Stuttgart/Berlin Trotz Krankschreibung arbeiten: Gewerkschaft ist kritisch

Ein Teilnehmer trägt bei einer Kundgebung von Verdi eine Mütze mit der Aufschrift "Weil es um mehr geht". Foto: Ina Fassbender/Archiv
Ein Teilnehmer trägt bei einer Kundgebung von Verdi eine Mütze mit der Aufschrift "Weil es um mehr geht". Foto: Ina Fassbender/Archiv © Foto: Ina Fassbender
Stuttgart/Berlin / DPA 04.09.2018

Der Ärzteverband Marburger Bund hat in Berlin eine neue Form der Krankschreibung vorgeschlagen, bei der Beschäftigte trotz Krankheit stundenweise arbeiten könnten. Die sogenannte Arbeitsminderungs-Bescheinigung stößt beim Südwest-Ableger der Gewerkschaft Verdi auf Kritik. Durch sie bestehe die Gefahr, dass der Arbeitgeber schon frühzeitig Rückschlüsse auf das Krankheitsbild ziehen könne, sagte Verdi-Landesbezirksleiter Martin Gross am Dienstag im Radioprogramm SWR Aktuell.

„Wir haben nach wie vor einige Betriebe, die olympiareife Belegschaften wollen. Da ist der Schutz des Arbeitnehmers wichtiger“, sagte Gross. Wenn überhaupt, sollten Arbeitsminderungs-Bescheinigungen nur auf Wunsch des Arbeitnehmers erstellt werden dürfen. Die Entscheidung allein dem Arzt zu überlassen, lehnte Gross ab. „Ich glaube, dass es gut gemeint ist, aber dass Mediziner oft den arbeitsrechtlichen Aspekt, was Arbeitgeber daraus machen können, nicht berücksichtigen.“

Der Ärzteverband hatte die neue Form der Bescheinigung vorgeschlagen, um lange komplette Krankschreibungen zu vermeiden. „Viele erkrankte Arbeitnehmer könnten wahrscheinlich schneller genesen und würden weniger lange dem Arbeitsprozess fernbleiben, wenn es nicht nur die Wahl zwischen Arbeitsfähigkeit und Arbeitsunfähigkeit gäbe“, sagte der Vorsitzende des Bundes, Rudolf Henke, der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag. Ärzte sollten zum Beispiel verordnen können, dass ein Patient am Tag vier oder sechs Stunden Schonung bekommt.

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