Moderation TV-Journalist Ranga Yogeshwar im Interview

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Köln / Cornelia Wystrichowski 10.04.2018

Wieso, weshalb, warum: Die Sendung „Quarks“ ist Fernsehen für alle, die sich über wichtige Themen aus wissenschaftlicher Sicht informieren wollen – und das schon seit 25 Jahren. Das von Ranga Yogeshwar entwickelte und präsentierte Magazin startete im April 1993 unter dem Titel „Quarks & Co“, kürzlich wurde es in „Quarks“ umbenannt. Er selbst hört es nicht gern, wenn man ihn als Moderator bezeichnet.

Herr Yogeshwar, die Medien bezeichnen Sie als „Lotsen im Nachrichtenstrom“ oder als „medialen Chefaufklärer über die großen und kleinen Wunder der Natur“. Was bedeuten Ihnen solche Etiketten?

Ranga Yogeshwar: Wissen Sie, wenn man viele Jahre in dem Geschäft ist, bekommt man zwangsläufig Etiketten. Da heißt es dann irgendwann: „Der Yogeshwar weiß alles.“ Aber jeder denkende Mensch durchschaut natürlich, dass das nicht stimmen kann. Was mich freut ist, dass die Etiketten alle darauf abzielen, dass ich mich wirklich bemühe, Inhalte korrekt wiederzugeben und keiner bin, der nur eine große Show macht und es steckt nichts dahinter.

Wie Sie war auch der erst kürzlich verstorbene Stephen Hawking dafür bekannt, komplexe Themen verständlich darzulegen. War er ein Vorbild für Sie?

Ich habe generell keine Vorbilder, denn wenn man ein Vorbild hat, ist man nicht bei sich, sondern bei dem anderen. Aber ich teile seine Haltung, dass Wissenschaft nicht im Elfenbeinturm vor sich hin forschen darf, sondern ihre Erkenntnisse weitergeben und die Gesellschaft einbinden muss. Wir leben in einer Welt, die durch Innovation verändert wird, und deshalb ist es so wichtig, diese Brücke zu schlagen. Sonst besteht die Gesellschaft irgendwann nur noch aus Konsumenten, die das Neue nutzen, ohne den Hintergrund zu kennen.

Machen Konsum und soziale Medien viele Menschen denkfauler?

Die Gefahr ist da. Es gab gerade eine Untersuchung, die im Fachmagazin „Science“ veröffentlicht wurde, demnach erzeugt die Verbreitung von falschen Nachrichten eine viel größere Erregung als die besonnene, ruhige Wahrheit. Die Konsequenz daraus: Wenn wir als Gesellschaft nicht aufpassen, werden wir irgendwann eingenebelt von einer Wolke von Scheinfakten, von irrelevanten oder falschen Behauptungen. Am Ende wissen wir gar nicht, was noch glaubwürdig ist. Öffentlich-rechtliche Sender sollten es sich zum Ziel machen, zu Referenzstellen zu werden, bei denen die Menschen sagen: Wenn ich etwas wirklich wissen will, gucke ich dort nach.

Sie sind einer der bekanntesten Wissenschafts-Erklärer im Fernsehen. Sehen Sie selber eigentlich fern?

Ich sehe nicht viel fern. Das hat einfach damit zu tun, dass ich sehr intensiv arbeite oder Bücher lese und vielleicht zu selten dazu komme, das zu tun, was andere mit gutem Recht tun: Sich abends mal gemütlich auf dem Sofa fläzen und gucken.

Sehen Sie das Medium auch ein Stück weit skeptisch?

Zugegeben, ich habe ein gespaltenes Verhältnis zum Fernsehen. Ich komme aus der Wissenschaft und hatte mit manchen Dingen immer meine Probleme. Zum Beispiel ist das Fernsehen sehr laut geworden, generell zielen Medien immer stärker auf Sensation ab, um Zuschauer zu binden. Das widerspricht dem Mechanismus der Aufklärung, in Ruhe und Besonnenheit Dinge zu erläutern. Ich glaube, da brauchen wir eine Kurskorrektur in den Medien.

Sie werden auch nicht gerne als Moderator bezeichnet…

Das höre ich in der Tat nicht gerne. Ich bin in erster Hinsicht Wissenschaftsjournalist. Moderatoren sind, wenn man das Wort genau nimmt, Bremser – moderare heißt abbremsen. Wir haben heute zudem viele Moderatoren, die über viele Themen reden, ohne sie richtig zu verstehen, und mein Anspruch ist es, das anders zu machen.

Die Sendung „Quarks“ gibt es seit 1993. Ist es seither noch wichtiger geworden, Orientierung zu geben?

Die Welt wird immer komplexer, und Verständnis hatte schon immer eine gesellschaftsrelevante und damit politische Bedeutung. Wenn ich zum Beispiel eine Sendung über die Endlagerung von Atommüll mache, leiten sich daraus Erkenntnisse ab, die in einem politischen Kontext eine Rolle spielen. Oder wenn Sie sich an die Zeit erinnern, in der die Leute wie die Lemminge Telekom-Aktion gekauft haben. Damals haben wir in einer Sendung mal das Phänomen Börse erklärt. Das ist zwar nicht im engsten Sinne naturwissenschaftlich, aber das ist für mich Aufklärung.

Sie haben nicht nur Physik studiert, sondern auch eine Klavierausbildung genossen. Musizieren Sie noch regelmäßig?

Im Moment nicht. Vor ein paar Tagen habe ich mich hingesetzt und ein bisschen Schubert gespielt – aber mein Zeitplan ist so eng, dass ich nicht alles machen kann was ich will. Aber das Klavier läuft mir ja nicht weg, auch wenn es drei Rollen hat (lacht).

Sie wurden in Luxemburg geboren, verbrachten dort einen Teil Ihrer Kindheit und Jugend. Haben Sie noch Verbindungen?

Natürlich. Es ist die Heimat meiner Mutter und meine Schwester lebt da, deshalb habe ich gute Gründe, dahinzugehen.

Info Die nächste Ausgabe von Quarks am 10. April, 21 Uhr im WDR dreht sich um Intersexualität.

Eigene Sternwarte im Garten

Ranga Yogeshwar kam 1959 in Luxemburg als Sohn eines indischen Ingenieurs und einer luxemburgischen Kunsthistorikerin zur Welt, seine TV-Karriere begann der Diplom-Physiker in den 80er Jahren. Seitdem erklärt der Fernsehjournalist in seinen Sendungen komplizierte Zusammenhänge und zeigt nebenbei, dass Physik, Biologie und Technik Spaß machen können. Der 58-Jährige ist Autor vieler Wissensbücher und in den Medien als Experten zu vielen Themen gefragt. Yogeshwar hat vier Kinder und lebt mit seiner Frau, einer Sopranistin, in Hennef, samt eigener Sternwarte im Garten. ski