Die Stechmückenbekämpfer am Rhein ziehen ein positives Fazit der ersten Phase ihrer Arbeit im laufenden Jahr. Bisher hätten allein Mitte März erhöhte Pegelstände zum verstärkten Handeln gezwungen, sagte Norbert Becker, wissenschaftlicher Direktor der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) in Speyer. Hochwasser führt dazu, dass Mücken aus abgelegten Eiern schlüpfen - gegen die Blutsauger helfen nur wenige Mittel.

Becker zufolge behandelten die Experten im März zwischen Mainz und Bingen rund 500 Hektar aus dem Hubschrauber heraus und noch einmal etwa 200 Hektar zu Fuß mit Eisgranulat, das den biologischen Wirkstoff Bti enthält. Der Stoff zerstört den Darm der Larven und tötet sie. „Die behandelte Fläche ist nicht besonders groß. Das Jahr hat recht entspannt begonnen. Wir haben die Lage aktuell gut im Griff“, sagte Becker. Die Mückenjäger müssten erst wieder verstärkt ausrücken, falls es mehrere Tage am Stück stark regne.

Seit Ende April bekämpft die Kabs unter anderem bei Heidelberg die vermutlich aus Südeuropa eingeschleppte Asiatische Tigermücke, die gefährliche Krankheiten übertragen kann. „Falls jemand die Tigermücke entdeckt, sollte er das schnell dem Gesundheitsamt melden“, sagte Becker. „Wir würden das Tierchen gerne wieder loswerden.“

„Dank der Mithilfe und Kooperation der Anwohner konnte die Asiatische Tigermücke zwar bereits auf rund 60 Hektar beziehungsweise 90 Prozent der Bekämpfungsfläche erfolgreich ausgelöscht werden“, teilte Silke Hartmann vom Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis in Heidelberg mit. „Damit aber die verbliebenen Restbestände - sowie zwei im Jahr 2018 neu entdeckte sehr kleine Teilpopulationen in den Stadtteilen Neuenheim und Pfaffengrund - vollständig verschwinden, ist für 2019 ein Bekämpfungssystem mit unterschiedlicher Intensität vorgesehen.“

Die Tigermücke wurde in Deutschland erstmals 2014 bei Freiburg und dann etwa auch in Karlsruhe entdeckt. „Es gibt auf der französischen Seite ähnliche Probleme, auf der Pfälzer Seite hingegen nicht“, sagte Becker. In der Pfalz seien zwar kleine Populationen der Plagegeister entdeckt worden, sie hätten sich aber dort nicht ausgebreitet.

Der Kampf der Aktionsgemeinschaft gegen die Tigermücke ruhe auf drei Säulen. „Erstens auf der Beteiligung der Bürger, dazu verteilen wir zum Beispiel Flugblätter. Zweitens behandeln wir sie mit dem Wirkstoff Bti. Und drittens greifen wir zur sogenannten SIT-Technik, bei der wir sterilisierte Männchen einsetzen - diese können sich zwar paaren, das führt aber nicht zu Nachwuchs“, betonte Becker.

Mückenbekämpfung ist länderübergreifende Sache. Das Einsatzgebiet der Kabs reicht vom Kaiserstuhl in Baden-Württemberg bis nach Hessen im Norden und Bingen im Westen. Die Kabs hat seit ihrer Gründung 1976 sieben neue Stechmückensorten auf dem Gebiet festgestellt - vor allem Arten, die im mediterranen Raum und in Fernost leben. Die Experten werten dies als Folge des Klimawandels. Von Bedeutung ist neben der Rhein- und Hausschnake besonders die Asiatische Tigermücke. Sie wurde wohl aus Italien eingeschleppt. „Für diesen blinden Passagier ist die Autobahn A5 die Eingangspforte nach Deutschland“, sagte Becker.

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