Inferno Treibstofftanks explodiert

Wassylkiw / OLGA SHYLENKO 09.06.2015
Großbrand in einem Tanklager in der Ukraine. Bedroht sind Menschen, Treibstofflager und ein Militärstützpunkt. Mehrere Minister sind zum Unglücksort geeilt. Die Umgebung wird evakuiert, die Ursache ist unklar.

Ein Großfeuer in einem Treibstofflager bei Kiew hat in der Ukraine einen überregionalen Großalarm ausgelöst. Es bedroht einen Luftwaffenstützpunkt, in dem ein Munitionslager und eine Gasleitung sind. 16 Tanks, von denen die größten je 900 Kubikmeter fassen, stehen in Flammen.

Bei Wassylkiw, 30 Kilometer südwestlich der ukrainischen Hauptstadt, liegt das Unglücksgebiet. Es sei ein „gigantisches“ Feuer, schrieb Innenminister Arsen Awakow im Kurznachrichtendienst Twitter. Mindestens ein Mensch wurde getötet, hunderte in Sicherheit gebracht.

Die Ursache des Brandes ist unbekannt. Der nationale Sicherheitsrat verkündete, es habe einen Verstoß gegen Sicherheitsvorschriften gegeben. Das wies der Konzern BRSM-Nafta, dem das Treibstofflager gehört, zurück. Er vermutet Brandstiftung.

Das Feuer war am Montagabend in einem 900 Kubikmeter großen Treibstoffreservoir ausgebrochen. Es griff später auf weitere Tanks über. Am Dienstagmorgen gegen 7 Uhr kam es zu einer „starken Explosion“, sagte der Chef der Rettungskräfte, Mykola Tschetschetkin, dem Kanal 5.

Im Internet kursieren Videos, die einen Eindruck von der Wucht der Explosion und der Hitze des Feuers liefern. Mehrere Feuerwehrautos und Rettungswagen standen in Flammen. Ein Feuerwehrmann in silberfarbenem Schutzanzug war zu sehen, der sich rennend in Sicherheit zu bringen sucht. „Alle – weg hier. Jeder, der noch hier ist – weggehen“, schreit ein Feuerwehrmann in einem der Videos.

30 Feuerwehrleute hätten sich „im Epizentrum der Explosion“ aufgehalten, sagte Innenminister Awakow dem Fernsehsender Kanal 5. Die meisten seien wohlbehalten herausgekommen. Zu drei von ihnen gebe es aber keinen Kontakt. „Wir versuchen sie zu finden.“ Zunächst hatte er auf Twitter „tote“ Feuerwehrleute erwähnt.

Gerade einmal 50 Meter neben den brennenden Tanks beginnt das Gelände einer Luftwaffenbasis. Dadurch führt eine Gasleitung. Außerdem stehen Treibstofftanks des Tankstellenbetreibers KLO in der Nähe. Die Feuerwehr befürchtete, dass das Feuer darauf übergreifen könnte. Awakow sagte, die KLO-Lagertanks seien „unsere zweite Bedrohung“.

Der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats, Alexander Turtschinow, und Verteidigungsminister Stepan Poltorak sind wie Bürgermeister Vitali Klitschko zum Katastrophenort geeilt. Turtschinow sprach von einer „ernsten Bedrohung“ des Stützpunkts.

Das Verteidigungsministerium teilte mit, dass Notfallmaßnahmen ergriffen worden seien, um ein Übergreifen der Flammen auf den Stützpunkt zu verhindern. Dort ist die 40. Brigade der taktischen Luftwaffe stationiert – mit MiG-29-Kampfjets und Munitionslager.

Gegen BRSM-Nafta, den Besitzer des Lagers, wurde ein Ermittlungsverfahren wegen illegaler Bauten eröffnet. „Zu Sowjetzeiten haben sich alle Betriebe an Regeln gehalten“, sagte der Leiter des Zivilschutzes in Kiew, Waleri Borissow. „Heute bauen alle, wie sie wollen – Treibstofftank neben Treibstofftank, Abstände werden nicht eingehalten, keine Wälle herum.“