Prozess in Ravensburg Auftakt verschoben: Supermarkt-Erpresser hat sich selbst verletzt

Der Angeklagte verletzt sich in der Nacht vor dem Prozess selbst und ist nicht verhandlungsfähig. Gegen Mittag wird erneut entschieden.
Der Angeklagte verletzt sich in der Nacht vor dem Prozess selbst und ist nicht verhandlungsfähig. Gegen Mittag wird erneut entschieden. © Foto: Felix Kästle (dpa)
Ravensburg / David Nau 01.10.2018
Der Angeklagte im Prozess um vergiftete Babynahrung hat sich in der Nacht auf Montag selbst verletzt und ist nicht verhandlungsfähig. Gegen Mittag wird erneut entschieden.

Das Medieninteresse ist enorm. Hinter der Absperrung im Sitzungssaal 1 des Ravensburger Landgerichts drängen sich vier Kamerateams und zahlreiche Fotografen, in der ersten Reihe sitzt ein Dutzend Journalisten. Sie alle warten darauf, dass sich die Tür in der hinteren Ecke des Gerichtssaals öffnet und Jochen S. in den Raum geführt wird. Sie warten vergeblich. Stattdessen öffnet sich die Tür am anderen Ende des Saals und die drei Richter kommen herein. Der Vorsitzende Richter Stefan Maier verkündet dann, dass der Stuhl des Angeklagten zumindest an diesem Montagmorgen wohl leer bleiben wird. Um 7 Uhr hätten Vollzugsbeamte der JVA Ravensburg entdeckt, dass sich der 54-jährige S. in der Nacht in seiner Zelle selbst verletzt hat. „Bei der Morgenkontrolle haben die Kollegen festgestellt, dass sich der Angeklagte Schnittwunden am Handgelenk zugefügt hat“, erklärt Maier. Außerdem stünde die Einnahme von Schlafmitteln im Raum. Der Angeklagte sei daraufhin auf die Krankenstation verlegt worden, ein Gefängnisarzt habe entschieden, dass Jochen S. nicht verhandlungsfähig sei.

September 2017

Dem Mann aus Ofterdingen im Landkreis Tübingen wird vorgeworfen, im September 2017 mehrere Gläser mit vergifteter Babynahrung in verschiedenen Supermärkten in Friedrichshafen platziert zu haben. Um 11,75 Millionen Euro zu erpressen, drohte er damit, weitere vergiftete Lebensmittel in Umlauf zu bringen. Nach seiner Festnahme hatte der Mann vor dem Haftrichter gestanden, den Giftstoff Ethylenglykol, eigentlich ein Frostschutzmittel, in die fünf Gläschen gemischt zu haben. Eine Analyse ergab, dass jede Portion eine für Säuglinge und Kleinkinder lebensgefährliche Dosis enthielt.

Habgier und Grausamkeit

Die Staatsanwaltschaft wirft S. deswegen versuchten Mord in fünf Fällen, versuchte besonders schwere räuberische Erpressung in sieben Fällen sowie gemeingefährliche Vergiftung vor. Laut Anklage seien die Mordmerkmale Habgier und Grausamkeit erfüllt.

Fortsetzung

Das Gericht gab am Montagnachmittag bekannt, dass der Angeklagte nicht weiter verhandlungsfähig ist. Der Prozess wird daher auf kommenden Montag vertagt.

So wurde der Mann festgenommen

Weitere Informationen zum Prozess

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel