Münster Umzug für Knackis

Ein Bus vor der JVA Münster.
Ein Bus vor der JVA Münster. © Foto: A3634/_Friso Gentsch
Münster / CARSTEN LINNHOFF, DPA 08.07.2016

Zehn Kilo darf jeder Gefangene in eine Kiste packen, mehr ist nicht erlaubt. Es muss schnell gehen. Seit gestern weiß die Gefängnisleitung, dass das denkmalgeschützte Gebäude in der Innenstadt von Münster geräumt werden muss. Akute Einsturzgefahr, das hat ein neues Gutachten festgestellt. Die Insassen haben 48 Stunden, dann müssen alle, die im über 160 Jahre alten Gebäudeteil ihre Zellen haben, umquartiert sein.

„Für den einen ist Tabak sehr wichtig, für den anderen sein DVD-Player“, sagt der Leiter der Justizvollzugsanstalt, Carsten Heim. Was nicht in die Kiste passt, wird nachgeliefert. Heim ist seit Anfang des Jahres der Chef in Münster. Die Aufregung um sein Gefängnis kann er nicht nachvollziehen. Seit Jahren wird über einen neuen Standort gestritten, doch die Suche nach einem Grundstück blieb bislang erfolglos. Den Bauexperten macht die Statik der JVA längst große Sorge. Sensoren messen, ob es in den Decken zu Verschiebungen kommt. „An diesen Messdaten hat sich in letzter Zeit aber nichts geändert“, sagt Heim. Ein neues Gutachten hatte aber noch größere Bedenken. Bei Erschütterungen von außen wie Schwertransporten drohe akute Einsturzgefahr.

Sieben Busse fahren rund 20 Touren, sie bringen die Gefangenen in andere der 36 Gefängnisse in NRW. „Die Gefangenen finden das natürlich nicht besonders toll. Ihnen geht es wie uns, wenn wir von einem auf den anderen Moment unser Zuhause verlassen müssen.“ Sorgen macht sich Heim besonders um die, die in speziellen Drogenprogrammen sind oder zur Schule gehen.

Heim hat Erfahrung mit besonderen Situationen im Gefängnis. 2014, am Tag des Halbfinalspiels Brasilien gegen Deutschland bei der Weltmeisterschaft, brach in Gelsenkirchen ein Häftling aus. Heim war damals der Chef. Zwei Jahre später steht Deutschland wieder im Halbfinale eines großen Fußball-Turniers. Ausgerechnet an diesem Tag muss Heim sein Gefängnis räumen – für ihn mindestens ein Aufreger zu viel.

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