Interview Mallorca: Berge kanalisieren die Wassermassen

Anwohner reinigen eine verschlammte Straße in Sant Llorenc Des Cardassar.
Anwohner reinigen eine verschlammte Straße in Sant Llorenc Des Cardassar. © Foto: Clara Margais/dpa
Ulm / Giovanni De Nitto 11.10.2018
Der Meteorologe Karsten Schwanke erklärt im Interview, wie es zu den starken Unwettern kommen konnte.

Nach Mallorca wurden auch Südfrankreich und Sardinien von sintflutartigem Regen heimgesucht. Der  ARD-Wetterexperte und Meteorologe Karsten Schwanke erklärt das Wetterphänomen.

Wie konnte es zu den verheerenden Unwettern kommen?

Karsten Schwanke: Grundsätzlich ist es nicht ungewöhnlich, dass sich im Mittelmeerraum zu dieser Jahreszeit potenzielle Gewitter bilden. Relative hohe Wassertemperaturen und einsetzende Tiefdrucktätigkeit können Unwetter hervorrufen. In diesem Fall wurde die Gewitterlage aber verstärkt, weil sich das Tief kaum bewegt hat und sich an Ort und Stelle im Kreis drehte. So wurden immer wieder neue Gewitterwolken an die Ostküste Mallorcas geführt, während es im Südwesten stellenweise trocken blieb.

Welche Rolle spielte hier die geographische Lage?

Im Nordosten der Insel erheben sich hohe Berge, dadurch wurden die Wassermassen kanalisiert, stürzten zusammen mit Schlamm und Geröll in die Täler und konnten so binnen Minuten ihre zerstörerische Kraft entwickeln.

Warum fielen in so kurzer Zeit so viel Liter Regen pro Quadratmeter?

Die hohe Regenmenge von 233 Liter pro Quadratmeter auf Mallorca war schon außergewöhnlich. Zum Vergleich: So viel Wasser fällt im Südwesten Deutschlands in fünf Monaten. Aber auch in Südfrankreich und Sardinien fielen in kurzer Zeit beachtliche 100 Liter pro Quadratmeter.

Warum hat das Unwetter nicht an Kraft verloren und ist in Richtung Frankreich und Sardinen weitergezogen?

In der Höhe strömt kühlere Luft über das warme Mittelmeer und versorgte das Unwetter so weiter kräftig mit Energie. Ein nächstes Tief über der Biskaya könnte am Wochenende wahrscheinlich für weitere Gewitter und Regenfälle in Südeuropa sorgen.

Müssen wir im Mittelmeerraum – auch aufgrund der Klimaerwärmung – in Zukunft damit rechnen, dass Unwetter stärker ausfallen?

Grundsätzlich gilt, je höher die Temperaturen, umso  mehr Wasser kann in die Atmosphäre verdampfen. Wasser, das später als Regen oder Starkregen zur Erde fallen kann. Aus dem Verdampfen des Wassers beziehen Unwetter ihre Energie, wie man gerade bei Hurrikan „Michael“ über Florida bestens sehen kann.

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