Im Tarifstreit bei der Deutschen Post hatte die Gewerkschaft Verdi in dieser Woche an drei Tagen zum Warnstreik aufgerufen. Zuletzt bleiben am Samstag viele Briefe und Pakete liegen. Wie soll es jetzt am Montag, 30.1.2023, weitergehen? Sind neue Streiks geplant? Hier gibt es alle Informationen zum Poststreik:

Wird auch am Montag bei Post und DHL gestreikt?

Mit harten Bandagen wird im Tarikfkonflikt zwischen Post und Gewerkschaft Verdi gekämpft. Vor der dritten Verhandlungsrunde im Februar gab es jetzt die zweite Streikphase. Ob am Montag mit neuen Arbeitsniederlegungen zu rechnen ist, ist aktuell noch unklar. Die Gewerkschaft Verdi hatte immer am Streiktag selbst über die aktuellen Warnstreiks informiert. Bislang gibt es keine neue Ankündigung dazu. Bei der Zustellung von Briefen und Paketen wird es aber weiter zu Verzögerungen kommen. Die Post hatte angekündigt, dass als Folge der Streiks Millionen Briefe und Pakete liegengeblieben sind. Bis dieser Stau abgearbeitet ist, könne es mehrere Tage dauern.

Verdi rief am Samstag erneut bundesweit zu Warnstreiks bei der Post auf

Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Post hatte die Gewerkschaft Verdi am Samstag, 28.01.2023, erneut zu Warnstreiks aufgerufen. An den ganztägigen Arbeitsniederlegungen sollten sich Beschäftigte in ausgewählten Betrieben in den Paket- und Briefzentren sowie in der Paket-, Brief- und Verbundzustellung beteiligen, teilte Verdi am Samstag mit.

Beteiligung am Poststreik

Von Donnerstag, 26. Januar 2023, bis Samstag, 28. Januar 2023, beteiligten sich laut Gewerkschaft bundesweit rund 42.000 Beschäftigte an den ganztägigen Streiks. Damit lag nach Angaben von Verdi die Beteiligung höher als beim Poststreik der vergangenen Wochen: Hier hatten sich von Donnerstag bis Samstag bundesweit insgesamt rund 30.000 Beschäftigte an ganztägigen Streiks beteiligt.

Wie lange soll der aktuelle Streik bei der Post dauern?

Der erneute Streikaufruf galt für den Samstag. Auch diesmal blieben viele Pakete und Briefe liegen und können erst mit Verspätung zugestellt werden.
Die nächste Verhandlungsrunde im Tarifstreit soll erst am 8. und 9. Februar stattfinden.

Welche Regionen waren vom Poststreik betroffen?

Der erneute Streikaufruf bei der Post galt bundesweit. Es waren alle Regionen von den Arbeitsniederlegungen betroffen. Bestreikt wurde zum Beispiel die Zustellung im Raum Bonn, in Bochum und im Münsterland - dort blieben viele Briefe und Pakete liegen und wurden nicht ausgetragen. Auch Mannheim, Stuttgart und Freiburg waren betroffen.

450.000 Pakete nicht ausgeliefert: Wann werden sie jetzt zugestellt?

Als Folge der Ausstände blieben am Donnerstag laut Firmenangaben bundesweit rund 450.000 Pakete liegen, das waren knapp sieben Prozent der durchschnittlichen Tagesmenge. Bei den Briefen lag die Quote bei 3,5 Prozent, also 1,7 Millionen. Zu den Auswirkungen am Freitag hieß es, diese dürften regional sehr unterschiedlich sein - es könne aber sein, dass Briefe und Pakete erst in der kommenden Woche ausgeliefert werden können. Von den Streiks am Freitag dürften demnach bundesweit rund 17 Prozent der durchschnittlichen Tagesmenge bei Paketen und zehn Prozent der Briefe betroffen sein.

Wie reagiert die Post auf den neuen Streik?

Ein Sprecher der Post reagierte mit Unverständnis auf die erneuten Arbeitsniederlegungen. Man habe doch bereits angekündigt, zu Beginn der dritten Verhandlungsrunde am 8. Februar ein Angebot vorzulegen. Daher seien die Warnstreiks „unnötig, da sie letztlich nur zu Lasten unserer Kundinnen und Kunden gehen“.

Poststreik aktuell: Warum wird gestreikt?

Die Gewerkschaft Verdi fordert derzeit für mehr etwa 160.000 Beschäftigte der Post höhere Löhne. Doch die zweite Verhandlungsrunde mit der Post ist ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Deshalb wurden die Post-Beschäftigten jetzt erneut zum Streik aufgerufen. Die Gewerkschaft fordert 15 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Der Post-Vorstand lehnt die Forderung als unrealistisch ab.
Rund 140.000 der 160.000 Tarifbeschäftigten verdienten zwischen 2108 und 3090 Euro monatlich. Dieser Teil der Mitarbeiter könne Reallohnverluste nicht verkraften, argumentieren die Arbeitnehmervertreter. Die letzte Tariferhöhung im Januar 2022 habe bei 2 Prozent gelegen.

Post machte 2022 Milliarden-Gewinn

Der Konzern erwarte für das Jahr 2022 einen Rekordgewinn von etwa 8,4 Milliarden Euro. „Auch vor diesem Hintergrund sind unsere Tarifforderungen notwendig, gerecht und machbar“, so Verdi-Verhandlungsführerin Andrea Kocsis.

Gehalt: Was verdienen Postboten & Beschäftigte bei der Post?

Laut Tarifvertrag der Post verdienten Mitarbeiter bei der Deutschen Post AG zwischen 2100 Euro/Monat in der niedrigsten Tarifgruppe und 5580 Euro/Monat in der höchsten Gruppe. Letzteres ist für Angestellte mit mindestens 17 Jahren Berufserfahrung und in einer leitenden Funktion. Je nach Art der Beschäftigung und den Berufsjahren verändert sich die Tarifgruppe. Mehr Details zum Gehalt der Post-Beschäftigten gibt es hier.

Poststreik: Es drohen Probleme bei der Berlin-Wahl

Der Streik bei der Deutschen Post droht nicht nur für Kunden ein Desaster zu werden. Der zweite Anlauf der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 12. Februar steht nach dem Chaos bei der ursprünglichen Abstimmung im Fokus der Öffentlichkeit. Wegen des Warnstreiks bei der Post könnte es erneut zu Problemen kommen.
Zwar betrifft das wohl nicht den Versand von Wahlunterlagen an die Berlinerinnen und Berliner, wie eine Sprecherin der Landeswahlleitung auf Anfrage von SPIEGEL mitteilte, da diese innerhalb Berlins nicht von der Deutschen Post verschickt werden. Zu Verzögerungen kann es aber beim Rückversand der Wahlbriefe an die Bezirkswahlämter kommen. „Es wird erwartet, dass einzelne Wahlbriefe einen Tag verspätet eintreffen.“ Verzögerungen könnte es demnach auch beim Versand von Wahlunterlagen an Wahlberechtigte geben, die in anderen Bundesländern oder im Ausland wohnen. Denn das übernimmt im Gegensatz zum Versand innerhalb Berlins die Post.

Post hat zu wenige Filialen

Und noch ein anderes Problem sorgt bei der Post aktuell für Schlagzeilen. Die Post hat zu wenige Filialen auf dem Land. Wie die Bundesnetzagentur mitteilte, gebe es derzeit in Deutschland circa 140 „unbesetzte Pflichtstandorte“. Einer Verordnung zufolge muss es in jeder Gemeinde mit mehr als 2000 Einwohnern mindestens eine Postfiliale geben, für größere Kommunen gibt es weitere Vorgaben. Diese Pflicht erfüllt die Post an besagten Standorten nicht. Im Verhältnis zu den rund 13.000 stationären Einrichtungen, die die Post bundesweit hat, ist der Anteil der 140 unbesetzten Standorte gering. Mit Filiale gemeint sind in den allermeisten Fällen externe Partner - etwa Kioske oder Supermärkte, die auch einen Postschalter haben.