Amsterdam Thronwechsel: Amsterdamer wittern das große Geschäft

Königin Beatrix (rechts) mit Kronprinz Willem-Alexander und Máxima. Foto: dpa
Königin Beatrix (rechts) mit Kronprinz Willem-Alexander und Máxima. Foto: dpa
Amsterdam / DPA 06.03.2013
Die Niederländer wollen den Thronwechsel in acht Wochen groß feiern. Viele fürchten die Kosten. Andere dagegen wittern ein großes Geschäft.

Ein Zimmer im Amsterdamer Hotel Krasnapolsky am 30. April ist so aussichtslos wie ein Lottogewinn. Kein Wunder: Die Luxusherberge steht am Platz Dam, gegenüber dem Palast. Dort wird Königin Beatrix in acht Wochen den Thron an Willem-Alexander übergeben. Vom Krasnapolsky aus hat man den besten Blick auf den Balkon, auf dem die königliche Familie tausenden Menschen zuwinken wird.

Viele Hotels in der Nähe sind ausgebucht. Vor dem Oranje-Fest des Jahrzehnts wittert mancher Amsterdamer Geld. Studentenzimmer, Zelte, Boote - sogar ein Gartenhäuschen gibt es: 250 Euro pro Nacht.

Fans von Kronprinz Willem-Alexander (45) und Prinzessin Máxima (41) können auch das "Königinnentag-Arrangement" von Wietze Mulder buchen. 650 Euro für eine ganze Woche. Der Haken: Es ist ein Schlafplatz auf einem Campingplatz. "Es ist Krise, oder?" witzelt Mulder, Besitzer eines Wohnwagenverleihs. "Da muss man etwas kreativ sein."

Das große Königsfest steht nun einmal im Zeichen der Krise. "Ein einfaches, aber fröhliches Fest", hatte Ministerpräsident Mark Rutte angekündigt. Der Premier muss ausgerechnet jetzt wegen der anhaltenden Rezession noch einmal vier Milliarden Euro sparen. Prassen ist daher nicht angesagt, muss sich auch Königin Beatrix gedacht haben. Die 75-Jährige verzichtet auf ein Abschiedsgeschenk, teilte der Hof mit.

Natürlich wird das Fest doch ein paar Euro kosten. Mit sieben Millionen Euro rechnet allein Amsterdam. Der größte Teil davon ist für Polizei und Sicherheit der Königsfamilie und der Gäste reserviert. Aber auch die Parade von historischen Segelschiffen wird nicht billig.

Der Thronwechsel wird viel teurer, fürchten Bürger und Politiker und zählen auf: Kosten für Sonderzüge, Konzerte, Überstunden der Beamten. "Mindestens zehn Millionen Euro muss die Stadt zusammenkratzen", rechnete der sozialistische Abgeordnete im Amsterdamer Stadtparlament, Laurens Ivens, aus.

"Typisch holländisch", reagierten die königstreuen Oranjevereine empört auf die Kritik und spielen auf den sprichwörtlichen Geiz der Niederländer an, die "immer für zehn Cent auf der ersten Reihe sitzen wollen". Auch Amsterdams Bürgermeister Eberhard van der Laan findet die Kritik kleinlich. "Dass wir als Hauptstadt das Fest organisieren dürfen, ist eine Ehre." Er weist darauf hin, dass das 60. Thronjubiläum der britischen Queen im letzten Sommer sogar rund 13 Millionen Euro gekostet habe.

Doch inzwischen murren viele Bürger. "Das können die Oranjes ruhig selbst bezahlen", sagte eine Frau namens Mariska der Tageszeitung "De Telegraaf".