Prozess Staatsanwalt fordert dreieinhalb Jahre Haft gegen Bordellchef Prinz Markus

Marcus Prinz von Anhalt posiert in Augsburg im Landgericht. Foto: Stefan Puchner/Archiv
Marcus Prinz von Anhalt posiert in Augsburg im Landgericht. Foto: Stefan Puchner/Archiv
hum, stw 19.09.2016
18 Monate nach seiner ersten Verurteilung wegen Steuerhinterziehung fordert der Staatsanwalt im Revisionsverfahren nur sechs Monate weniger Gefängnis.

Jahrelang hat Markus Eberhardt alias Prinz Marcus von Anhalt daran gearbeitet, prominent zu werden. In dem am Montag zu Ende gegangenen Revisionsverfahren wegen Steuerhinterziehung, hat ihm das so wenig geholfen, wie die Teilnahme im Big Brother-Container von RTL, aus dem er schon zur Halbzeit herausgewählt wurde. „Ich war richtig froh darüber, sonst hätte ich jemanden umbringen müssen da drin. Und dann säße ich wieder hier“, scherzte der 49-Jährige am Montagvormittag vor den Plädoyers mit dem Staatsanwalt.

Den beeindruckte das allerdings gar nicht, und folgt das Gericht seinem Antrag, muss der Bordellchef den TV-Container unter Umständen bald wieder mit der Zelle eintauschen. Denn in dem am Montag zu Ende gegangenen Revisionsverfahren forderte der Staatsanwalt eine dreieinhalbjährige Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung in Höhe von knapp 600 000 Euro. Nicht zuletzt auch wegen des gerüttelten Verhältnisses zur Steuerehrlichkeit, wie in einem Buch des Prinzen „Lebenslang Lude“ nachzulesen sei. Im ersten Urteil war Markus Eberhardt am 16. Januar 2015 ebenfalls vom Landgericht Augsburg wegen der Steuerhinterziehung zu vier Jahren Haft verurteilt worden.

Die Richter haben es damals als erwiesen angesehen, dass die als Betriebsausgaben bei der Steuer abgerechneten Luxuslimousinen keine betriebsnotwendigen Ausgaben zur Führung eines Bordells seien, sondern ausschließlich Eberhardts Privatvergnügen dienten. Der Schaden war damals noch mit 800 000 Euro angegeben worden.

Dagegen hatte der Prinz Revision eingelegt – und zumindest teilweise Recht bekommen. Zwar hatte der Bundesgerichtshof als oberstes Strafgericht Deutschlands die Verurteilung dem Grunde nach als richtig angesehen, das Strafmaß aber für zu hoch befunden. Diese grundsätzliche Bestätigung des Urteils in erster Instanz hatte jetzt auch dazu beigetragen, dass die Verteidigung (unter den drei Anwälten ist auch die Ulmerin Ariande Hepp) keinen Freispruch gefordert hatte, sondern lediglich eine Strafe, die unter Einbeziehung der zweijährigen Untersuchungshaft keinen Weg mehr zurück in die Zelle erforderlich mache.

Der Staatsanwalt folgte der Argumentation der Verteidigung nicht, wonach das Vorgehen vergleichbar sei mit den Dienstfahrzeugen von Vorständen von Unternehmen und Geschäftsführern in der freien Wirtschaft. Vielmehr äußerte der Staatsanwalt den Verdacht, dass viele Beratungsgespräche, zu denen der Prinz mit seinem Limousinen gefahren sei, letztlich nur ein Vorwand gewesen seien. „Hat er wirklich beraten, oder ist er in den Häusern vielmehr faktisch Geschäftsführer“, fragte er rhetorisch.

Den entstandenen Sachschaden setzte der Anklagevertreter nach einer Neuberechnung mit knapp 600 000 Euro an, als Strafmaß forderte er dreieinhalb Jahre. In einer so genannten Abtretungsvereinbarung hat sich Eberhardt am Montagvormittag im Gerichtssaal zu einer Schadensregulierung von 200 000 Euro bereit erklärt.

Das Urteil soll am kommenden Donnerstag, 9 Uhr, im Landgericht in Augsburg verkündet werden.

Das Imperium im Rotlicht

Firmengeflecht In einem Interview vor Jahren hatte Markus Eberhardt davon berichtet, dass er etwa 20 Bordelle betreibe und bis zu 1000 Prostituierten in seinen Häusern Zimmer vermiete. Im vorliegenden Prozess gegen Eberhardt als Inhaber der Eberhardt Entertainment Enterprise GmbH (EEE) ging es um drei FKK-Safari-Clubs in Pforzheim, Fellbach und Neu-Ulm. Ziel dieser Gesellschaft ist auch die Vermarktung der Figur Prinz Markus. Neben der EEE-GmbH betreibt Eberhardt auch noch die Werbe-- und Beratungsgesellschaft F.A.M.E für Bordelle, die ebenfalls Freudenhäuser und Clubs im Rotlicht-Milieu hat, aber nicht Bestandteil der Anklage ist. Beispielsweise gehören dazu auch das Eros-Center in der Blaubeurer Straße und der Striptease-Laden Pure Platinum dazu.