Minden Tornado nicht ausgeschlossen - Schäden nach Unwetter in Ostwestfalen

DPA 24.05.2016
Tornados kennt man eigentlich eher aus den USA. Doch jetzt hat ein Unwetter die Stadt Minden so schwer heimgesucht, das man eine Windhose vermutet.

Dächer sind abgedeckt, Bäume umgestürzt, Keller vollgelaufen: Ein Unwetter hat in Ostwestfalen schwere Schäden angerichtet. Die Feuerwehr war im Kreis Minden-Lübbecke am Sonntagabend im Dauereinsatz. Auch Anwohner halfen, die Straßen von umgeknickten Bäumen und abgebrochenen Ästen zu räumen. In Minden, Porta Westfalica, Bad Oeynhausen und Petershagen wütete das Unwetter besonders heftig.

Die Polizei sprach von einem Tornado, der einen Stadtteil Mindens heimsuchte. Meteorologen wollten sich gestern noch nicht festlegen, ob es ein Wirbelsturm war. „Wir müssen noch einige Dinge analysieren“, sagte eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Essen. Es seien Orkanböen gemeldet worden, Hagelkörner von bis zu zwei Zentimetern Größe seien auf die Region niedergeprasselt.

Auf den Straßen der betroffenen Gebiete standen demolierte Autos. In Porta Westfalica stürzte ein Rollerfahrer über einen herausgespülten Gullydeckel. Der Mann wurde schwer verletzt und kam in eine Klinik. Im Kreis Paderborn wurde eine Windkraftanlage von dem Unwetter regelrecht zerlegt. Trümmerteile seien bis zu 250 Meter weit geschleudert worden und steckten in einem Feld, sagte eine Sprecherin des Kreises gestern. Es wird vermutet, dass am Sonntagabend starke Windböen oder Blitzeinschlag die 70 Meter hohe Windkraftanlage bei Dörenhagen zerstört haben.

Die Feuerwehr in Minden registrierte 86 Einsätze, die Polizei wurde zu 61 Einsätzen gerufen. „Das kann sich für die Region schon auf mehrere hundert Fälle summieren“, sagte ein Polizeisprecher. Es seien „großflächige Schäden“ entstanden, betroffen war vor allem der Mindener Stadtteil Meißen. Dort zerstörte der überaus starke Wind mehrere Häuser. „Das Unwetter hat eine Art Schneise gezogen“, sagte ein Feuerwehrsprecher. Fünf Häuser wurden so stark beschädigt, dass sie einsturzgefährdet waren. Die Gebäude mit insgesamt 33 Bewohnern mussten evakuiert werden. Mehrere Menschen kamen in Hotels unter. Die Schadenshöhe konnte die Polizei bislang noch nicht beziffern.

Im Laufe des frühen Vormittags waren die meisten Straßen wieder freigeräumt. Anwohner hätten mit Motorsägen geholfen, die abgeknickten Bäume von den Straßen zu räumen, berichtete die Polizei. Zuvor war die Bundesstraße 65 im Bereich Minden-Meißen in Fahrtrichtung Bückeburg eine Stunde lang gesperrt worden.

Windhosen in Deutschland

Wetterextrem In Deutschland gibt es jährlich 20 bis 60 Windhosen. Stärkere Tornados mit großer Zerstörungskraft sind selten. Sie entstehen meist in der sommerlichen Gewittersaison. Tornados sind Wirbelstürme, die bei großen Temperaturunterschieden über dem Festland entstehen. Durch Warmluft entsteht eine rotierende Bewegung in einer Wolke. Der Unterdruck im Zentrum erzeugt einen Sog und reißt alles in die Höhe.afp