In den USA haben schwere Unwetter mit Tornados in mehrere Bundesstaaten gewütet und viele Todesopfer gefordert. Am schwersten hat es den US-Bundesstaat Kentucky getroffen. Kentuckys Gouverneur Beshear hat Mühe, das Ausmaß der Zerstörung in Worte zu fassen - so gigantisch ist die Verwüstung nach den Tornados in den USA. Über mehr als 300 Kilometer hinweg haben die Stürme alles in ihrem Pfad vernichtet und nichts als Trümmer hinterlassen.

Tornado USA: Zahl der Toten steigt auf über 80 – Suche nach Überlebenden dauert an

Nach dem verheerenden Durchzug mehrerer Tornados in den USA haben Rettungskräfte am Samstag weiter nach Überlebenden gesucht. Die Zahl der Toten bei den Unwettern in sechs Bundesstaaten stieg nach Behördenangaben auf über 80. Dutzende Menschen wurden noch vermisst. Es handele sich um "eine der schlimmsten Tornado-Serien in unserer Geschichte", sagte US-Präsident Joe Biden. "Es ist eine Tragödie."

Gouverneur Andy Beshear: „Wir sind Ground Zero.“

Nach den verheerenden Tornados in den USA mit vermutlich Dutzenden Toten suchen Rettungsmannschaften weiter nach Überlebenden. Besonders schwer betroffen ist der Bundesstaat Kentucky, dessen Gouverneur Andy Beshear am Samstag mit Blick auf die Zerstörung sagte: „Wir sind Ground Zero.“ Er sei sich sicher, dass die Zahl der Toten alleine in seinem Bundesstaat im Südosten der Vereinigten Staaten 70 übersteigen werden. „Sie könnte sogar über 100 liegen.“ Die Nacht zu Samstag sei „eine der härtesten“ in der Geschichte Kentuckys gewesen. „Ich glaube, dass dies der tödlichste Tornado sein wird, der jemals durch Kentucky gezogen ist.“
Menschen helfen bei der Bergung von Gegenständen aus einem zerstörten Haus in Mayfield, Kentucky. Tornados und Unwetter haben am Freitag in mehreren Bundesstaaten katastrophale Schäden angerichtet und Menschenleben gefordert.
Menschen helfen bei der Bergung von Gegenständen aus einem zerstörten Haus in Mayfield, Kentucky. Tornados und Unwetter haben am Freitag in mehreren Bundesstaaten katastrophale Schäden angerichtet und Menschenleben gefordert.
© Foto: Mark Humphrey/dpa

Tornado zerstört Kerzenfabrik in Mayfield/Kentucky

Die Tornados verwandelten unter anderem eine Kerzenfabrik in Mayfield in ein Trümmerfeld - dort wurde wegen des Hochbetriebs zur Weihnachtszeit in der Nacht zu Samstag gearbeitet. Nur 40 der rund 110 Menschen in der Fabrik seien gerettet worden, sagte der Gouverneur. Wo einst die Fabrik gestanden habe, liege jetzt ein mehr als vier Meter hohes Trümmerfeld mit Metallschrott und Autowracks. „Es wäre ein Wunder, würde dort jemand lebendig gefunden.“
Im Ort Earlington in Kentucky führte der Sturm dazu, dass ein Zug entgleiste und in mehrere Häuser raste. Experten untersuchten, welches Material er geladen hatte und wie viele Menschen in der Gegend verletzt wurden, sagte der Sheriff von Hopkins County, Matt Sanderson, Medienberichten zufolge.
Insgesamt hatten in der Nacht zum Samstag laut US-Medienberichten etwa 30 Tornados gewütet. Auf einer Karte des Senders war zu sehen, dass sich das betroffene Gebiet von Norden nach Süden zog. Betroffen waren neben Kentucky zudem auch Tennessee, Missouri, Illinois und Arkansas.

Tornado in Illinois lässt Hallendach einstürzen

In Illinois stürzte das Dach eines Verteilzentrums des Online-Händlers Amazon teilweise ein. Dort starben sechs Menschen, 45 Personen wurden nach Angaben der Feuerwehr aus den Trümmern gerettet. Amazon-Gründer Jeff Bezos äußerte sich bestürzt über die „tragischen Berichte“ aus Edwardsville. „Wir sind untröstlich über den Verlust unserer Teammitglieder“, twitterte er in der Nacht zum Sonntag.
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Tornado in Arkansas: Zwei Tote in Pflegeheim

Ein anderer Tornado hat am späten Freitagabend im US-Bundesstaat Arkansas mindestens zwei Menschenleben gefordert. Die Windhose erfasste nach Medienberichten die Ortschaften Monette und Trumann und beschädigte eine Reihe von Gebäuden, darunter zwei Pflegeheime. In dem Pflegeheim in Monette kamen zwei Menschen ums Leben, weitere fünf Menschen wurden verletzt. Helfer bargen 20 Menschen aus dem Gebäude. Die beiden Ortschaften liegen im Nordosten von Arkansas.
In Tennessee starben mindestens zwei Menschen, wie ein Vertreter des Katastrophenschutzes örtlichen Medien mitteilte.
Das Sturmsystem ist die jüngste einer ganzen Reihe von Naturkatastrophen in den USA. Die Vereinigten Staaten litten in diesem Jahr unter verheerenden Stürmen, schweren Überflutungen und großflächigen Waldbränden. US-Präsident Biden sieht in der Häufung und Heftigkeit der Katastrophen eine Folge des Klimawandels, dessen Bekämpfung er zu einer seiner Top-Prioritäten gemacht hat.

US-Präsident Joe Biden: Erderwärmung trägt zu Wetterextremen bei

US-Präsident Joe Biden sieht in der Häufung und Heftigkeit der Katastrophen eine Folge des Klimawandels, dessen Bekämpfung er zu einer seiner Top-Prioritäten gemacht hat. Biden sagte den von den Tornados betroffenen Bundesstaaten am Samstag Hilfe zu. „Ich verspreche Ihnen, was auch immer benötigt wird, die Bundesregierung wird einen Weg finden, es zu liefern“, sagte der Präsident bei einem kurzfristig anberaumten Auftritt in Wilmington (Delaware).
Biden sagte, es sei noch nicht klar, welche konkrete Rolle der Klimawandel bei der jüngsten Katastrophe gespielt habe. Die Erderwärmung trage aber zu Wetterextremen bei. „Also müssen wir handeln.“ Oberste Priorität habe derzeit aber, „dass wir jeden retten müssen, der noch am Leben ist“. Angesichts der Katastrophe wirf Biden seine Landsleute zur Geschlossenheit auf. „Wir werden das gemeinsam durchstehen“, sagte er. „Dies ist einer der Momente, in denen wir weder Demokraten noch Republikaner sind.“

Die schlimmsten Tornados in den USA in den vergangenen zehn Jahren

Die fünf tödlichsten Tornado-Serien in den USA in den vergangenen zehn Jahren:

April 2011: 354 Tote bei rund 300 Tornados im Südosten der USA

Zwischen dem 22. und 28. April 2011 wurde der Südosten der USA von etwa 300 Tornados heimgesucht, 354 Menschen kamen ums Leben. Allein in Alabama, wo Ortschaften wie etwa Tuscaloosa fast gänzlich von der Landkarte getilgt wurden, zählten die Behörden 250 Opfer. Betroffen waren aber auch Tennessee, Mississippi, Georgia, Arkansas und Virginia. Der dramatischste Tag war der 27. April - mit 314 Toten in fünf Bundesstaaten.

Mai 2011: 161 Tote in der Stadt Joplin

Am 22. Mai 2011 verwüstete ein Tornado mit Böen von bis zu 320 Stundenkilometern den rund 50.000 Einwohner zählenden Ort Joplin im Bundesstaat Missouri, 161 Menschen starben. Der Sturm hinterließ eine 6,4 Kilometer lange und über einen Kilometer breite Schneise der Verwüstung.

März 2012: Über 50 Tote im Mittleren Westen

Am 2. März 2012 trafen rund 80 Tornados den Mittleren Westen der USA, darunter vor allem Kentucky und Indiana, aber auch Ohio, Tennessee oder Illinois. Mindestens 38 Menschen wurden getötet - erst zwei Tage vorher waren bei ähnlichen Unwettern 13 Menschen ums Leben gekommen.

April 2014: 35 Tote im Zentrum und Süden der USA

Am 27. und 28. April 2014 wurden mindestens 35 Menschen durch eine Reihe von Tornados getötet, die sechs Staaten im Zentrum und im Süden des Landes (Mississippi, Alabama, Tennessee, Arkansas, Iowa und Oklahoma) verwüsteten.

Dezember 2021: Mehr als 80 Tote im Südosten und Zentrum der USA

In der Nacht zum 11. Dezember zogen mehrere Tornados über verschiedene Bundesstaaten hinweg, darunter Kentucky, Illinois, Arkansas und Missouri. Mehr als 80 Menschen starben, die meisten davon in Kentucky. Die Opferzahl könnte noch steigen.
Der tödlichste Tornado in der Geschichte der USA war im Jahr 1925: Bei seinem Durchzug durch Missouri, Illinois und Indiana kamen damals 747 Menschen ums Leben.

Was ist ein Tornado und wie entsteht er?

Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) ist ein Tornado eine Luftsäule mit Bodenkontakt, die um eine mehr oder weniger senkrecht orientierte Achse rotiert und sich unter einer cumuliformen Wolke befindet.
Ein Tornado kann entstehen, wenn starke Temperaturgegensätze herrschen und Luft aufsteigt bzw. gehoben wird. Durch frei werdende Kondensationswärme und starke vertikale Windscherung (Zunahme der Windgeschwindigkeit und ggf. zusätzlich Änderung der Windrichtung mit der Höhe) wird dabei ein rotierender Aufwindschlauch erzeugt. Dieser kann einen Durchmesser bis über einen Kilometer erreichen, wobei Windgeschwindigkeiten von mehreren hundert Kilometern pro Stunde auftreten können.
Ein Tornado verwüstet längs seiner Zugbahn einen Streifen von einigen hundert Metern Breite (Asgardsweg). Die Stärke der Tornados wird anhand der Fujita-Skala (F-Scale) festgelegt. Die stärkste bisher beobachtete Tornadoklasse (F5) mit Windgeschwindigkeiten von etwas über 500 km/h trat zum Glück bisher recht selten auf (nur 1 Prozent aller Fälle).