Umfrage Münster bleibt Fahrradstadt Deutschlands

Ulrike von Leszczynski, dpa 20.05.2017

Das Rennen um die fahrradfreundlichste Stadt in Deutschland ist knapp ausgegangen: Titelverteidiger Münster hat seinen ersten Platz unter den Großstädten verteidigt. Es folgen Karlsruhe und Freiburg. Zum siebten Mal bringt der Fahrradklima-Test, den das Bundesverkehrsministerium am Freitag in Berlin präsentierte, Bewegung in die Diskussion um Mobilität in Städten.

Dass sie ein großes Thema ist, zeigt die Rekordbeteiligung: Noch nie hat der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) so viele Fragebögen zurückbekommen: 120.000 Menschen aus 539 Städten werteten, was sie als Stärken und Schwächen für den Radverkehr sehen.

Was alles schieflaufen kann, zeigt die Hauptstadt Berlin jeden Tag: Wüstes Gehupe zeugt davon, dass Radler sich die Straßen erobern – nicht immer nach den Regeln. Wenn schmale Radwege nicht ohnehin zugeparkt sind, staut es sich dort in der Rushhour. Und um manche Bürohäuser herrscht hartnäckiger Parkplatzsuchverkehr – auf zwei Rädern. Die traurige Bilanz für viele Unzulänglichkeiten waren im vergangenen Jahr 19 tote Radfahrer allein in Berlin.

Entsprechend mies fiel die Bewertung im Fahrradklima-Test aus, in dem die Berliner ihrer Stadt bei der Befragung im Herbst die Schulnote 4,34 gaben. „Berlin ist Entwicklungsland“, kommentiert DFC-Sprecherin Stephanie Krone. „Da geht alles viel zu langsam.“

Auf „sein“ Münster lässt Bürgermeister Gerhard Joksch dagegen nichts kommen. „Ohne Rad können wir nicht“, sagte er stolz bei der Siegerehrung. 40 Prozent Radverkehr habe Münster, 6000 neue Stellplätze kämen gerade am Bahnhof hinzu. „Und das wird immer noch nicht reichen.“

Was heute angesagt ist, demonstriert zum Beispiel Göttingen. Ein breiter Radschnellweg, perfekt asphaltiert und mit markanten blauen Markierungen, durchzieht nun das Zentrum. Wuppertal, mit vielen steilen Hügeln und Hauptstraßen nicht gerade ein Fahrradparadies, glänzt nun mit der Nordbahntrasse, auf der einst die Eisenbahn rollte. Wesel baute Radfahrern eine eigene Fähre.

Gute Städte, schlechte Städte