Baton Rouge US-Polizisten offenbar in Hinterhalt gelockt - Drei Tote

DPA 18.07.2016
Drei Polizisten sind in den USA offenbar gezielt erschossen worden. Die Polizei vermutet einen Hinterhalt. Sie tötete einen Verdächtigen.

Zehn Tage nach der Ermordung von fünf Polizisten in Dallas sind in der US-Stadt Baton Rouge (Bundesstaat Louisiana) drei Polizeibeamte erschossen und mindestens drei weitere verletzt worden, einer davon schwebte gestern Abend in Lebensgefahr. Ein direkter Zusammenhang mit andauernden Protesten gegen Polizeigewalt in den USA wurde zwar zunächst nicht offiziell bestätigt. Es gab jedoch mehrere Hinweise darauf, dass es sich wahrscheinlich um eine geplante Attacke gegen Polizisten gehandelt hat. Demnach waren die Polizisten vermutlich in einen Hinterhalt gelockt worden.

Nach Angaben des Weißen Hauses hielt sich US-Präsident Barack Obama über die Ereignisse auf dem Laufenden. Erst in der vergangenen Woche hatte er in Dallas eine Trauerrede für die fünf dort getöteten Polizisten gehalten.

Der Vorfall löste auch deshalb besondere Besorgnis aus, weil am Montag in Cleveland (Bundesstaat Ohio) der Parteitag der Republikaner beginnt. Dazu werden über 50 000 Menschen erwartet. Am Rande des Parteitages wird es zahlreiche Demonstrationen geben, das hat bereits Befürchtungen ausgelöst, dass es zu Ausschreitungen kommen könnte. Daher findet die „Convention“ bereits scharf bewacht statt.

Der Polizei in Baton Rouge zufolge waren vermutlich mehrere Schützen beteiligt, einer sei erschossen worden. Sie suchte nach möglichen zwei Komplizen.

Angaben eines Polizeivertreters zufolge sollte ein Roboter zu der Leiche des getöteten Schützen geschickt werden, um nach etwaigen Sprengsätzen zu suchen. Wie es weiter hieß, sollen die Täter schwarz gekleidet und mit Sturmgewehren bewaffnet gewesen sein.

Der Gouverneur von Louisiana, John Edwards, sprach auf Twitter von einer „verabscheuungswürdigen Attacke gegen uns alle“. US-Medien bewerteten auch das als Hinweis, dass es sich um einen gezielten Angriff handelte.

Über den genauen Ablauf sind bis Redaktionsschluss nur wenige verlässliche Angaben verfügbar gewesen. Nach Medienberichten war bei der Polizei etwa um 8.30 Uhr morgens Ortszeit ein Anruf eingegangen, dem zufolge ein mit einem Gewehr bewaffneter Mann eine Straße entlanggehe. Als Streifenbeamte eintrafen, seien sie unter Feuer genommen worden. In anderen Medienberichten hatte es geheißen, Augenzeugen hätten von einer Schießerei auf einer Straße berichtet. Ein Mensch habe auf der Straße gelegen, die Augenzeugen hätten die Polizei alarmiert.

Die Lage in Baton Rouge ist seit Tagen besonders angespannt: Dort ist am 5. Juli der Schwarze Alton Sterling von Polizisten erschossen worden, während er am Boden lag. Das und tödliche Polizeischüsse auf einen zweiten Schwarzen in Minnesota hatte in den USA eine Welle des Protestes gegen Polizeigewalt ausgelöst.

In der Nacht zum 8. Juli ist es dann zur Eskalation gekommen. Am Rande einer Demonstration erschoss ein einzelner Heckenschütze gezielt fünf Polizisten. Das hat die Befürchtung ausgelöst, dass es zu weiterer Gewalt kommen könnte. 

Gewalt gegen Cops

Schüsse  Tödliche Schüsse gegen Polizisten haben sich in diesem Jahr in den USA gehäuft. Seit Januar sind bereits 31 Polizisten durch Kugeln aus Schusswaffen getötet worden, wie die „Officer Down Memorial Page“ auflistet. Das sind genausoviele wie 2013 im gesamten Jahr und bedeutet eine Steigerung gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 75 Prozent. Damit sind fast die Hälfte aller im Dienst getöteten Polizisten Opfer von Schusswaffengebrauch geworden – die mit großem Abstand häufigste Todesursache.

Kettenreaktion  Der spektakulärste Fall war die Tat eines Heckenschützen in Dallas, der in der Nacht zum 8. Juli fünf Polizisten tötete. Wenige Tage zuvor war in Michigan ein Polizist im Gerichtssaal von einem Angeklagten erschossen worden. Die Taten in Texas und wohl auch gestern in Baton Rouge werden mit Rache der Rache von Afroamerikanern in Verbindung gebracht. Weiße Polizisten haben in den USA wiederholt junge Schwarze erschossen. Kritiker bezweifeln, dass der Schusswaffengebrauch durch die Polizisten in jedem Fall gerechtfertigt gewesen ist. dpa