Hannover Tipps für lange Autofahrten mit Kindern: Abwechslung mit Buch und Tablet

EPD 20.07.2016
Sieben-Minuten-Geschichten, die Musik zur Tour und klare Absprachen: Experten geben Tipps, wie Familien lange Fahrten in den Urlaub gut überstehen.

Die Sonne knallt aufs Autodach, das Ende des Staus ist nicht abzusehen, zum Urlaubsort dauert es noch Stunden, und dann diese Frage von der Rückbank: „Wann sind wir endlich da?“ Auch Pastor Jens Blume aus Timmel in Ostfriesland kennt sie von langen Fahrten nach Innsbruck mit seinen fünf Kindern. „Je früher die Frage kommt, desto schlimmer für den Fahrer“, weiß der 48-Jährige. Aber er und seine Frau haben ihren Kindern, die zwischen 3 und 17 Jahre alt sind, immer ehrlich geantwortet und das wiederholte Nachbohren ernst genommen: „Das ist keine Quengel-Frage.“

Auch die Psychologin Birgit Derntl von der Uni Tübingen rät Eltern, ihre Kinder nicht anzulügen. „Auch wenn die Antwort ‚gleich‘ eine kurze Entlastung bietet, wird das Kind es beim dritten Mal nicht mehr glauben.“ Da Kinder schwer abschätzen könnten, wie lange drei Stunden dauern, empfiehlt Derntl, „in der Kinderzeit zu bleiben“. Spiele das Kind beispielsweise im Fußballverein, dauere die Fahrt eben noch vier Halbzeiten.

Stress auf langen Autofahrten ist nach Einschätzung der Psychologin normal. „Problematisch wird es, wenn wir nicht wissen, wie lange die Stress-Situation dauert und wir sie nicht kontrollieren können.“ Umso wichtiger sei es, zwischendurch für Entspannung zu sorgen. Das Angebot, das den Kindern Abwechslung verschafft, ist mittlerweile groß. Mitmach-Bücher etwa zum Malen, Rätseln und Basteln zu beliebten Themenbereichen wie Ritter, Dinosaurier oder Piraten.

Das Buch als Reisebegleiter oder ein Tablet – da gehen die Meinungen auseinander. Für die Psychologin Derntl darf die Elektronik schon mal dabei helfen, eine Autofahrt zu entlasten. „Eltern sind nicht automatisch Raben-Eltern, wenn sie ihren Kindern ein Tablet geben.“ Derntl ist dennoch überzeugt, dass gemeinsames Spielen und Singen das Gemeinschaftsgefühl mehr fördern als Stöpsel im Ohr.

Wichtig ist laut der Pädagogin Petra Gläser von der Katholischen Familienbildungsstätte in Bonn, sich auf den Rhythmus der Kleinen einzustellen. Es sei wichtig, nicht abgehetzt von der Arbeit zu kommen, das Auto zu packen und loszufahren, sagt sie. Sinnvoll sei außerdem, nicht gleich zum Ferienbeginn loszufahren und auf die Wetterlage zu achten.Nach spätestens zwei Stunden Fahrt mit Kleinkindern oder Säuglingen rät die Expertin zu einer Pause. „Grundsätzlich sollte man nicht mehr als 500 Kilometer pro Tag im Auto reisen.“.

Am Wochenende wird es richtig eng auf den Autobahnen

Stau-Höhepunkt Angesichts des Ferienbeginns in weiteren Bundesländern bis zum kommenden Wochenende hat der ADAC vor dem Höhepunkt der diesjährigen Sommer-Stausaison gewarnt. „Am Wochenende ist die Staugefahr auf deutschen Autobahnen in alle Richtungen extrem groß“, warnt der ADAC. Während in Berlin, Brandenburg, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern die Ferien starteten, rolle aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland die zweite Reisewelle an. Hinzu kämen viele Autourlauber aus Skandinavien, den Niederlanden und anderen Regionen Europas, erklärte der ADAC. Auch die Zahl der Urlaubsrückkehrer auf den Autobahnen nehme stark zu, so dass in alle Richtungen mit Wartezeiten gerechnet werden müsse.

Autobahn-Baustellen In der sommerlichen Hauptreisezeit müssen sich Urlauber diesmal auf mehr als 500 Baustellen auf den deutschen Autobahnen gefasst machen. Zwischen Anfang Juli und Mitte September sind nach Daten des Bundesverkehrsministeriums 548 größere Projekte angemeldet. Am meisten gebaut wird demnach in Nordrhein-Westfalen mit 138 Arbeitsstellen von mindestens vier Tagen Dauer. Es folgen Bayern mit 98 Vorhaben, Hessen mit 62 und Niedersachsen mit 61 Projekten. Im vergangenen Jahr waren für Juli bis Ende August 370 Ferien-Baustellen auf dem 13.000 Kilometer langen Autobahnnetz gemeldet worden.

Lkw-Fahrverbot Zur Entlastung der Autobahnen gilt im Juli und August für Lastwagen ab 7,5 Tonnen und Lkw mit Anhänger auch samstags ein Fahrverbot – und nicht nur wie generell an Sonn- und Feiertagen. Ziel seien weniger Staus, mehr Platz für Pkw und eine stressfreiere Fahrt in den Urlaub, hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) gesagt. dpa/afp

Höhepunkt  Angesichts des Ferienbeginns in weiteren Bundesländern und einigen skandinavischen Ländern warnt der ADAC vor dem Höhepunkt der diesjährigen Sommer-Stausaison: „Am Wochenende ist die Staugefahr auf deutschen Autobahnen in alle Richtungen extrem groß.“ Auch die Zahl der Urlaubsrückkehrer nehme stark zu.

Baustellen In der Hauptreisezeit müssen sich Urlauber auf mehr als 500 Autobahn-Baustellen gefasst machen. Bis Mitte September sind laut Bundesverkehrsministeriums 548 größere Projekte angemeldet – die meisten in Nordrhein-Westfalen (138), gefolgt von Bayern (98) und Hessen (62 Projekte).  dpa/afp