Kruft Tödliches Familiendrama gibt Rätsel auf

Kruft / DPA 24.11.2012
Fassungslosigkeit im rheinland-pfälzischen Kruft. Ein 47-Jähriger hat vermutlich seine ganze Familie umgebracht. Seine Motive liegen im Dunkeln.

. "Er war ganz versessen auf die Jungs." So beschreibt der Ortsbürgermeister von Kruft, Rudolf Schneichel (CDU), den Mann, der in der beschaulichen 4000-Einwohner-Gemeinde im Norden von Rheinland-Pfalz höchstwahrscheinlich seine zwei Söhne und seine Frau umgebracht hat. Das Familiendrama hat dem Ort einen Schock versetzt.

Die Hintergründe sind noch völlig unklar. Der 47-Jährige will die Tat laut Polizei am Donnerstag begangen haben. Dann fuhr er zu Verwandten ins rund 180 Kilometer entfernte Saarbrücken, wo er sich gestern Morgen der Polizei stellte.

Er gab an, seine zwei Söhne im Alter von sieben und neun Jahren sowie seine 43 Jahre alte Frau umgebracht zu haben. Kurz darauf wird aus der Vermutung Gewissheit, Polizisten entdecken die drei Leichen im Haus der Familie in der Krufter Kondstraße.

Der Straßenabschnitt rund um das weiß verputzte Einfamilienhaus ist an diesem trüben Novembertag mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Es liegt eine fast schon gespenstische Ruhe über dem Tatort. Experten der Spurensicherung gehen in das Gebäude, später fahren Leichenwagen vor, um die Toten wegzubringen. Schaulustige und Anwohner sind zunächst kaum zu sehen, Polizisten und Medienvertreter prägen das Bild. Dann kommen zwei Frauen mit zwei Kindern und legen Blumen am Haus nieder.

"Wir haben keine Worte, es gab keinerlei Anzeichen", sagt Ortsbürgermeister Schneichel. Der Familienvater hatte Schneichels Angaben zufolge einen Schwerbehindertenausweis und arbeitete seit dem Frühjahr als 400-Euro-Jobber in den Grünanlagen der Gemeinde. "Er hat immer perfekte, gute Arbeit geleistet. Es hat einwandfrei funktioniert." Privat habe er den Mann nicht gekannt, zu möglichen Problemen der Familie, die seit zwölf Jahren in Kruft lebte, könne er daher nichts sagen. Klar sei aber: "Er war stolz auf seine Kinder." Die Jungen hätten ihren Vater oft bei der Arbeit besucht. Der Bürgermeister beschreibt sie mit tränenerstickter Stimme als "liebe Jungs".