Glosse US-Soldaten: Verräter im Dienst der Fitness

Eine Smartwatch ist eine geborene Datenschleuder – wie nun auch das US-Militär erfahren musste.
Eine Smartwatch ist eine geborene Datenschleuder – wie nun auch das US-Militär erfahren musste. © Foto: Alexander Heinl/dpa
Berlin / Stefan Kegel 30.01.2018
Viele US-Soldaten joggen, ohne die „Privat“-Einstellung an ihren Fitness-Trackern zu aktivieren. Das wird zum Problem.

Als ob der Kampf gegen die Pfunde nicht schon schwer genug wäre. Jetzt droht er für US-Soldaten und Geheimdienstler vollends zum Landesverrat zu werden. Warum? Eine im Internet einsehbare Karte zeigt, wo in der Welt überall amerikanische Soldaten oder Sicherheitskräfte schnaufend im Dienste der Gesundheit unterwegs sind. Anhand der Fitnessarmbänder, die sie teils gratis von der Army bekamen, wird jede Joggingrunde und jedes Treppensteigen registriert und an die Firma Strava gesendet, die die GPS-Ortung für Fitness-Tracker wie Fitbit oder Jawbone bereitstellt und die Daten auswertet, so lange die „Privat“-Einstellung nicht aktiviert ist.

In belebten Ländern fällt das nicht weiter auf. Aber in Wüstengegenden oder Kriegsgebieten wie Syrien oder Irak ist auf der Online-Karte genau zu erkennen, um welche Stützpunkte die Amerikaner ihre Runden ziehen, berichtet die „Washington Post“. Angreifer könnten so Patrouillenrouten oder tägliche Abläufe ablesen. Sogar das somalische CIA-Hauptquartier ist lokalisierbar. Das US-Militär startet jetzt eine Untersuchung.

Den Amis bleibt aber ein Trost: Die Strava-Karte zeigt auch, wo die Russen campieren. Nur die Iraner, hat Sicherheitsexperte Tobias Schneider beobachtet, die sieht man nicht. Entweder haben sie mehr Ahnung von Datenschutz als Amerikaner und Russen zusammen. Oder sie besitzen die schicken Gimmicks gar nicht.