„München Grill“ Uschi Glas: „Ich bin eine Kämpferin“

München / Von Corneliy Wystrichowski 11.05.2018

Uschi Glas war eines der Aushängeschilder der 68er-Generation, mit dem Kultfilm „Zur Sache, Schätzchen“ wurde sie vor 50 Jahren zum Star. Später wurde aus der Aufmüpfigen der Liebling der Nation. In der Serie „München Grill“ von Regisseur Franz Xaver Bogner hat die 74-Jährige heute im Bayerischen Rundfunk einen Gastauftritt als Kundin eines Münchner Promilokals – und spielt sich selber.

Frau Glas, in der Fernsehserie „München Grill“ spielen Sie sich selber. Wie kam es dazu?

Uschi Glas: Ich wollte schon lange mal mit Franz Xaver Bogner drehen, und nachdem ich nun 50 Jahre im Geschäft bin, hat es endlich geklappt. Ich hatte mich schon gefragt, ob er vielleicht gar nicht mehr weiß, dass ich eine Bayerin bin (lacht).

In „München Grill“ flüchten Sie vor Selfiejägern – sind solche Fans im echten Alltag ein Problem für Sie?

Gar nicht. Die Leute sind freundlich, und sie sind meistens auch aufgeregt, wenn sie mich zum Beispiel am Flughafen ansprechen. Dann mache ich das Foto halt schnell mit ihnen, dann ist die Sache geritzt und alle sind froh. Wenn einen so was stört, dann darf man doch gar nicht erst Schauspieler werden.

Hat Ihre Rolle als überspannte Lehrerin Leimbach-Knorr in „Fack ju Göthe“ Ihren Ruhm noch mal befeuert?

Ja, tatsächlich. Ich arbeite ja mit meinem Verein „Brotzeit“, der Schüler mit einem gesunden Frühstück versorgt, viel in Schulen, und da kommen die Kinder oft ganz begeistert: „Sind Sie nicht die Leimbach-Knorr?“. Auf der Straße machen Teenies Selfies und verschicken sie.

Sie haben in zehn der 100 erfolgreichsten deutschen Kinofilme mitgespielt. Macht Sie das stolz?

Stolz ist das falsche Wort, das liegt mir nicht. Aber ich gebe zu, ich bin dann doch überrascht und denke: „Hoppala, nicht schlecht, Herr Specht.“ Manche Rollen habe ich auch gegen Widerstände gespielt, weil ich wohl die richtige Nase hatte. Das war schon bei „Zur Sache, Schätzchen“ so, dass andere zu mir gesagt haben, ich soll die Finger davon lassen, aber ich habe es trotzdem gemacht.

An welche Phase Ihrer Karriere erinnern Sie sich am liebsten?

Ich habe so viel Glück gehabt und habe so viele schöne Produktionen machen können, dass ich kaum etwas herausheben kann. Am Anfang, als ich noch keine Kinder hatte, konnte ich ja machen was ich wollte. Da bin ich viel gereist und habe im Ausland gedreht. Später habe ich das reduziert, damit ich mehr zu Hause bin. Also ich habe mein Leben immer so gelebt, wie ich mir das vorgestellt habe, das war ein tolles Privileg.

Und was sehen Sie für sich, wenn Sie nach vorne blicken?

Ich möchte so gesund bleiben wie ich jetzt bin, das ist super. Und weiter erfolgreich sein mit „Brotzeit“, dass wir immer stärker werden können. Und natürlich will ich noch den ein oder anderen schönen Film machen.

Viele Kolleginnen beklagen, dass sie in der zweiten Lebenshälfte weniger und schlechtere Rollen bekommen. Wieso war das bei Ihnen anders?

Ist es eigentlich gar nicht, auch bei mir ist es eindeutig weniger geworden. Wenn ich früher eine Rolle abgelehnt habe, weil ich sie gar nicht mochte, kamen gleich die nächsten Angebote hinterher, das ist heute anders. Ich denke, dass Männer dieses Problem nicht so haben. Dabei ist doch die Erfahrenheit älterer Frauen interessant, da könnte man doch tolle Komödien drehen.

Aktuell wird über die Metoo-Debatte und die Frage der gleichen Bezahlung gesprochen?

Ich finde es traurig, dass diese Debatten 50 Jahre nach 1968 immer noch nötig sind. Meines Erachtens hat man sich zwischendurch schlafen gelegt und das Thema nicht mehr im Fokus gehabt. Ich kann zum Beispiel nicht verstehen, dass es für gleiche Leistung nicht gleiches Geld gibt. Ich denke, man sollte Frauen viel öfter und früher fördern. Wir müssen gucken, dass schon die jungen Mädchen Chancengleichheit haben und gut ausgebildet werden. Und Mütter müssen die Chance haben, dass sie ihren Job ausüben können, indem es in Firmen zum Beispiel Kinderbetreuung gibt.

Vom „Schätzchen“ über das „Halbblut Apanatschi“ bis zur Lehrerin in „Fack ju Göthe“: Glauben Sie, dass Sie mit Ihren Rollen immer ein gutes Vorbild für Frauen waren?

Ja, ich denke schon. Es hieß ja oft, dass ich immer die starken Frauen spiele. Es war mir grundsätzlich ein Anliegen darzustellen, dass man es als Frau im Leben schaffen kann, dass man dafür aber auch kämpfen muss. Und ich selber bin ganz bestimmt eine Kämpferin.

In „München Grill“ geht es ja zentral um starke Frauen. Auch solche, die schon ein paar Falten gelebten Lebens im Gesicht haben …

Das gehört doch dazu! Wenn es nur nicht verbissene Falten sind, sondern Lachfalten. Es ist doch ein Geschenk, dass wir älter werden und dass wir auch fitter älter werden. Wir sind viel fitter als die Generationen zuvor, das muss man positiv sehen. Wenn jemand sich bei mir beklagt, dass er 65 wird, sage ich: „Sei doch froh, andere Leute sind längst gestorben.“

Info „München Grill“, 20.15, BR

Von der Sekretärin zum Filmstar

Uschi Glas kam 1944 in Landau an der Isar zur Welt. Sie arbeitete als Sekretärin, dann gab sie in einem Edgar-Wallace-Film ihr Debüt. 1966 wurde sie durch ihre Rolle im Karl-May-Film „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“ bekannt, es folgten die Komödie „Zur Sache, Schätzchen“ und mehrere Schulsatiren („Die Lümmel von der ersten Bank“).

Kaum zu zählen sind die Filme, in denen Glas gespielt hat, darunter „Zwei Münchner in Hamburg“ und  „Unsere schönsten Jahre“, zuletzt „Fack ju Göthe“. Sie lebt mit ihrem zweiten Ehemann in München und hat drei Kinder aus erster Ehe. ski