Lima Tod am Strand

Wissenschaftler vermessen einen verendeten Delfin an der Nordküste Perus. Sie hoffen, mit der Untersuchung der Tiere auf die Ursache schließen zu können. Foto: afp
Wissenschaftler vermessen einen verendeten Delfin an der Nordküste Perus. Sie hoffen, mit der Untersuchung der Tiere auf die Ursache schließen zu können. Foto: afp
Lima / SANDRA WEISS 10.05.2012
Tausende Delfine, Pelikane, Fische und Seelöwen verenden vor der Küste Perus. Forscher rätseln: Ist ein Virus, das Klima oder Überfischung Schuld?

Es fing mit ein, zwei Dutzend toten Delfinen an, die vor 14 Tagen an die Küste im Norden Perus gespült wurden. Dann wurden es 100, 200, mittlerweile sind es mehr als 1000. Und nicht nur die Delfine sterben, sondern auch Fische, Schildkröten, Seelöwen und Pelikane. Dieser Tage wirkt die 2500 Kilometer lange Pazifikküste wie ein enormes Grab. Von einer "ökologischen Katastrophe" spricht der Umweltschützer Heinz Plenge. Er fordert die Erforschung der Ursachen.

Denn was hinter dem massiven Sterben steckt, darüber rätseln die Forscher noch. In der Hauptstadt Lima verhängte die Gesundheitsbehörde jetzt sicherheitshalber ein Badeverbot für die angrenzenden Strände, nachdem in den vergangenen Tagen dort 150 tote Pelikane gefunden wurden. In Chiclaya waren es 200 tote Vögel, in Trujillo mehr als 3000. In der Bevölkerung grassiert Angst: Der Konsum von Fisch und Meeresfrüchten ging in den vergangenen Tagen drastisch zurück.

Die Pelikane sind nach Einschätzung des Meeresbiologen Carlos Bocanegra von der Universität in Trujillo schlichtweg verhungert. "Die untersuchten Kadaver waren mager, hatten wenig Abwehrkräfte und viele Parasiten", sagte Bocanegra der peruanischen Presse. "Ich gehe davon aus, dass sie wegen des Mangels an Sardellen verhungert sind."

Der Fisch ist das Hauptnahrungsmittel der Pelikane, und er ist in diesem Jahr außergewöhnlich knapp. Grund dafür könnte nach Einschätzung des Vorsitzenden der Forst- und Umweltverwaltung der Region Lambayeque, José Delgado, die Überfischung sein. "Der Fischfang in großem Stil und die Verschmutzung des Meeres haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen", sagt er.

Ebenso denkbar sind negative Auswirkungen der Erdölförderung auf dem Meer. Bei dieser Offshore-Förderung kommt es zu Sprengungen und Explosionen, die ersten Erkenntnissen zufolge die Meeresfauna, besonders die Delfine, beeinträchtigen. Auch Bakterien oder die Vogelgrippe sind eine Hypothese, der die Wissenschaftler nachgehen wollen.

Das Sterben der Vögel und Fische könnte aber auch ein Hinweis darauf sein, dass sich das Klimaphänomen "El Ni·o" wieder nähert. Dabei wird der sonst vor der peruanischen Küste dominierende, kalte und fischreiche Humboldtstrom vorübergehend durch wärmere Strömungen verdrängt, was das komplette Klimasystem Südamerikas beeinflusst und zu ungewöhnlichen Dürrephänomenen in einigen und zu extremen Regenfällen in anderen Regionen führt. Die Fischschwärme folgen den kalten Strömungen in Richtung Süden und verlassen die peruanischen Gewässer.

"Zuletzt haben wir 1997 ein massives Fisch- und Seevögelsterben gehabt, was damals mit einer Erhöhung der Wassertemperatur zusammenhing", sagt der Chef des meterologischen Instituts, Abraham Levy.