Der Countdown für Malle-Fans wird kürzer als erwartet: Mallorca und andere spanische Baleareninseln wollen ab Montag, 15. Juni, bis zu 10 900 Urlauber aus Deutschland einreisen lassen – also zwei Wochen vor der offiziellen Öffnung der Grenzen des einstigen Corona-Hotspots Spanien für ausländische Besucher. Das teilte die Regionalpräsidentin der Balearen, Francina Armengol, am Dienstag in Palma de Mallorca mit. Spanische Medien hatten am Vortag von 6000 zugelassenen Urlaubern berichtet.

Alb-Donau-Kreis/Kreis Neu-Ulm

Die Zentralregierung in Madrid habe einem Antrag der Inseln auf Durchführung eines sogenannten Pilotprojekts nach langen Verhandlungen zugestimmt, hatten die Zeitung „El País“ und balearische Medien unter Berufung auf die Regionalregierung in Palma de Mallorca berichtet. Deutschland sei aus zwei „offensichtlichen“ Gründen für dieses Pilotprojekt ausgewählt worden, sagte Armengol: „Deutschland ist das Land, aus dem am meisten Urlauber zu uns kommen, und die epidemiologischen Zahlen sind den unseren sehr ähnlich“.

Mindestens fünf Tage auf der Insel

Die Urlauber müssten mindestens fünf Tage auf den Inseln bleiben und sich nach der Einreise nicht zunächst in Quarantäne begeben, wie es sonst bisher in Spanien bei Einreisen aus dem Ausland vorgeschrieben ist, betonte Armengol. Ihr Gesundheitsminister Iago Negueruela betonte zudem, es dürften auch Deutsche einreisen, die einen Zweitwohnsitz auf den Inseln besitzen. Die Menschen würden per Flugzeug nach und nach ins Land gelassen. Ein Covid-19-Test wird nicht verlangt werden. Armengol: „Die Reisenden müssen im Flugzeug ein Gesundheitsformular ausfüllen, und nach der Landung wird auf den Flughäfen die Temperatur gemessen.“
Das Pilotprojekt auf den Balearen soll dazu dienen, den Ernstfall – den erwarteten Touristenansturm nach Öffnung der Grenzen am 1. Juli – zu proben. Man wolle prüfen, ob die Sicherheitsvorkehrungen unter anderem an den Flughäfen und in den Hotels funktionieren. „Die Sicherheit der Einheimischen, des Personals und natürlich der Gäste steht im Mittelpunkt“, sagte Armengol. Sollte ein Tourist Covid-19-Symptome aufweisen, werde er getestet. Und falls dieser positiv sei, werde ihm und seiner Familie ein spezielles Quartier zugewiesen.

Freude und Proteste

Die fast 11 000 Urlauber sind fast doppelt so viele wie spanische Medien am Vortag berichtet hatten. Aber es sind nicht wirklich viele, eher sehr wenige. Es sind tatsächlich nur 0,91 Prozent der Touristen, die in der zweiten Junihälfte 2019 auf den Balearen Urlaub machten.
Dennoch freut man sich auf Mallorca und den anderen Inseln nach der dreimonatigen Corona-„Schließung“ wie noch nie zuvor auf die „Alemanes“. Carme Planas, die Präsidentin des Gastronomie-Verbandes CAEB, sagte: „Wir müssen unsere Anstrengungen bündeln, damit das Projekt funktioniert, um Vertrauen herzustellen.“ Damit könnte man zum Vorbild für andere Tourismus-Regionen in Spanien werden. Die Chefin der Hoteliers-Vereinigung FEHM, Maria Frontera, sagte: „Wir müssen diesen Anstoß geben, damit die Balearen in aller Welt als sicheres Reiseziel gesehen werden.“
Aber nicht alle freuen sich: Unter Einheimischen gab es Proteste. Sie hätten Angst um ihre Gesundheit, sagten Mallorquiner, die unter anderem an der Party-Meile Ballermann leben. Armengol wurde gefragt, ob es keine Angst vor importierten Infektionen gebe: „Deshalb haben wir ja Deutschland ausgewählt, weil die epidemiologischen Daten in Deutschland und den Balearen ähnlich sind.“

Auch die Kanaren wollen früher als geplant Touristen empfangen

Den Berichten zufolge verhandeln auch die Kanaren mit Madrid über ein ähnliches Pilotprojekt. Bei diesen Gesprächen sei am Montag aber noch keine Entscheidung gefallen, weil die Kanaren „höhere Sicherheitsanforderungen“ gestellt hätten, darunter Coronavirus-Tests für alle Besucher, berichtete „El País“.