Stuttgart Stinkt nach Aas und lockt dennoch Besucher an: Die Titanwurz

Blick auf eine Titanwurz-Blüte im Schmetterlingshaus der Wilhelma in Stuttgart. Foto: Wilhelma Stuttgart
Blick auf eine Titanwurz-Blüte im Schmetterlingshaus der Wilhelma in Stuttgart. Foto: Wilhelma Stuttgart
Stuttgart / DPA 04.09.2018

Die Wilhelma in Stuttgart bereitet sich auf ein seltenes Schauspiel vor und erwartet dazu Hunderte Besucher. Eine der vier Titanwurz-Pflanzen des zoologisch-botanischen Gartens wird demnächst blühen - ein Ereignis das im Schnitt nur alle sieben Jahre für eine Nacht vorkommt.

Bereits Ende Juni hatte in der Wilhelma eine andere Titanwurz geblüht. Der neue Blütenstand wird sich wahrscheinlich in der Nacht vom 6. auf den 7. September zeigen. Die Titanwurz werde jeden Tag gemessen - je nach Zuwachs und anderen Merkmalen wie etwa Farbveränderungen könne der Blütezeitpunkt errechnet werden, sagte der Leiter des Fachbereichs Botanik der Wilhelma, Björn Schäfer.

„Aber man ist nie 100 Prozent sicher.“ Außerdem verhalte sich die bald blühende Titanwurz gar nicht nach Lehrbuch. „Die müsste schon deutlich über zwei Meter sein.“ Stand Anfang der Woche: 1,40 Meter.

Was nach Lehrbuch eintreten wird: Die neue Blüte wird nach Aas stinken. Dabei heize sich die Pflanze auf etwa 38 Grad auf, erklärte der Botaniker. „Die macht quasi ein sterbendes Tier nach, um Fliegen anzulocken.“ Im natürlichen Lebensraum der Titanwurz, dem Regenwald von Sumatra, ist das wichtig.

Denn dort spiele sich das Leben vor allem in den Baumkronen ab. „Das einzige, was es regelmäßig am Boden gibt, sind Tierleichen“, erklärte Schäfer. Indem die Titanwurz so tue, als sei sie Aas, locke sie Fliegen an, die sie für die Bestäubung für ihre eigene Fortpflanzung brauche. Dadurch, dass sich die Titanwurz aufheize, verbreite sich außerdem ihr Geruch besonders gut. „Der Blütenkolben wirkt dabei wie ein Verdampfer.“

Während für Aasinsekten die Titanwurz anscheinend verheißungsvoll riecht, trifft der Geruch bei Besuchern in der Regel nicht auf Gegenliebe. Manche verließen sogar schnell wieder den Raum, weil ihnen der Geruch zu intensiv sei, erzählte Schäfer.

Die Blüte ist der Höhepunkt im Dasein einer Titanwurz. Zur Vorbereitung bekommt die Pflanze laut Schäfer zunächst ein einzelnes, riesiges Blatt. Das könne bis zu drei Jahre stehen bleiben und produziere Energie, die in der Knolle gespeichert werde. Irgendwann ziehe sich das Blatt zurück. Dann habe die Knolle entweder genug Kraft für eine Blüte gesammelt oder sie bekomme ein neues Blatt, damit mehr Energie für die Blüte zusammenkomme.

Für die neue Blüte will die Wilhelma wieder nachts ihre Türen öffnen. Der Blütenhöhepunkt werde voraussichtlich zwischen 22.00 Uhr und 23.00 Uhr erreicht. Der Geruch wird Neugierigen nicht erspart: Eine Live-Kamera werde es aus Datenschutzgründen nicht geben, sagte Schäfer.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel