„Wir fischen im Trüben“, gestand der Vorsitzende Roland Kleinschroth am fünften Tag des Prozesses gegen die Künzelsauer Ersatzoma Elisabeth S. (70). Sie ist angeklagt wegen Totschlags, weil sie den siebenjährigen Ole erwürgt haben soll. Doch seit dem ersten Verhandlungstag am 27. November schweigt die Rentnerin, die nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft als einzige Täterin in Frage kommt.

Jetzt setzt das Heilbronner Landgericht alle Hoffnung auf den psychiatrischen Gutachter Thomas Heinrich. Mit ihm hat sich die Angeklagte auf Anregung Kleinschroths getroffen. Was bei dieser Exploration herauskommt, soll am kommenden Montag mitgeteilt werden. „Wenn man etwas getan hat, gehört es auch dazu, es zu sagen“, ermahnte der Richter die schweigende Frau. Vor allem für die Eltern des Buben sei sehr wichtig zu wissen, wie und warum ihr Kind getötet worden sei. Die Tat sei schon schlimm genug, „noch schlimmer wäre, wenn die Eltern von Ole nicht erfahren würden, was passiert ist“, appellierte der Richter an die Angeklagte. „Sie allein können diese Last nehmen.“

Drei Stunden Gespräch mit Sohn

Der Junge wurde am 28. April 2018 tot im Haus von „Oma Elisabeth“ gefunden, die sich seit gut fünf Jahren um ihn kümmerte. Die Umstände sind bisher völlig unklar. Die Anklage geht von Trennungsängsten aus, weil Ole nicht mehr so häufig betreut werden durfte. Dafür gibt es jedoch keine stichhaltigen Beweise. Der Sohn der Angeklagten hatte im Gerichtssaal seine Mutter zu einem Geständnis ermutigt: „Sie muss keine Angst haben, dass ich mich von ihr abwende.“ Ein über dreistündiges Vieraugen-Gespräch im Souterrain des Landgerichts hatte jedoch nicht zu einem Durchbruch geführt. Die Verteidigerin erklärte, für ihre Mandantin sei es schwierig, sich im Gerichtssaal, damit vor Publikum, zu äußern. Was sie sagen könnte, soll der Sachverständige mitteilen.

Neue Termine werden geprüft

Wegen Erkrankung der Verteidigerin geriet der Zeitplan durcheinander. Das Urteil wird es deshalb nicht am 31. Januar geben. Zusätzliche Verhandlungstage müssen anberaumt werden. Zwar möchte die Strafkammer das Verfahren im Februar beenden, aber es werden mit den Prozessbeteiligten auch Termine im März geprüft.

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