Hamburg Unsichtbare Bedrohung: Vater warnt auf Facebook vor Herpes bei Babys

Sein an Herpes erkrankter Sohn kämpft ums Über- leben: Thorsten S.
Sein an Herpes erkrankter Sohn kämpft ums Über- leben: Thorsten S. © Foto: dpa
dpa 24.05.2016
Ein Vater zeigt auf Facebook, wie gefährlich Herpes für Babys sein kann. Sein erst zwei Monate alter Sohn hatte sich mit dem Virus angesteckt – und kämpft nun ums Überleben.

Mit einem Foto seines Sohnes John zeigt ein 34-jähriger Vater auf Facebook, wie gefährlich eine Herpesinfektion für Babys sein kann:  Der kleine Junge, erst zwei Monate alt,  hatte sich kurz nach der Geburt mit dem Virus infiziert – und kämpft jetzt um sein Überleben. Den Beitrag haben schon rund 50 000 Menschen auf Facebook geteilt.

„Wir hätten nie mit so einer enormen Resonanz gerechnet und sind absolut überwältigt davon“, sagt der 34-jährige Vater Thorsten S. dazu. Er und seine Frau hätten eigentlich nur Freunde und Bekannte über den Zustand ihres Sohnes informieren wollen.

Das Virus hat bei John eine Enzephalitis, eine Entzündung des Gehirns verursacht. „Diese schwere und glücklicherweise eher seltene Verlaufsform wird meistens durch das Herpes-Simplex-Virus 1 ausgelöst“, erklärt die Chefärztin der Kinder-Station der Asklepios Klinik Pasewalk, Antje Vogler. Dieser Herpes verursache auch die typischen Lippenbläschen und werde durch Küssen oder Hautkontakt übertragen.

Für die meisten Erwachsenen ist die Infektion mit Herpesviren zwar unangenehm, aber in der Regel harmlos. Ganz anders verhält es sich bei Neugeborenen und Säuglingen. „Ihr Immunsystem ist noch nicht stark genug, um gegen die Viren anzukämpfen“, sagt die Kinderärztin. Die Symptome ähneln zunächst einer Grippe. „Der Säugling wirkt blass, teilnahmslos und es treten meistens Krampfanfälle auf, manchmal Fieber.“

Auch bei John hat es so angefangen. „Er schrie, krampfte, zitterte mit den Armen, später überstreckte er sich – seine Augen rollten nach hinten – wir fuhren mit ihm gleich ins Krankenhaus“, sagt sein Vater. Dort habe es dann die Diagnose und eine fünfwöchige Behandlung mit antiviralen Mitteln gegeben. „Die Ärzte können nichts mehr für ihn tun“, sagt der Vater. „Der Herpes hat großen Schaden angerichtet. Jetzt muss er es selber schaffen.“

Wann und wo sich John angesteckt hat, wissen seine Eltern nicht. Kinder können sich bei der Mutter während der Geburt im Geburtskanal infizieren oder aber auch später etwa durch Lippenherpes von Menschen in der Klinik oder daheim.

Der Vater setzt sich für mehr Aufklärung ein. „Bevor wir davon betroffen waren, hatten wir keine Ahnung, dass Herpes bei Babys so gefährlich sein kann“, sagt Thorsten S. „Wenn durch den Post auf Facebook oder die Medien nur ein Kind gerettet wird, hätte Johns schwerer Weg einen Sinn bekommen.“