Am Montag ist ein drei Jahre alter Junge während eines Ausflugs mit seinem Kindergarten in Schwäbisch Gmünd in der Rems ertrunken. Er hatte sich beim Spielen auf einem Spielplatz nahe des Flusses offenbar von der Gruppe entfernt. Wenig später war er leblos im Wasser treibend entdeckt worden.

Nun gibt es in dem Fall offenbar eine weitere tragische Wendung. Wie der Fernsehsender RTL auf seiner Homepage berichtet, soll es eventuell eine folgenschwere Verwechslung gegeben haben. In dem Bericht steht, dass der verstorbene Junge einen Zwillingsbruder gehabt haben soll. Der Sender beruft sich auf eine Aussage einer Bekannten zu dem tragischen Tod des drei Jahre alten Jungen. Dadurch soll es, so ist weiter zu lesen, zu einem Missverständnis gekommen sein. Eine der Erzieherinnen habe den Zwilling auf dem Kinderspielplatz gesehen und ihn für den vermissten Jungen gehalten. So sei erst später bemerkt worden, dass einer der Zwillinge fehle. Deshalb sei er auch erst später entdeckt worden.

Die Polizei Aalen bestätigte auf Anfrage des Südwest-Presse-Partners „Gmünder Tagespost“ ausdrücklich nicht, dass es sich um eine Verwechslung mit dem Zwillingsbruder gehandelt habe.

Obduktion zur Todesursache: Starb Dreijähriger an Kälteschock und Herzstillstand?

Zu den genauen Umständen wollte sich die Polizei am Mittwochmorgen zunächst noch nicht äußern. Das von der Staatsanwaltschaft angeordnete Obduktionsergebnis läge bereits mündlich vor. Es werde allerdings noch entschieden, ob es veröffentlicht werde, so ein Sprecher.

Schwäbisch Gmünd

Der Obduktionsbericht wurde dann gegen 15 Uhr am Mittwoch veröffentlicht. In einer gemeinsamen Mitteilung der Staatsanwaltschaft Ellwangen und des Polizeipräsidiums Aalen hieß es, dass es „Hinweise darauf (gebe), dass das Kind infolge eines Kälteschocks sowie eines hierdurch verursachten Herzstillstands verstorben sein könnte. Nach den rechtsmedizinischen Untersuchungen ist eher nicht von einem Ertrinken auszugehen. Weitere Untersuchungen dazu sind Gegenstand der Ermittlungen.“

Seit Montag war immer wieder über die Todesursache spekuliert worden. Zunächst war vielfach von einem Ertrinken gesprochen worden.

Schweigeminute nach „schrecklichem Fall“ in Schwäbisch Gmünd

Gmünds Sozial-Bürgermeister Dr. Joachim Bläse informierte am Mittwoch bei einer Sitzung im Rathaus Stadträte über den „schrecklichen Fall“. Das Gremium erhob sich zu einer Schweigeminute. Bläse erläuterte, weshalb die Verwaltung den Kindergarten nicht geschlossen hatte, um so den Kindern eine möglichst gewohnte Betreuung zu geben. Die Stadt stelle sich der Verantwortung und biete den Eltern des gestorbenen Jungen Unterstützung an. Wobei der Bürgermeister klarstellte: „Alles bringt der Familie den Sohn nicht zurück.“

Keine Ausgänge mehr in der Kita Regenbogenland

In der Kita Regenbogenland werde es auf absehbare Zeit keine Ausgänge mehr geben, um das Vertrauen der Eltern wieder zu gewinnen. Den Leiterinnen der anderen Kindergärten habe er es am Mittwoch freigestellt, ob sie weiterhin solche Ausgänge anbieten – wenn das dafür notwendige Personal da ist und wenn Orte mit einem möglichen Gefahrenpotenzial gemieden werden. Zudem müsse nach diesem Unglück alles auf den Prüfstand, so Bläse: die kleinen Ausgänge von Kindergartengruppen, die Rems, die Spielplätze.

Auf diesem Spielplatz nahe der Rems in Schwäbisch Gmünd soll sich das Unglück am Montag ereignet.
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Polizei wurde kurz nach Mittag zum Spielplatz in Gmünd gerufen

Wie berichtet hatten die Erzieher der Kita das Fehlen des Jungen kurz nach Mittag bemerkt. Die Polizei war gegen 12.15 Uhr am Montag verständigt worden. Nach wenigen Minuten wurde der leblose Körper des Dreijährigen in der Rems gefunden. Die herbeigerufenen Rettungskräfte versuchten den Jungen umgehend zu reanimieren. Er starb später im Krankenhaus.

Eltern und Personal der Kita in Gmünd betreut

Nach dem Tod des drei Jahre alten Jungen werden die Mitarbeiter des Kindergartens sowie die Eltern betreut. Das hatte der Gemeindetag der Stadt Schwäbisch Gmünd umgehend zugesichert. Das „Regenbogenland“ hatte am Dienstag, einen Tag nach dem Tod des Jungen, auch geöffnet.

Zudem wurde beschlossen, dass der Zaun um den Spielplatz herumhöher gezogen werden soll, um ähnliche Fälle in Zukunft vermeiden zu können.

Gmünds Sozial-Bürgermeister Dr. Joachim Bläse äußerte sich am Dienstagabend nach einem Treffen mit Eltern der in der Kindertagesstätte Regenbogenland betreuten Kinder tief bestürzt. In einem Interview mit dem SWR-Fernsehen sagte er, dass nun alles auf den Prüfstand soll - von Ausgängen von Kindergartengruppen bis hin zur Sicherheit von Spielplätzen.

Markus Herrmann, Pressesprecher der Stadtverwaltung, sagte auf Anfrage der Gmünder Tagespost, dass die Verwaltung dazu auf das Ergebnis der staatsanwaltlichen Ermittlungen warte. Wenn klar ist, was am Montagvormittag auf dem Spielplatz geschah, könnten Verbesserungsmöglichkeiten geprüft werden. Dazu sei aber das Ermittlungsergebnis nötig, „sonst wäre das blinder Aktionismus“. Es gehe für die städtischen Einrichtungen zur Kinderbetreuung darum, Vertrauen bei den Eltern zurückzugewinnen.

Kita-Ausflüge sollen nicht gestrichen werden - Eltern bieten sich als Begleiter an

Zwar, so Herrmann, sei das Unglück jetzt bei einem Ausgang geschehen. Dennoch herrsche - auch von Seiten von Eltern - Einigkeit darüber, dass solche kleinen Ausflüge jetzt nicht gestrichen werden dürften. Herrmann: „Es darf nicht sein, Kinder nicht mehr die Welt entdecken zu lassen.“

Eltern hätten schon angeboten, Gruppen dabei zu begleiten. Ein weiterer Vorschlag lautete, dafür eine Gruppe im Messenger-Dienst Whatsapp einzurichten.