Streaming Unterwegs im Zauberwald

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Berlin / Cornelia Wystrichowski 17.08.2018

Seine „Simpsons“ genießen Kultstatus, und mit der Science-Fiction-Serie „Futurama“ ist ihm 1999 ein weiterer moderner Klassiker gelungen. Nun hat sich Matt Groening nach fast 20 Jahren Pause eine dritte Trickserie ausgedacht – diesmal für den Streaminganbieter Netflix: „Dis­enchantment“ spielt in einer mittelalterlichen Märchenwelt und handelt von der rauflustigen Prinzessin Bean, die gemeinsam mit dem naive Elfo und dem katzengleichen Dämon Luci auf der Flucht vor ihrem Vater ist, dem tyrannischen König Zog. Netflix zeigt nun die zehn Folgen der Serie, mit denen Groening mühelos an alte Glanzzeiten anknüpft.

Die Handschrift von Matt Groening ist auch diesmal unverkennbar: Die Figuren sind glupschäugig, der Humor sarkastisch und bisweilen derb. Und so wie die „Simpsons“ nie eine bloße Comedyserie waren, sondern stets eine als Abrechnung mit dem American Way of Life interpretiert wurden, lässt sich auch aus „Disenchantment“ ein Kommentar zum Zeitgeist herauslesen: Prinzessin Bean ist als Frau, die vor patriarchalischen Strukturen flieht, um ungeachtet aller Gefahren ihr eigenes Ding zu machen, eine moderne Identifikationsfigur.

Nicht zuletzt ist „Disenchantment“ aber eine Parodie auf alle Klischees rund um Märchen, Sagen und Mittelalter, die sich Hollywood von „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ über „Herr der Ringe“ bis zu „Game of Thrones“ ausgedacht hat. Lustvoll plündert  Groening den enormen Fundus an Stereotypen.

Ort der Handlung ist das pittoreske Städtchen Dreamland, dem weder Schloss noch Burggraben, blutiges Henkerbeil, Pestarzt noch Alchimielabor fehlen. In einer finsteren Pinte sitzt Prinzessin Bean, spielt Karten, trinkt und rauft. Ihr tyrannischer Vater Zog lässt sie abführen, denn Bean soll einen reichen Königssohn heiraten. Ihre Stiefmutter Oona, ein Kreuzung aus Reptil und Angelina Jolie, rät ihr, in der Hochzeitsnacht einfach ihren Job zu tun. Dass der Bräutigam bei der Trauzeremonie von einem eisernen Thron aus Schwertern aufgespießt wird, macht gar nichts, Bean soll einfach dessen Bruder heiraten.

Doch sie kann fliehen – mit Hilfe des Dämons Luci, den die meisten für eine sprechende Katze halten, und dem naiven Elfo. Der Winzling hatte die Nase voll davon, im Elfenreich gemeinsam mit seinen dauergrinsenden Kollegen singend Süßigkeiten zu produzieren und ist in die echte Welt ausgebüxt.

Natürlich ist der Humor von „Disenchantment“ ein bisschen albern und stellenweise grob – es geht um Bierrülpser und Testikel, und eine Fee im Zauberwald ist eine abgetakelte Prostituierte mit Whiskystimme. Doch die spaßige Geisterbahnfahrt ist beeindruckend fantasievoll und viel hübscher und detailreicher gezeichnet als die schlicht gehaltenen „Simpsons“, vor allem aber: Man fiebert bei der atemlosen Flucht des putzigen Trios tatsächlich mit.

Disenchantment, von heute an beim Streaming-Anbieter Netflix.

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