Jedes Jahr zelebriert die Kirche eine Woche vor dem ersten Advent noch einen Feiertag: Beim Totensonntag handelt sich um einen stillen Feiertag, an dem den Toten und Verstorbenen gedacht wird. Mit diesem Tag endet die „stille Zeit“ im November. Damit endet auch das Kirchenjahr, bevor in der Adventszeit ein neuer Zyklus beginnt, der mit der Geburt Jesu einhergehen soll.
Heute ist der Totensonntag 2022. Woher kommen der Feiertag und seine Bräuche? Warum darf man vorher nicht für Weihnachten schmücken? Alle Infos rund um die Bedeutung, Regeln und Grabschmuck findet ihr hier im Überblick.

Wann ist Totensonntag 2022?

Der Totensonntag fällt immer auf einen Tag zwischen dem 20. Und 26. November. Jedes Jahr findet er am letzten Sonntag des Kirchenjahres statt. In diesem Jahr ist der stille Feiertag am Sonntag, 20. November 2022.
Wann der Feiertag in den kommenden Jahren ist, seht ihr hier:
  • 2023 – 26. November
  • 2024 – 24. November
  • 2025 – 23. November

Ist der Totensonntag ein gesetzlicher Feiertag?

Der Totensonntag ist kein gesetzlicher Feiertag. Es ist ein normaler Sonntag und die Geschäfte, Bäcker und Kioske haben die gewöhnlichen Sonntagsöffnungszeiten.
In Bayern und einigen weiteren Bundesländern gilt der Totensonntag jedoch als stiller Feiertag.

Totensonntag Regeln: Tanzverbot und mehr

An einem stillen Feiertag gibt es besondere Regeln. So gibt es zum Beispiel in den meisten Bundesländern ein Tanzverbot. Hier gilt, dass laute Musik nicht gestattet ist. Ebenso ist Sport nicht erlaubt. Wir haben euch einen Überblick erstellt, in welchem Zeitraum das Tanzverbot in den verschiedenen Bundesländern herrscht:
  • Baden-Württemberg – 5 Uhr bis 24 Uhr
  • Bayern – 2 Uhr bis 24 Uhr
  • Berlin – 4 Uhr bis 21 Uhr
  • Hamburg und Bremen – 6 Uhr bis 17 Uhr
  • Nordrhein-Westfalen – 5 Uhr bis 18 Uhr

Totensonntag: Herkunft und Bedeutung

Die offizielle Bezeichnung der Evangelischen Kirche in Deutschland lautet „Ewigkeitssonntag“ oder „Gedenktag der Entschlafenen für das Totengedenken“. Der Totensonntag findet seinen Ursprung in der Religion. Für evangelische Christen ist dies ein Tag der Stille und des Gedenkens an die Verstorbenen. An dem Gedenktag sollen Menschen Trost finden, wenn im vergangenen Jahr der Verlust eines Angehörigen oder eine Trennung zu beklagen war. Auch in diesem Jahr gewinnt der Tag für die Opfer der Corona-Pandemie und deren Angehörige eine besondere Bedeutung. Oft können Angehörige die Namen ihrer Verstorbenen in Trauerbücher eintragen, für sie wird dann im Gottesdienst gebetet. Seit einigen Jahren funktioniert das sogar online mit einem Angebot der evangelischen Kirche über die Internetseite „trauernetz.de“.
Eine der Traditionen sieht den Besuch des Friedhofs vor und das Anzünden von Grablichtern für die Verstorbenen. 1816 verordnete der König von Preußen – Friedrich Wilhelm III. – dass der letzte Tag des Kirchenjahres den Toten gelten sollte. So wurde der letzte Sonntag vor dem ersten Advent zum Totensonntag ernannt. Dieser Tag ist auch bekannt als Ewigkeitssonntag.

Totensonntag: Weihnachtsmarkt und schmücken

Es sind zwar keine offiziellen Regeln, aber es gilt als ungeschriebenes Gesetz der christlichen Kirche, dass man erst nach dem Totensonntag weihnachtlich schmückt. Das gilt auch für Weihnachtsmärkte. Hintergrund ist der, dass sich das bunte Treiben auf dem Weihnachtsmarkt nur schwer mit dem Gedenken an Verstorbene vereinbaren lässt. Mit dem Totensonntag endet das Kirchenjahr. Erst im neuen Kirchenjahr sollte mit der festlichen und fröhlichen weihnachtlichen Vorfreude begonnen werden.

Gestecke und Grabschmuck zum Totensonntag

Mit Blumen drücken Menschen ihre Gefühle aus. Freude, Dankbarkeit, aber auch Trauer und Erinnerung sind ein Grund für Blumen. So werden auch traditionell am Totensonntag die Gräber der Verstorbenen mit Grabgestecken verziert.
Bei der Verzierung zum Volkstrauertag und Totensonntag waren früher Nelken, Callas und weiße Lilien ein Zeichen der Trauer. Heutzutage wird eher saisonal dekoriert: Trockenblumen, Zapfen und Tannenzweige. Dies hat nicht nur einen hübschen Hintergrund, denn mit dieser Abdeckung ist das Grab außerdem in den Wintermonaten vor Kälte und Frost geschützt. Formen und Farben werden meist individuell ausgesucht, je nach eigenem Geschmack oder der Favoriten des Verstorbenen.

Totensonntag: Sprüche aus der Bibel

In Gedenken an die Toten, bietet die Bibel viele Sprüche und Psalme, die der Trauer Ausdruck geben. Wir haben euch eine kurze Aufzählung mit Psalmen gestaltet:
  • „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ – Psalm 90,12
  • „Es ist besser, in ein Haus zu gehen, wo man trauert, als in ein Haus, wo man feiert; denn da zeigt sich das Ende aller Menschen, und der Lebende nehme es zu Herzen!“ – Prediger 7,2
  • „Trauern ist besser als Lachen; denn durch Trauern wird das Herz gebessert.“ – Prediger 7,3
  • „Das Herz der Weisen ist dort, wo man trauert, aber das Herz der Toren dort, wo man sich freut.“ – Prediger 7,4