Berlin / Hajo Zenker Die EU will dass die Führerscheine einheitlich werden. Eine Prüfung der Kenntnisse gehört nicht dazu. Das ist zu wenig.

Der Führerschein ist für viele ein täglicher Begleiter. Und verrät so auch viel über das eigene Leben, etwa mit Spuren von Schweiß, Tränen oder Kaffee auf dem gefalteten Papier. Deshalb hängen viele Millionen Deutsche an ihrem „Lappen“ – zum Teil noch in grau, häufig in rosa. Doch den Papierexemplaren geht es nun endgültig an den Kragen.

Millionen von Autofahrern in Deutschland haben noch ihren alten „Führerschein-Lappen“ - dessen Tage aber sind gezählt.

Plastikkarten für alle, lautet das Motto. Denn die EU will nicht nur das Scheckkartenformat, sondern zudem den Führerscheinumtausch alle 15 Jahre – wer den einen oder anderen Verkehrsteilnehmer insbesondere fortgeschrittenen Alters erlebt, wird sich über diese Nachricht freuen. Weil man ja auf die Idee kommen könnte, dass es ein neues Dokument nur gegen eine neue Prüfung von Wissen und Gesundheit gibt. Doch genau das passiert nicht. Der Führerschein wird schlicht in der EU vereinheitlicht. Das will der deutsche Gesetzgeber nun mit einiger organisatorischer Mühe umsetzen – und wir müssen das dann bezahlen. Dabei wird es wohl tatsächlich so sein, dass die Karte fälschungssicherer ist als ein „Lappen“. Und dass ein griechischer Polizist bald besser erkennt, ob ein Portugiese ihm einen Führerschein und nicht den Fitnessclub-Ausweis vorzeigt. Aber ausgerechnet um das Wichtigste, die Verkehrssicherheit, geht es überhaupt nicht. Ganz nach dem Motto: Wer mal Schreibmaschine gelernt hat, kennt sich bestens mit dem Computer aus. Wer ein Telefon mit Wählscheibe als ersten Fernsprecher hatte, kommt mit dem Smart­phone wunderbar zurecht. Und ein Käfer war auch ein Auto. Wenigstens sind unsere Fotos auf den Führerscheinen dann aktueller als unsere Kenntnisse.

Das könnte dich auch interessieren

Ein 21-Jähriger ist wie ein Irrer auf der B 14 bei Michelfeld gefahren. Er hat außerdem im Überholverbot überholt.