Sechs Zeugen sind am Mittwoch für den Prozess um den rechtsterroristischen Anschlag von Halle geladen. Das Gericht will an diesem siebten Prozesstag das soziale Umfeld des Angeklagten untersuchen. Dabei soll es um das Umfeld des Mannes in der realen Welt und im Internet gehen.
Unter den Zeugen sei unter anderem die Direktorin der Grundschule, die der Angeklagte besuchte und an der seine Mutter unterrichtete. Außerdem will das Gericht Online-Experten des Bundeskriminalamtes (BKA) befragen. Sie sollen Auskunft über die Kreise und Foren geben, in denen der Angeklagte im Internet unterwegs war.

Angeklagter hat Anschlag von Halle bereits gestanden

Der Prozess gegen den Sachsen-Anhalter Stephan Balliet läuft seit dem 21. Juli vor dem Oberlandesgericht Naumburg. Die Verhandlung findet aus Platzgründen im Landgericht Magdeburg statt. Der 28 Jahre alte Angeklagte hatte zu Prozessbeginn eingeräumt, am 9. Oktober 2019 schwer bewaffnet versucht zu haben, in der Synagoge von Halle ein Massaker anzurichten. Dort feierten zu dem Zeitpunkt 52 Menschen den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur. Nachdem er nicht in die Synagoge gelangt war, erschoss der Mann eine zufällig vorbeikommende 40 Jahre alte Passantin und später einen 20-Jährigen in einem Dönerimbiss.

Angeklagter bezog sich auf Online-Foren

Der Attentäter hatte sich vor, während und nach seiner Tat mehrmals auf andere Rechtsterroristen und auf bestimmte Online-Foren bezogen. Die Tat hatte er mit einem an seinem Helm befestigten Handy live ins Internet gestreamt. Vertreter der Nebenklage hatten im Verfahren auch deshalb betont, dass er im juristischen Sinne möglicherweise als Einzeltäter gehandelt habe. Seine Radikalisierung habe aber nicht im luftleeren Raum, sondern in einem globalen digitalen Referenzraum stattgefunden, hatten mehrere Anwälte erklärt.