Tourismus Urlauber in Italien zahlen Wucherpreise

Teures Vergnügen: Kaffeetrinken oder Eisessen am Markusplatz in Venedig.
Teures Vergnügen: Kaffeetrinken oder Eisessen am Markusplatz in Venedig. © Foto: © Ralf 54/Shutterstock.com
Rom / Von Bettina Gabbe  27.01.2018

Italien-Reisende sind leidgeprüft, was Betrügereien an Touristenorten angeht –  ob in Venedig, Rom oder irgendwo an einem Strand. Denn Bars und Restaurants sind nicht darauf angewiesen, dass ihre Kunden gern wiederkommen. Darüber hinaus gelten Touristen in Italien aufgrund ihrer Ahnungslosigkeit als leichte Beute. Empörung hat jetzt der Fall von japanischen Studenten hervorgerufen, die in Venedig für vier Steaks und einen Teller frittierten Billigfisch mit 1143 Euro zur Kasse gebeten wurden. Nur ein Fall unter vielen.

Wer auf dem römischen Flughafen Fiumicino ankommt, wird bereits vor dem Taxistand von einem Heer illegaler Fahrer abgepasst, die ihre Dienste schwarz und überteuert zugleich anbieten. Wer von dort mit der Bahn zum Hauptbahnhof fährt, trifft an den Fahrkartenautomaten auf die nächsten Betrüger. Freundlich bieten Unbekannte ihre Hilfe beim Lösen von Fahrscheinen an, erleichtern ihre Opfer aber stattdessen um den Inhalt ihres Portemonnaies.

Aufschlag: 100 Euro Trinkgeld

Die meisten Abzocker kommen ungestraft davon. Ein auch bei Hollywood-Stars wie Silvester Stallone und Harrison Ford beliebtes Lokal in der Nähe der Piazza Navona in Rom musste allerdings schließen, nachdem es einem jungen Paar aus Japan nicht nur 580 Euro für ein Mittagessen in Rechnung gestellt hatte, sondern auf der Kreditkartenabrechnung zusätzlich mehr als 100 Euro Trinkgeld aufschlug. Als die überraschten Touristen protestierten, hieß es nur: „Alles ganz regulär!“.

Bürgermeister Gianni Alemanno forderte daraufhin, betrügerischen Restaurants die Lizenz zu entziehen. Er wies Polizeikontrollen in Zivil an, um Abzocke von Touristen zu entlarven.

Der Verbraucherschutzbund Codacons hält überraschte Reaktionen auf überhöhte Restaurant-Rech­nungen jedoch für verlogen. „Solche Episoden kommen häufig vor, das Ausnehmen von Touristen ist eine weit verbreitete Praxis.“ Schließlich seien die Preise für Essen und Trinken in Touristenmetropolen auch im Normalfall extrem hoch. Für einen Mini-Espresso muss man am Mailänder Dom immerhin fünf Euro zahlen, während er in der Bar um die Ecke in anderen Stadtvierteln nur einen Euro kostet.

Obwohl es immer wieder zu Betrügereien an Urlaubern kommt, denken Städte wie Rom und Venedig lieber über neue Touristensteuern nach, als über Wege, Besucher vor Halsabschneidern zu schützen.

Als Strafe beliebt in Fällen von überhöhten Restaurant-Rechnungen sind derweil Kontrollen der Sondereinheit der Carabinieri für Lebensmittelvergehen. Die Beamte stoßen auch in VIP-Lokalen auf schmutzige Küchen und unsachgemäß gelagerte Lebensmittel. Das venezianische Restaurant, das seine Kunden aus Japan jüngst um mehr als 1100 Euro erleichtert hat, erhielt einen Geldbußen-Bescheid über 20 000 Euro, weil es in der Küche nicht alle Vorschriften eingehalten hatte.

Venedigs Bürgermeister Luigi Brugnaro versprach umgehend, den Fall aufklären zu lassen. Noch im vergangenen November hatte er Touristen als „Bettler“ beschimpft, die sich über 120 Euro für einen Teller Nudeln beschwert hatten, weil sie zuvor nicht über den Preis informiert worden waren. Touristen sollten Italienisch lernen und sich nicht wundern, dass Venedig teuer sei.

Opfer verzichten oft auf Anzeige

Wer seinen Cappuccino an Venedigs Canal Grande mit Blick auf Gondeln schlürfen will oder in Rom am malerischen Trevi-Brunnen ein Eis essen, muss sich seit langem auf saftige Preise gefasst machen. In der italienischen Hauptstadt wurden in der Vergangenheit immer wieder Lokale geschlossen, nachdem sie ihren Gästen völlig überhöhte Rechnungen präsentiert hatten.

Doch jeden Monat öffnen neben alteingesessenen Geschäften neue Pizzerien, die sich an ahnungslosen Touristen bereichern. Die meisten Opfer verzichten entnervt auf eine Anzeige und reisen mit einem schalen Geschmack im Mund wieder ab.

Nach Preislisten und Speisekarten fragen

Um die Touristen-Abzocke einzudämmen, wurden Bars in Italien bereits vor Jahren verpflichtet, Preislisten auszuhängen. Auch Restaurants dürfen ihre Gäste nicht mehr damit abspeisen, dass sie keine Speisekarte hätten, um ihnen das Menü mündlich vorzutragen – selbstverständlich, ohne Preise dazu zu nennen. Nur: Speisekarten und Preislisten lassen sich eben gut verstecken; wer auf Nummer sicher gehen will, fragt danach – und zwar bevor er bestellt. gab

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