Ein neues Label wird bald auf Lebensmitteln in Deutschland zu sehen sein. Das Tierhaltungskennzeichen wird ab Sommer 2023 zunächst auf Schweinefleischprodukten zu sehen sein, bevor es nach und nach auf andere Produkte greift. Das Kennzeichen, dass vom Landwirtschaftsministerium unter Cem Özdemir (Grüne) entwickelt wurde, soll „neutral über die Haltungsform der Tiere“ informieren und dabei nicht wertend sein. Zur Auswahl stehen dabei fünf Kategorien, die markiert werden können. Doch was bedeuten diese Kategorien genau? Hier klären wir auf.

Tierwohl auf einem Label: Das sind die Kategorien

So soll das neue Haltungslabel auf tierischen Produkten aussehen.
So soll das neue Haltungslabel auf tierischen Produkten aussehen.
© Foto: dpa
Auf dem neuen, schwarz-weißen Kennzeichen wird es folgende fünf Kategorien zur Auswahl geben. Diese sind:
  • Bio
  • Auslauf / Freiland
  • Frischluftstall
  • Stall und Platz
  • Stall
Die Haltungsform, die markiert wird, muss laut Gesetz auch die sein, die das Tier im „produktiven Lebensabschnitt“ erlebt hat. In der Regel bedeutet das also die Zeit, in der das Tier gemästet wird, bevor es geschlachtet wird.

Haltungsform „Stall“

Die Haltungsform Stall bedeutet laut Landwirtschaftsministerium die gesetzliche Mindestanforderung für die Tierhaltung in Deutschland. Schweine werden in dieser Haltungsform in schmalen Kästen gehalten. Ihnen müssen mindestens 0,75 Quadratmeter pro Tier an Platz zustehen. Außerdem sind Spaltböden in dieser Haltungsform erlaubt, was Tierschützer kritisieren.
Schweine in einem Mastbetrieb mit konventioneller Tierhaltung.
Schweine in einem Mastbetrieb mit konventioneller Tierhaltung.
© Foto: dpa

Haltungsform „Stall und Platz“

Bei dieser Haltungsform müssen die Tiere laut Gesetz mindestens 20 Prozent mehr Platz haben, als die Mindestanforderungen. Zudem muss es weitere Elemente geben, die den Tieren etwas Beschäftigung oder Abwechslung ermöglichen. Das Landwirtschaftsministerium nennt hier beispielsweise verschiedene Temperatur- und Lichtverhältnisse oder Ebenen. Häufig wird den Tieren ein Stück Holz oder etwa Stroh hinzugegeben. Ansonsten gibt es nur wenig Abweichung von der ersten Haltungsform.

Haltungsform „Frischluftstall“

Das Gesetz schreibt hier vor, dass die Tiere einen dauerhaften Zugang zum Außenklima haben müssen. „Dies wird erreicht, indem mindestens eine Seite des Stalls offen ist, so dass die Tiere Umwelteindrücke wie Sonne, Wind und Regen wahrnehmen können,“ so das Landwirtschaftsministerium. Das heißt aber nicht, dass die Tiere das Außenklima auch betreten können. Die Beschäftigungsmöglichkeiten sind gleich wie bei Stall+Platz. Schweine werden weiterhin in Kästen mit Spaltböden gehalten.

Haltungsform „Auslauf / Freiland“

Tiere, die in dieser Haltungsform leben, müssen täglich mindestens acht Stunden Auslauf haben. Sie können sich zum Beispiel im Freien außerhalb des Stalls aufhalten. Schweinen und Hühnern muss die ganze Zeit Zugang zu Stroh oder ähnlichem ermöglicht sein. Sie können sich also relativ frei bewegen.
Freilandhennen haben dauerhaft Zugang zur Außenwelt.
Freilandhennen haben dauerhaft Zugang zur Außenwelt.
© Foto: dpa

Haltungsform „Bio“

Bei dieser Haltungsform müssen die Anforderungen der EU-Ökoverordnung erfüllt sein. Es gelten die gleichen Anforderungen wie bei der Freilandhaltung, nur dass den Tieren noch mehr Platz gewährt werden muss und die Zahl der Tiere, die gehalten werden dürfen, wird begrenzt. Zudem müssen die Tiere zu einem bestimmten Anteil (zwischen 30 und 70 Prozent) von regionalen Produkten ernährt werden. Noch mehr Details zur Öko-Verordnung gibt es hier.
Ein Schwein auf einem Biohof.
Ein Schwein auf einem Biohof.
© Foto: dpa

Neues Gesetz ab 2023: Kennzeichnung wird Pflicht

Das neue Gesetz des Landwirtschaftsministeriums ist insofern neu, dass es für alle Lebensmittel, die aus Deutschland stammen, nun eine Pflicht zur Kennzeichnung gibt. Bisher war das Informieren über die Art der Tierhaltung freiwillig. Zudem soll die Tierkennzeichnungspflicht Landwirten mehr Anreize zum Umbau geben. Laut Ministerium würden Landwirte, die ihren Tieren bessere Haltungsbedingungen ermöglichen, beim Umbau finanziell unterstützt.