Regelmäßig zu Beginn eines Jahres wird das Unwort des Jahres gekürt. Auch 2023 wurde der Negativpreis für das Unwort des Jahres 2022 verliehen: „Klimaterroristen“ wurde von der Jury als Gewinner auserkoren.
Was waren die Vorschläge und Nominierungen? Welche Unworte des Jahres gab es bereits? Hier gibt es alle Infos:

Unwort des Jahres 2022: Jury verkündet das Unwort

Das Unwort des Jahres 2022 wurde am Dienstag, 10.1.2023, verkündet. Die Jury an der Philipps-Universität in Marburg hat „Klimaterroristen“ zum Unwort 2022 gekürt.
Der Ausdruck sei im öffentlichen Diskurs benutzt worden, um Aktivisten und deren Proteste für mehr Klimaschutz zu diskreditieren, begründete die Jury ihre Wahl. Sie kritisierte die Verwendung des Begriffs, weil Aktivistinnen und Aktivisten mit Terroristen „gleichgesetzt und dadurch kriminalisiert und diffamiert werden“. Gewaltlose Protestformen zivilen Ungehorsams und demokratischen Widerstands würden so in den Kontext von Gewalt und Staatsfeindlichkeit gestellt, rügte die Jury.

„Sozialtourismus“ und „defensive Architektur“ auf Platz 2 und 3

Auf Platz zwei setzte die mehrheitlich aus Sprachwissenschaftlern bestehende Jury den Ausdruck „Sozialtourismus“, der 2013 zum „Unwort“ gekürt worden war. CDU-Chef Friedrich Merz hatte das Wort im vergangenen September im Zusammenhang mit Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine verwendet und sich später dafür entschuldigt. Die Jury sah in dem Wortgebrauch „eine Diskriminierung derjenigen Menschen, die vor dem Krieg auf der Flucht sind und in Deutschland Schutz suchen“. Zudem verschleiere das Wort ihr prinzipielles Recht darauf.
Auf Platz drei kam die Formulierung „defensive Architektur“, die als irreführend und beschönigend kritisiert wurde. Der Ausdruck bezeichnet eine Bauweise, die verhindert, dass sich etwa Wohnungslose länger an öffentlichen Orten niederlassen können.

Unwort des Jahres 2022: Welche Vorschläge und Nominierungen gab es?

Die Suche nach dem Unwort des Jahres 2022 wurde dominiert von den Krisenthemen der vergangenen Monate. Unter den mehr als 1100 eingegangenen Vorschlägen bezogen sich viele Begriffe auf den Ukraine-Krieg oder die Klimakrise, wie Constanze Spieß im Dezember 2022 berichtete. Sie ist die Sprecherin der Jury der sprachkritischen „Unwort“-Aktion. Weitere Themenfelder seien die Sozialpolitik, verbunden mit der Debatte um die Energiekrise sowie die Corona-Pandemie.
Zu den eingereichten Begriffen gehörten „Spezialoperation“, „Sondervermögen“, „Gratismentalität“, „Hygienespaziergang“, „Klima-Terroristen“ oder „Klima-RAF“.

Die Liste - Welche Unworte des Jahres gab es bereits?

Seit 1991 wird regelmäßig das Unwort des Jahres gekürt. In dieser Liste gibt es alle Unworte des Jahres in Deutschland:
  • Unwort des Jahres 2022: Klimaterroristen
  • Unwort des Jahres 2021: Pushback
  • Unwort des Jahres 2020: Rückführungspatenschaften
  • Unwort des Jahres 2019: Klimahysterie
  • Unwort des Jahres 2018: Anti-Abschiebe-Industrie
  • Unwort des Jahres 2017: alternative Fakten
  • Unwort des Jahres 2016: Volksverräter
  • Unwort des Jahres 2015: Gutmensch
  • Unwort des Jahres 2014: Lügenpresse
  • Unwort des Jahres 2013: Sozialtourismus
  • Unwort des Jahres 2012: Opfer-Abo
  • Unwort des Jahres 2011: Döner-Morde
  • Unwort des Jahres 2010: alternativlos
  • Unwort des Jahres 2009: betriebsratsverseucht
  • Unwort des Jahres 2008: notleidende Banken
  • Unwort des Jahres 2007: Herdprämie
  • Unwort des Jahres 2006: freiwillige Ausreise
  • Unwort des Jahres 2005: Entlassungsproduktivität
  • Unwort des Jahres 2004: Humankapital
  • Unwort des Jahres 2003: Tätervolk
  • Unwort des Jahres 2002: Ausreisezentrum
  • Unwort des Jahres 2001: Gotteskrieger
  • Unwort des Jahres 2000: national befreite Zone
  • Unwort des Jahres 1999: Kollateralschaden
  • Unwort des Jahres 1998: sozialverträgliches Ableben
  • Unwort des Jahres 1997: Wohlstandsmüll
  • Unwort des Jahres 1996: Rentnerschwemme
  • Unwort des Jahres 1995: Diätenanpassung
  • Unwort des Jahres 1994: Peanuts
  • Unwort des Jahres 1993: Überfremdung
  • Unwort des Jahres 1992: ethnische Säuberung
  • Unwort des Jahres 1991: ausländerfrei

Wie wird das Unwort des Jahres ermittelt?

Vorschläge zum Unwort des Jahres kann jeder einsenden. Die eingesandten Vorschläge müssen einem der unten genannten Kriterien entsprechen. Wie oft ein Wort eingereicht wird, spielt bei der Auswahl keine Rolle. Aus den Vorschlägen kürt dann eine Jury aus Sprachexperten das jeweilige Unwort des Jahres. Die Wörter können jederzeit per Mail vorgeschlagen werden. Die Frist für die Wahl zum Unwort des Jahres 2022 lief am 31.12.2022 ab. Ab jetzt können Vorschläge zum Unwort des Jahres 2023 eingereicht werden und zwar entweder auf der Website zum Unwort des Jahres oder über folgende Mailadresse: vorschlaege@unwortdesjahres.net.

Warum gibt es das Unwort des Jahres?

Mit der Kür des „Unwortes“ soll auf unangemessenen Sprachgebrauch aufmerksam gemacht und so sensibilisiert werden. Die aus Sprachexperten bestehende Jury rügt Wörter, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die euphemistische, verschleiernde oder irreführende Formulierungen sind.