Naturgewalt Trauer über Lawinenopfer von „Ripogiano“

Schnee und Trümmer im „Rigopiano“-Foyer.
Schnee und Trümmer im „Rigopiano“-Foyer. © Foto: afp
Farindola / Bettina Gabbe 19.01.2018
Italien trauert zum Jahrestag um 29 Menschen, die von einer Lawine im Hotel „Ripogiano“ in den Abruzzen getötet wurden.

Werden die Verantwortlichen bestraft? Darauf hofft Italien, das am Donnerstag der 29 Opfer gedachte, die die Lawinenkatastrophe in den Abruzzen im Hotel „Ripogiano“ gefordert hat. Elf Menschen überlebten. Gegen 23 Personen ermittelt die Staatsanwaltschaft Pescara wegen fahrlässiger Tötung. Notrufe seien ignoriert und Rettungseinsätze verzögert worden. Und das Hotel hätte wegen der Lawinengefahr am Gran-Sasso-Massiv vermutlich gar nicht gebaut werden dürfen.

Am Jahrestag besuchten Überlebende und Angehörige der Toten die Unglücksstelle. Wie vor einem Jahr ist sie von Schneemassen bedeckt. Am Sportzentrum von Penne, 15 Kilometer entfernt, wo die Feuerwehr vor einem Jahr die Rettungseinsätze koordinierte, wurden 29 Steineichen gepflanzt. Mit einer Messe und einem Fackelzug gedachten die elf Überlebenden und Angehörige der Toten der Tragödie.

Giampiero Parete, ein Koch aus Montesilvano an der abruzzesischen Adria-Küste, ist einer der zwei Männer, die sich um 17 Uhr auf dem Platz vor dem Hotel befanden, als die Lawine das Hotel begrub. Vergeblich versucht er, per Handy Rettungskräfte zu alarmieren. Als sie um vier Uhr nachts endlich kamen, konnten sie seine Frau und seine beiden Kinder lebend aus den Trümmern ziehen. „Warum haben wir Glück gehabt und die anderen nicht“, fragt er sich. „Ich schäme mich fast dafür.“

Nicola Colangeli fährt jeden Tag 15 Kilomiter aus Farindola zu den Überresten des Hotels, um seiner Tochter einen Blumengruß zu bringen. „Den Schmerz über den Verlust einer Tochter wünsche ich niemandem“, stößt der Mann im blauen Anorak mit dem grauen Schnurrbart hervor. Seine Tochter hatte als Zimmermädchen und an der Bar des Hotels gearbeitet.“

Colangeli will, dass die Schuldigen des Unglücks zur Verantwortung gezogen werden. Vom Staat fühlt er sich allein gelassen. So auch Federica Di Pietro (30), die Tochter eines Ehepaars, das im Hotel gestorben ist. „Die Steuerbehörden haben Monate lang den Erbschein verweigert“, sagt sie. „Sie wollten wissen, wer von beiden zuerst starb.“

 

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