Sie gilt eigentlich als weitgehend ausgerottet. Doch in einer kleinen Stadt im Nordwesten Chinas ist sie wieder aufgetaucht: die Pest. In Yumen, einer rund 30.000-Einwohner zäähelnden kleinen Stadt in der Provinz Gansu, ist ein 38-jähriger Bauer vergangene Woche dieser gefährlichen bakteriellen Infektion erlegen.

Wie chinesische Medien berichten, hatte er in freier Wildnis ein Murmeltier gefangen, es in kleine Stücke zerteilt und dann an seinen Hund verfüttert. Ärzte gehen davon aus, dass das Murmeltier mit dem gefährlichen Erreger infiziert gewesen war. Der Mann soll noch am selben Tag hohes Fieber und Gliederschmerzen bekommen haben und wenig später im Krankenhaus gestorben sein.

Die Pest ist zwar hoch ansteckend. Und unbehandelt führt die Krankheit nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation in 30 bis 60 Prozent der Fälle zum Tod. Doch anders als im Mittelalter, als auch in Europa Millionen Menschen der Pest erlagen, ist der Erreger heutzutage sehr gut untersucht.

Mitte des 14. Jahrhunderts löschte das Bakterium ein Drittel der europäischen Bevölkerung aus. Schätzungen gehen von 25 Millionen Toten aus. Heutzutage kann die Krankheit mit Antibiotika in der Regel wirkungsvoll behandelt werden.

Wer erkrankt ist, bekommt zunächst hohes Fieber und schwere Kopf- und Gliederschmerzen. Anders als Anfangs die Medien berichtet haben, ist der 38-Jährige nicht der Beulen-, sondern der Lungenpest erlegen. Sie gilt als eine besonders schwere Form. Die gefährlichen Bakterien befallen auch die Lunge - so dass der Betroffene seine Mitmenschen durch Husten und Niesen anstecken kann. Dieser Übertragungsweg gilt als besonders gefährlich. Die Inkubationszeit liegt nicht wie bei der Beulenpest bei mehreren Tagen, sondern zum Teil nur bei wenigen Stunden.

Die chinesischen Behörden sind entsprechend alarmiert. Sie haben die gesamte Stadt abgeriegelt, für die 30 000 Bewohner eine mehrwöchige Ausgangssperre erteilt sowie 151 Leute unter Quarantäne gestellt, von denen vermutet wird, dass sie mit dem Mann im Kontakt gestanden haben könnten.

Zu Versorgungsengpässen werde es nun aber nicht kommen, versicherte ein Behördenvertreter dem Staatssender CCTV. "Der Stadt stehen ausreichend Reis, Mehl und Öl zur Verfügung, um die Bevölkerung einen Monat lang zu ernähren."

Neue Fälle sind seitdem zwar nicht aufgetreten. Doch der Schock von August 2009 sitzt tief. Damals brach in der benachbarten Provinz Qinghai ebenfalls die Lungenpest auf. Elf Menschen infizierten sich mit dem gefährlichen Erreger, ein Mensch starb. Ebenfalls in China unvergessen ist der Ausbruch der Lungenpestepidemie Anfang des 20. Jahrhundert. Damals hatte sich im Nordosten des Landes der Erreger über den Handel mit Pelzen des sogenannten Sibirischen Murmeltiers verbreitet. Innerhalb von nur sieben Monaten hatte sich die Pest über ganz Nordchina verbreitet. Mehr als 60.000 Menschen kamen damals ums Leben.

Dass gefährliche Erreger wie etwa vor elf Jahren auch die hochansteckende Infektionskrankheit SARS ausgerechnet in China ihren Ursprung haben, ist keineswegs dem Zufall geschuldet, sondern hängt vielerorts mit den Ess- und Hygienegewohnheiten der Menschen zusammen. Speziell Wildtiere gelten häufig als Delikatesse, in ärmeren Regionen, zu der die Provinz Gansu gehört, werden Wildtiere auch zur Verfütterung für die Haustiere gejagt. "Zwar hat SARS in China zu einem Bewusstseinswandel geführt", sagt der Pekinger Hygieneforscher Qiu Xiandong. Gerade die Menschen auf dem Land seien aber auch weiterhin oft nicht ausreichend informiert.