Sie hat bereits begonnen, die Leidenszeit vieler Allergiker. Frühblüher verbreiten ihre Pollen. Akut vorbeugen heißt, die noch mäßige Allergenfracht gezielt reduzieren, raten die Allergologen Prof. Johannes M. Weiss (Uniklinik Ulm), Jörg Fischer (Uniklinik Tübingen) und Michael Bartczok (Ulm). Mitunter hilft mehr Hygiene auch gegen Tierallergien. Mit einer wirksamen Immuntherapie, die auch Asthma vorbeugen kann, sollte man hingegen weit vor der Pollensaison beginnen, die immer länger dauert.

 

Meine neunjährige Tochter hat eine Pollenallergie und ist mit Nasenspray und Tabletten versorgt. Was kann ich vorbeugend noch tun?

Um möglichst gut über die Periode des Pollenflugs zu kommen, die Nase vorbeugend spülen. Die  Wäsche, mit der das Kind in Berührung kommt, nicht lange oder gar nicht draußen trocknen. Nach dem Spiel im Freien die Kleider wechseln, möglichst nicht im Zimmer, in dem das Kind schläft. Am Abend die Haare waschen. Das Kind sollte sich vor allem an mittelwarmen Tagen mit sehr anstrengenden Aktivitäten zurückhalten.

 

Meine typischen allergischen Reaktionen sind im Winter stärker als im Sommer. Sie treten nicht nur zuhause auf. Im Allergietest gab es bei Schimmelpilzsporen aber nur eine minimale Reaktion. Der Bluttest erbrachte einen Nachweis.  Wie soll ich weiter vorgehen?

Sie sollten jemanden kommen lassen, der zuverlässig Pilzsporen in der Umgebung nachweisen kann, in der Sie sich am häufigsten aufhalten. Dort müsste die Quelle zu finden sein, selbst wenn der Körper in einer anderen Umgebung ebenfalls Reaktionen zeigt. Das Ziel muss sein, die Entzündungen zurückzudrängen. Von allein werden sie jedenfalls nicht verschwinden.

 

Ich habe eine Frühblüher-Pollen­allergie. Im Bluttest zeigten sich viele Antikörper. Kommt für mich eine Immuntherapie in Frage?

Zunächst müssten Sie mit einem Allergologen durchsprechen, welche Allergene vorliegen. Eine Immuntherapie oder Hyposensibilisierung kommt bei Hasel-, Erle- und Birkenpollen ebenso in Betracht wie bei  Gräser- und Eschenpollen, Pollen von Kräutern, Sporen von Schimmelpilzen oder Allergenen von Hausstaubmilben. Sie sollten mit dieser Therapie aber im Herbst beginnen. Sie dauert drei Jahre. Ihre Ziele: das Immunsystem gegenüber Allergenen toleranter zu machen, die Symptome der Allergie zu reduzieren. Sie müssen weniger Medikamente einnehmen, zudem beugt sie Asthma vor. Es gibt aber auch Ausschlussgründe für diese Therapie, etwa bei bestimmten anderen Erkrankungen.
Nach meiner ersten Immuntherapie nehmen die Allergiesymptome wieder zu. Kann ich die Hyposensibilisierung wiederholen?

Wird die Therapie gut vertragen und wirkt, können Sie diese immer wieder für drei Jahre starten. Die Wirkung hält etwa sieben Jahre an. Die Allergen-Immuntherapie ist der Goldstandard für die Behandlung.

 

Ich habe Neurodermitis. Gibt es andere Mittel als Cortison?

Ja, es existieren neuere Medikamente. Die jahrelange Anwendung dieses Entzündunghemmers kann dazu führen, dass die Haut dünner wird. Besprechen Sie mit ihrem Hautarzt, welches der neueren Präparate gegen ihren Juckreiz hilft, zu anderen Arzneimitteln passt und von Ihnen vertragen wird.

 

Ich bin 79 Jahre alt und habe eine Pollenallergie – Birken, Erlen und Gräser. Die habe ich durch Augentropfen gut im Griff. Mir geht es um Kreuzallergien mit Obst und Gemüse. Esse ich einen Apfel, jucken sofort die Augen. Gleiches gilt für den Waldorfsalat.

Das gibt es häufig, dass Pollenallergiker auch auf Früchte- und Gemüsesorten allergisch reagieren. Etwa die Hälfte der Birkenpollenallergiker verträgt weder Nüsse noch Obstsorten aus der Familie der Rosengewächse wie Äpfel, Birnen, Pfirsich, Pflaume, Kirsche und Mandel. Wer auf Beifuß allergisch ist, hat mit roher Sellerie Schwierigkeiten. Meiden Sie Rohkostsalate. Nehmen Sie Gemüse in gekochter Form zu sich. Im Alter können allergische Reaktionen, etwa bei Äpfeln, ein bisschen besser werden. Bei einem Teil der Allergiker treten Kreuzallergien nur während der Pollensaison auf.

 

Meine Schleimhäute sind geschädigt und meine Bronchien reagieren sehr sensibel. Jetzt ist mir eine Katze zugelaufen. Der Allergie-­Prick-Test  auf Katzenhaare war leicht positiv. Kann ich das Tier trotzdem behalten?

Katzen verbreiten, oft unabhängig von der Rasse, ganz unterschiedlich stark Allergene. Die Haare sind dabei aber nicht die eigentliche Ursache. Die Allergene finden sich im Speichel, in der Tränenflüssigkeit und in den Hautschuppen. Da Katzen sich gern abschlecken, verteilen sie die Allergene auf ihr Fell. Wäscht man die Tiere, verringert sich der Allergeneintrag in die Wohnung. Sträuben sie sich gegen eine Wäsche, kann man sie auch mit einem feuchten Frotteehandtuch abreiben und dieses anschließend in die Waschmaschine stecken.

Nur zehn Prozent der Patienten gut versorgt


Die Hälfte der Bevölkerung neigt zu Überempfindlichkeit gegenüber sonst harmlosen Stoffen. Die Hälfte davon entwickelt allergische Symptome. Das  Immunsystem nimmt Eiweiße als Eindringliche wahr, die es in einer Überreaktion bekämpft. Diese Proteine kommen in Pflanzenpollen, Hausstaubmilben, Tieren, Schimmelpilzsporen, aber auch in Nahrungsmitteln vor.

Allergische Reaktionen reichen von verstopfter Nase, entzündeten Schleim- und Bindehäuten über Hautausschläge, Magen-Darm- und Atembeschwerden bis zum allergischen Schock, der zum Tod führen kann. Ein Drittel der  Menschen mit allergischem Schnupfen entwickeln Asthma.

Die Erkrankungen sind zum Großteil heilbar, wenn sie früh entdeckt und richtig behandelt werden. Allerdings erhalten laut Deutscher Allergie Liga nur zehn Prozent der Patienten eine optimale Therapie.

Im Widerspruch dazu steht ein Beschluss des Deutschen Ärztetags, die Fortbildung in diesem Fach zusammenzustreichen. „Das geht in die völlig falsche Richtung“, sagt Jörg Fischer, Leiter der Allergologie an der Uni-Hautklinik in Tübingen. Denn die Zahl der Allergiker steigt. So breitet sich die Ambrosia, das Traubenkraut, immer weiter aus. Dessen hoch allergene Pollen fliegen von September bis Ende Oktober. Sie verkürzen die pollenfreie Zeit, in der Allergiker aufatmen können. Lebensmittelunverträglichkeiten erweisen sich nach Untersuchungen in den meisten Fällen als „gefühlte“ Probleme.