• Auf Baden-Württemberg und Bayern kommen gegen Abend sowie in den vergangenen und kommenden Tagen schwere Unwetter mit Sturm, Hagel und Starkregen zu
  • Das geht aus einer Unwetterwarnung des DWD am Montag hervor
  • In der vergangenen Woche hatten sogenannte Superzellen schwere Gewitter mit Starkregen für vollgelaufene Keller und knapp 25.000 beschädigte Autos im Süden Deutschlands gesorgt

Unwetter in Stuttgart, Calw und Bayern: Feuerwehren haben viele Einsätze hinter sich

Update: Aktuelle Lage am Dienstag, 29.06.2021

Hunderte Einsatzkräfte haben wegen des Unwetters in Teilen Deutschlands die Ärmel hochgekrempelt. Wie ist die Lage nach der Nacht von Montag auf Dienstag? Bayern und Baden-Württemberg auf einen Blick:

Unwetter in Stuttgart: 330 Feuerwehreinsätze

Alleine in Stuttgart habe die Feuerwehr eigenen Angaben zufolge vom Montagabend bis in die frühen Morgenstunden am Dienstag 330 Einsätze gezählt. Auch nach Angaben der Polizei am Dienstagmorgen habe in Stuttgart der anhaltende Starkregen und Wind dazu geführt, dass diverse Tunnel in kürzester Zeit mit Wasser vollliefen.

Staatsoper Stuttgart: Schäden am Dach, Gäste müssen gehen, Abbruch der Aufführung

An der Staatsoper Stuttgart seien Teile der Dachverkleidung abgedeckt worden. Zudem seien Statuen von ihrem Sockel gefallen. „Ich stehe unter dem Dach und werde ganz schön nass“, sagte der Intendant Viktor Schoner der dpa am Montagabend. Die Seitenbühne habe unter Wasser gestanden – teils sei der Regen über die Lampen ins Gebäude geflossen. 250 Gäste seien zur Zeit des Unwetters bei einem Liederabend in der Oper gewesen, niemand sei verletzt worden.
In Stuttgart haben Unwetter am Montag schwere Schäden angerichtet.
In Stuttgart haben Unwetter am Montag schwere Schäden angerichtet.
© Foto: Simon Adomat/DPA

Unwetter in Calw: Gewitter und Überflutungen

Im Kreis Calw waren Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei am Abend schwer beschäftigt. Ein Sprecher der Polizei Pforzheim bestätigte der Deutschen Presse-Agentur überflutete Straßen, überlaufende Gullys und Erdrutsche in der Gemeinde Altensteig. Am Fluss Nagold wurde eine Mauer über einige Meter weggerissen.

Unwetter in Bayern: Vollgelaufene Keller in Würzburg & Co.

Auch in Bayern wütete das Unwetter am späten Dienstagabend bis tief in die Nacht. Innerhalb kürzester Zeit waren 101 Feuerwehr- und 25 Rettungsdiensteinsätze im Einsatz, wie die Stadt Würzburg mitteilte. Die Kräfte beseitigten demnach umgestürzten Bäumen, sicherten herumfliegenden Teile, pumpten vollgelaufene Keller aus und sicherten überflutete Fahrbahnen ab.

DWD Unwetterwarnung: Gewitter auch am Dienstag, 29.06.2021?

Eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) erklärte am Dienstagmorgen, dass noch kein Ende des Unwetters in Sicht sei. Zwar sei das aktuelle Unwetter, das sich über Baden-Württemberg und Bayern formiert habe, nun teilweise nach Tschechien gezogen, doch die Wetterlage bleibe komplex. Immer wieder komme es zu neuen Unwetterlagen. Vor allem der Starkregen und die Sturmböen seien weiterhin ein Problem.

Feuerwehr-Führungshaus in Munderkingen ohne Einsatz

Update: 28.06.2021, 22.21 Uhr

Entwarnung bei der Feuerwehr in Munderkingen - das vorsorglich besetzte Führungshaus dort konnte ohne einen Einsatz für die Besatzung wieder geräumt. Auch das Führungshaus in Ehingen konnte ohne Einsatz zurückgefahren werden.
Doch die Feuerwehren behalten dir Riß im Auge - die Pegel des Flusses sind bereits durch den Starkregen angestiegen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Pegel weiter steigen.
Gegen 22 Uhr am 28.06.2021 war das erste Zentrum des Unwetters bereits über den Stadtkern Ulms hinweggezogen. Doch noch war das Unwetter nicht vorbei.
Gegen 22 Uhr am 28.06.2021 war das erste Zentrum des Unwetters bereits über den Stadtkern Ulms hinweggezogen. Doch noch war das Unwetter nicht vorbei.
© Foto: Rain Today

Erstes Gewitterzentrum über Ulm hinweg

Update: 28.06.2021, 22.02 Uhr

Der Stadtkern Ulms hatte das Zentrum des Unwetters gegen 22 Uhr überstanden. Doch der Regen hielt weiterhin stark an. Auch Blitze und Donner waren noch deutlich zu sehen und zu hören.

Feuerwehren bereiten sich auf Unwetter vor - Führungshäuser besetzt

Update: 28.06.2021, 21.42 Uhr

Die Feuerwehren haben bereits vor dem Hereinbrechen des Unwetters gegen 21 Uhr ihre Führungshäuser in Erbach, Munderkingen und Ehingen rein vorsorglich besetzt. Damit können sie schneller zu den zahlreichen Einsätzen ausrücken, die erwartet werden. Das Führungshaus der Feuerwehr in Reutlingen war zu diesem Zeitpunkt schon völlig überlastet, wie aus internen Kreisen berichtet wird. Auch in Ulm selbst war die Feuerwehr bereits mitten während des Unwetters durch Notrufe alarmiert worden. Das genaue Ausmaß wird vermutlich erst in den Morgenstunden des Dienstags zu überblicken sein.

Kreis Reutlingen

Deutscher Wetterdienst warnt vor Unwetter - Baden-Württemberg und Bayern bereits stark betroffen

Schwülwarme Luft und mögliche Gewitter bestimmen das Wetter zu Beginn der neuen Woche. Das berichtet der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Montagmorgen auf seiner Homepage. Wenige Tage nach schweren Unwettern mit vollgelaufenen Kellern und umgestürzten Bäumen soll es auch zu Beginn der Woche in Teilen Bayerns sowie in Baden-Württemberg also wieder heftig regnen und stürmen. Vor allem am Montag und am Dienstag könne es „durchaus nochmal kräftig zugehen“, sagte ein Meteorologe des DWD am Sonntag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (DPA). Dann könne es Hagel, Starkregen und schwere Sturmböen geben, verantwortlich seien von Westen und Südwesten kommende Gewitterlinien.
Ein Tief von Westen bringt demnach schwüle und gewittrige Luft in den Süden und Südwesten und sorgt im Tagesverlauf und in der Nacht vermehrt für Gewitter. Insbesondere in Baden-Württemberg erwarten die Meteorologen Starkregen von 30 bis 50 Litern pro Quadratmeter in wenigen Stunden, Hagel um drei Zentimeter und schwere Sturmböen von bis zu 100 Stundenkilometern.

Unwetter in Bayern nach viel Sonne und hohen Temperaturen möglich

Am Montag gibt es laut DWD in Bayern tagsüber viel Sonne, vielerorts wird es demnach bei 28 bis 33 Grad heiß. Im Westen und an den Alpen sind am Nachmittag und Abend dann aber einzelne Schauer und teils kräftige Gewitter wahrscheinlich. Auch in der Nacht zum Dienstag soll es zum Teil schwere Gewitter geben. Nach Südosten hin nimmt die Unwettergefahr DWD-Angaben zufolge ab.

Gewitter mit Starkregen in Bayern erwartet

Nach einer kurzen Wetterberuhigung am Dienstag mit etwas Sonne wird auch an diesem Tag nachmittags und abends mit lokal kräftigen Gewittern gerechnet. Die Temperaturen bleiben mit 23 bis 29 Grad weiter hoch. Auch nachts steht laut DWD wieder teils starker gewittriger Regen an.
Bereits in der Nacht zum Donnerstag hatte es in Teilen Bayerns Starkregen und schwere Unwetter gegeben.

Unwetter in BW: Gewitter im Schwarzwald und der Schwäbischen Alb erwartet

Heute, am Montag, gibt es laut DWD „ab dem frühen Nachmittag zunächst in NRW erste Gewitter, im weiteren Verlauf bis in den zentralen Mittegebirgsraum ausweitend. Gleichzeitig im Nachmittagsverlauf ausgehend von Schwarzwald und Alb zunächst einzelne Gewitter“. Zum Abend gebe es dann von der Schweiz und aus Ostfrankreich sowie aus den Alpen heraus häufiger teils kräftige Gewitter. Mit den Gewittern Hagel, Starkregen und Sturmböen. Im Nachmittagsverlauf gibt es ein ansteigendes Unwetterpotential durch großen Hagel (etwa 5 Zentimer groß) und heftigen Starkregen (um 30 l/qm), sowie (schwere) Sturmböen (80 bis 100 Stundenkilometer).
Im Südwesten, also in Baden-Württemberg, kann es laut DWD am Abend örtlich eng begrenzt orkanartige Böen (um 110 Stundenkilometer) geben. Zu Beginn der Nacht kann sich im Südwesten der Republik zudem ein größerer Gewitterkomplex mit Zugbahn Nordost entwickeln, der in der zweiten Nachthälfte die mittleren Landesteile Deutschlands erreicht. Anfangs noch Gefahr von (schweren) Sturmböen, dann vor allem Gefahr von heftigem Starkregen mit Mengen zwischen 20 und 40 l/qm in einem Zeitraum von 3 bis 6 Stunden. Im Südwesten gebietsweise 40 bis 60 l/qm binnen 3 bis 6 Stunden, örtlich auch um 80 l/qm (extremes Unwetter).

Superzellen verursachen Unwetter und sorgen für noch höhere Schäden in BW und Bayern als angenommen

Die Hagelgewitter der vergangenen Wochen haben in Baden-Württemberg und Bayern doppelt so viele Schäden verursacht als angenommen. Die Vereinigte Hagelversicherung teilte am Montag in Gießen mit, sie gehe nun von einem Schaden von etwa 20 bis 23 Millionen Euro aus - eine Verdopplung im Vergleich zum Anfang der vergangenen Woche. „Gut 66 000 Hektar wurden vom 18. bis 25. Juni zur Regulierung angemeldet“, hieß es in einer Pressemitteilung. Zuvor war man noch von 30 000 Hektar geschädigter Fläche ausgegangen.
Am 22. und erneut am 24. Juni reichte das Schadengebiet vom Starnberger See über München bis nach Passau. In Baden-Württemberg waren am 21. Juni die Region Neckar-Alb und nur zwei Tage später der Streifen von Freiburg über Reutlingen bis nach Esslingen am heftigsten getroffen.
Hintergrund der Schäden sind sogenannte Superzellen, die durch ihre Rotation und Langlebigkeit ein weitaus höheres Schadenpotenzial haben als gewöhnliche Gewitter.
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Braunsbach

Unwetter in Baden-Württemberg und Bayern verursacht Schäden an 25.000 Autos

Die Allianz rechnet nach den Hagelgewittern der vergangenen Woche mit 25.000 beschädigten Autos in Süddeutschland. Der Versicherer geht nach Schadenmeldungen der Kunden davon aus, dass in Bayern 15.000 und in Baden-Württemberg 10.000 Fahrzeuge von Hagel verbeult oder anderweitig beschädigt wurden. In Bayern will das Unternehmen an sechs Stellen Sammelbesichtigungen anbieten, in Baden-Württemberg an drei, wie die Allianz am Sonntag mitteilte.
Nicht nur Meteorologen und Klimaforscher, sondern auch Versicherungen registrieren, dass Extremwetterereignisse wie überdurchschnittlich starke Hagelunwetter in Deutschland häufiger werden. „Dadurch steigen sowohl Schadenhäufigkeit als auch der Schadenaufwand bei Hagelschäden an Fahrzeugen“, sagte Melanie Kreutner, Sicherheitsforscherin am Allianz Zentrum für Technik.
Dies liegt zum Teil - aber nicht nur - daran, dass heute größere Hagelkörner gemessen werden als vor Jahrzehnten. „Darüber hinaus haben auch die jeweiligen Materialeigenschaften ihren Einfluss“, sagt Kreutner. Demnach sind die Karrosseriebleche heutzutage dünner. Außerdem führt die Verwendung von immer mehr Aluminium, Kunststoff oder Karbon an den Fahrzeugaußenteilen zu höheren Reparaturkosten, wie Kreutner sagte.