Venedig gehört zu den beliebtesten Touristenzielen Italiens, platzt in der Hochsaison jedoch buchstäblich aus allen Nähten. Wer den Markusplatz mit seinem unvergleichlichen Ausblick auf Dogenpalast und Lagune genießen will, braucht gute Nerven. Nach dem Gedränge aus Touristen, die Selfies von sich vor der malerischen Kulisse eines der schönsten Plätze der Welt machen, wartet eine lange Schlange vor dem Markusdom. Das soll sich nach dem Willen der Stadtverwaltung durch das Eintrittsgeld bald ändern.

Venedig hat dem unkontrollierten Zustrom an Tagestouristen durch die Einführung von Eintrittsgeld den Kampf angesagt. Dabei ist das erklärte Ziel nicht, mehr Geld in die Kassen der Lagunenstadt zu spülen, sondern für eine bessere Verteilung über das Jahr zu sorgen. „Es geht uns nicht darum, Geld zu verdienen, sondern die Touristenströme in der Stadt zu bewältigen“, verteidigt sich Bürgermeister Luigi Brugnaro gegen Kritiker.

Wer in Venedig übernachtet, zahlt wie in anderen Touristen-Hochburgen eine nach Hotelkategorien gestaffelte Orts-Taxe. Dabei bleiben 70 Prozent der Besucher nicht über Nacht in der Lagunenstadt, sorgen aber nur für 30 Prozent der Einnahmen. Tagestouristen verursachen Abfälle, ohne für deren Entsorgung aufzukommen. Rund 40 Millionen Euro gib die Stadt jährlich für die Müllabfuhr aus, die auf Lastkähnen zum Festland gebracht werden.

Ab Mitte Mai sollen Besucher, die sich nur für ein paar Stunden in Venedig aufhalten, für die Kosten von Müllbeseitigung und Straßenreinigung zur Kasse gebeten werden. Hohe Preise an Tagen mit besonders starkem Andrang und niedrigere Tarife zu anderen Zeiten sollen gleichzeitig den Zufluss besser regulieren.

„Da wird sich eine Familie mit Kindern, die Strandurlaub in Jesolo macht, überlegen, ob sie an einem Wolkentag einen Ausflug nach Venedig macht“, sagt Mattia Baseggio von der kleinen Pension Ponte Chiodo in Venedig. Der venezianische Familienvater befürwortet Bemühungen, den Massenandrang zu regulieren. Doch noch gebe es keine Planungen darüber, wer im Rathaus am Canal Grande den Eingang der Zahlungen für das Eintrittsgeld überprüft.

Die Stadtverwaltung weist darauf hin, dass die neue Abgabe auf den Fahrpreis von Zügen, Bussen, Fähren und Wassertaxis aufgeschlagen werde. Bewohner der umliegenden Ortschaften sind ebenso wie zahlreiche andere Besucherkategorien ausgenommen – Angehörige der Bewohner etwa oder Patienten venezianischer Arztpraxen, Besucher des Krankenhauses und des Gefängnisses sowie Studenten der Universität Ca‘ Foscari.

Noch ist nicht klar, wie kontrolliert wird, dass Tagestouristen tatsächlich die neue Steuer zahlen und andere, die aus beruflichen Gründen zeitweise nach Venedig kommen, nicht zur Kasse gebeten werden. Dabei hat sich die Stadtverwaltung das ehrgeizige Ziel gesetzt, den Zugang zur Stadt ab 2022 nur noch mit Reservierung zu ermöglichen.

Bereits jetzt würde die Zufahrt über den Straßendamm an Tagen mit zu großem Andrang gesperrt, sagt der Besitzer der kleinen Pension Ponte Chiodo. Doch das reiche nicht aus, um Überfüllung zu vermeiden. „Wenn es mir zu viel ist, nehme ich einfach mein Boot und fahre in die Lagune“, lacht Baseggio.

Dass über gestaffelte Eintrittspreise eine bessere Verteilung der Touristenströme möglich ist, hat in Italien bereits der deutsche Leiter der Uffizien in Florenz, Eike Schmid, gezeigt. Im Internet können Besucher sich über die jeweiligen Preise informieren und ihren Besuch planen. Wer das weltberühmte Museum an Tagen mit besonders großem Andrang besuchen will, muss eben mehr zahlen als zu anderen Zeiten.

Die geplanten Preise für Kurzbesucher


Touristen, die nach Venedig wollen, zahlen in diesem Jahr von Mitte Mai an bis zum 31. Dezember drei Euro pro Tag. Vom nächsten Jahr an (ab 1. Januar 2020) verdoppelt sich der Preis auf sechs Euro pro Tag.

Ausnahmen:  An „grünen“ Tagen mit geringem Zustrom liegt der Tagespreis dann wieder nur bei drei Euro, an „roten“ Tagen mit starkem Besucheraufkommen bei acht Euro und an „schwarzen“ Tagen mit Überfüllung zehn Euro. Kinder unter sechs Jahren sind ausgenommen.

Eine Reservierung ist für Tagestouristen von 2022 an erforderlich.