Die AfD hat sich entschieden: Tino Chrupalla bleibt an der Parteispitze. Sein Gegenkandidat aus dem eher gemäßigten Lager errang einen Achtungserfolg. Im weiteren Verlauf wollte der Parteitag noch darüber abstimmen, wer neben Chrupalla den Posten des oder der zweiten Vorsitzenden einnimmt. Alle

Tino Chrupalla als AfD-Chef wiedergewählt

Tino Chrupalla bleibt Parteichef der AfD. Beim Bundesparteitag im sächsischen Riesa bekam der 47-Jährige am Samstag 287 von 538 abgegebenen Stimmen (53,4 Prozent). Sein Gegenkandidat Norbert Kleinwächter kam auf 195 Stimmen (36,3 Prozent). 55 Delegierte stimmten gegen beide Kandidaten. Es gab eine Enthaltung.

Tino Chrupalla im Steckbrief: Alter, Familie, Kinder, Funktionen in Partei

Alle Fakten zu Tino Chrupalla auf einen Blick:
  • Name: Tino Chrupalla
  • Alter: 47
  • Geburtstag: 14. April 1975
  • Geburtsort: Weißwasser (Sachsen)
  • Kinder: drei
  • Familienstand: verheiratet
  • Beruf: Inhaber eines Unternehmens im Maler- und Lackiererhandwerk
  • Partei-Funktionen: Vorsitzender der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag, Bundessprecher der Alternative für Deutschland, stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuss

Tino Chrupalla: Herkunft, Ausbildung, Werdegang

Geboren im sächsischen Weißwasser machte Chrupalla zunächst eine Ausbildung zum Maler und Lackierer, dann Zivildienst und später die Meisterprüfung im Freistaat. Als Jugendlicher war er für kurze Zeit in der Jungen Union, nach der Wende wählte er nach eigenen Angaben CDU und FDP. Doch habe ihn die "Arroganz" der etablierten Parteien gestört, die den Mittelstand zu wenig beachteten.
Seine Verankerung im ländlichen Raum hebt der Vater von drei Kindern gerne hervor. Als Handwerksmeister habe er Kontakt zu allen Bevölkerungsschichten, er sei "bürgernah" und gut eingebunden in die Strukturen vor Ort.

Wann trat Tino Chrupalla der AfD bei?

Die Eurokrise habe ein "Umdenken" bei ihm ausgelöst: 2014 wählte er die gerade gegründete AfD, 2015 trat er in die Partei ein. Bei der Bundestagswahl 2017 holte Chrupalla für die AfD das Direktmandat im Wahlkreis Görlitz - und konnte es im September verteidigen.

Seit wann ist Tino Chrupalla Parteivorsitzender der AfD?

Chrupalla steht seit November 2019 an der Spitze. Bei seiner ersten Wahl auf dem damaligen Parteitag in Braunschweig hatte er 54,5 Prozent der Stimmen geholt. Der Handwerksmeister aus Sachsen führte die AfD nach dem Weggang von Ex-Co-Chef Jörg Meuthen zuletzt alleine. Meuthen hatte der AfD einen zunehmend radikalen Kurs bescheinigt.

Chrupalla für freiheitlich-sozialen Kurs

Der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla will seine Partei in den kommenden zwei Jahren auf einen „freiheitlich-sozialen“ Kurs führen. In seiner Rede zur Eröffnung des 13. AfD-Bundesparteitages sagte Chrupalla am Freitag im sächsischen Riesa, er sehe zwischen „freiheitlich“ und „sozial“ keinen Widerspruch. Wichtigster Tagesordnungspunkt der dreitägigen Veranstaltung ist die für Samstag vorgesehene Wahl der neuen Parteispitze.

Kritik an der Politik von Tino Chrupalla

Parteiinterne Kritiker, die sich selbst dem gemäßigten Lager zurechnen, hatten nach den jüngsten Stimmenverlusten bei mehreren Landtagswahlen den Parteichef offen angegriffen und ihm unter anderem vorgeworfen, im Westen nicht punkten zu können. Man müsse „weg von der Wutbürgerpartei“. Sie kritisieren Chrupallas Kurs auch als zu russlandfreundlich und bringen Parteiaustritte damit in Verbindung.
Chrupallas Gegenkandidat Kleinwächter sagte in seiner Bewerbungsrede, „wir müssen aus dem Tief, in dem wir sind, dringend rauskommen“. Er sprach sich für Professionalisierung, Einigkeit, Disziplin und einen neuen Stil in der Kommunikation nach außen aus und pochte auf einen „liberal-konservativen“ Kurs der AfD. „Wir vertreten eigentlich die Mehrheit der Bevölkerung in unserem Land. Sie weiß es nur nicht und wir müssen sie darüber informieren.“ Als Vertreter der gemäßigten Strömung erzielte er auf dem Parteitag einen Achtungserfolg.

Das waren die bisherigen Vorsitzenden der AfD

Viele Wechsel an der Spitze prägen die noch kurze Parteiengeschichte der AfD. Am Wochenende wird die nächste Führung gewählt. Die bisherigen AfD-Vorsitzenden:
  • April 2013: Die AfD hält in Berlin ihren Gründungsparteitag ab. Bernd Lucke, Frauke Petry und Konrad Adam übernehmen den Vorsitz.
  • Juli 2015: Auf einem turbulenten Bundesparteitag in Essen setzt sich Petry gegen Lucke durch und holt Jörg Meuthen an ihre Seite. Lucke verlässt die Partei. Adam scheidet aus. Er erklärt 2020 seinen Parteiaustritt.
  • September 2017: Unmittelbar nach der Bundestagswahl verlässt Petry Partei und Fraktion. Sie war mit dem Versuch gescheitert, die AfD auf einen gemäßigteren Kurs festzulegen. Neuer Ko-Parteichef an der Seite Meuthens wird im Dezember Alexander Gauland.
  • November 2019: Gauland verzichtet auf eine erneute Kandidatur als Bundessprecher, neuer Vorsitzender neben Meuthen wird Chrupalla.
  • Januar 2022: Meuthen legt den Parteivorsitz nieder und tritt aus der AfD aus. Er begründet dies mit zunehmenden "totalitären" Anklängen in der Partei und dem wachsenden Einfluss radikal rechter Kräfte.
mit dpa und AFP