weniger Rechte als andere Menschen auch“, sagt Anwalt Rolf Tarneden, Experte für Schulrecht. Wird ein Lehrer von einem Schüler geschlagen, darf er also zurückschlagen - und zwar so hart, dass der Angriff beendet wird.

Voraussetzung ist aber, dass von dem Angreifer tatsächlich eine Gefahr ausgeht, es sich also um einen älteren und kräftigen Schüler handelt. Im Ernstfall darf dann nicht nur der Angegriffene selbst körperliche Gewalt anwenden - auch ein anderer Lehrer, der die Situation mitbekommt, darf entsprechend eingreifen. „In der Praxis ist das aber eher theoretischer Natur“, sagt Tarneden. Dass es an Schulen wirklich zu solchen Notwehr-Situationen kommt, sei selten.

Gewalt gegen Lehrer gibt es aber trotzdem, psychisch wie physisch - und auch Gegenmaßnahmen. Die erste Stufe sind dabei sogenannte Erziehungsmaßnahmen wie ein Handyverbot oder eine Sonderaufgabe. Bei schweren Fällen folgen die Ordnungsmaßnahmen, also die Zwangspause für einen oder mehrere Tage, bis hin zum Schulverweis. Solche Maßnahmen kann ein Lehrer, beziehungsweise sein Direktor, in Form einer Sofortmaßnahme auch sehr schnell verhängen. Über längerfristige Verweise entscheidet dann eine Klassenkonferenz.

Bei eindeutigen Fällen körperlicher Gewalt können sich Lehrer und Schulen deshalb oft gut wehren, sagt Tarneden. Schwieriger wird es bei psychischer Gewalt, Mobbing gegen Lehrer also. „Das Wort kennen wir alle, es ist aber gar nicht richtig greifbar“, sagt der Experte. Solche Situationen richtig zu bewerten, sei deshalb oft schwierig, und damit auch die Wahl der richtigen Gegenmaßnahme. Meistens sei das aber eher ein Fall für die internen Gremien der Schule, so Tarneden - also für das Elterngespräch oder die Elternvertretung zum Beispiel.

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