Kriminalität Spektakulärer Raubüberfall auf Pariser Luxushotel Ritz

Ziel von Räubern: das Ritz in Paris.
Ziel von Räubern: das Ritz in Paris. © Foto: Thomas Samson/AFP/dpa
Paris / Peter Heusch 12.01.2018

Knapp sieben Minuten hat der Raubüberfall am frühen Mittwochabend gedauert. Sieben Minuten, die fünf Vermummten genügten, um durch einen Hintereingang in die Empfangshalle des Nobelhotels Ritz zu stürmen, die Anwesenden nach Warnschüssen in die Decke in Schach zu halten, das Panzerglas mehrerer Ausstellungsvitrinen voller wertvollem Schmuck mit Äxten zu zertrümmern und samt den eingesackten Juwelen die Flucht zu ergreifen.

„Ein regelrechtes Kom­man­do­unternehmen, generalstabsmäßig vorbereitet und blitzschnell ausgeführt“, sagte ein Sprecher der Pariser Kripo. Allerdings war die Polizei nicht viel langsamer. Eine Streife, die in der Nähe war, traf so rasch am Ritz ein, dass ihr drei der Täter beim Verlassen des Hotels geradewegs in die Arme liefen und festgenommen wurden.

Die beiden anderen Räuber konnten mit dem Hauptteil der Beute im Wert von vier Millionen Euro auf Motorrollern entkommen. Ihre Verfolger schüttelten sie nach wenigen hundert Metern in einer gegen die Fahrtrichtung genommenen Einbahnstraße ab, wobei sie eine Passantin anfuhren und leicht verletzten.

„Im ersten Moment, als die Schüsse fielen, haben wir an eine Terrorattacke geglaubt“, berichtet eine spanische Kundin, die sich mit ihrem Mann in der Hemingway-Hotelbar aufhielt und die Szene von dort aus sehen konnte. Geschockt hatte das Paar gemeinsam mit zwei Dutzend anderen Kunden und Angestellten des Ritz versucht, sich ins Freie zu retten: „Wir sind in Panik auf der Suche nach einem Ausgang durch die Gänge gelaufen, doch als wir uns dann endlich auf der Straße wiederfanden, trafen wir sofort auf mehrere Polizeibeamte, die uns sagten, dass die Gefahr bereits vorüber sei.“

Das Ritz liegt unweit der Pariser Oper an der Place Vendôme, die sowohl vom Justizministerium als auch von Juweliergeschäften gesäumt wird. Es gehört zur Tradition des Ritz, dass die benachbarten Juweliere ihre Ware in der Empfangshalle ausstellen dürfen. Denn wer im Ritz übernachtet, hat Geld. Kein Zimmer kostet weniger als 1000 Euro.

Nicht von ungefähr hat die ­Place Vendôme den Ruf, das „Paradies der Schmuckräuber“ zu sein. Nach einer Serie von fünf brutalen Überfällen binnen weniger Monate sind 2014 die Sicherheitsvorkehrungen im Viertel dras­tisch erhöht worden. Das rasche Eingreifen der Polizei am Mittwochabend ist fraglos dieser erhöhten Wachsamkeit geschuldet.

Für Gangster aber scheint die Anziehungskraft der Place Vendôme ungebrochen. Im März 2016 erleichterten zwei schwer bewaffnete Räuber den Juwelier Chopard um Schmuck im Wert von sechs Millionen Euro. Drei andere Räuber überfielen im Mai 2017 in der nur einen Steinwurf entfernten Rue de la Paix das Juweliergeschäft Buccelati und erbeuteten Schmuck im Wert von fünf Millionen Euro.

Größere Schlagzeilen haben freilich jene Schmuckräuber gemacht, die im Oktober 2016 das amerikanische Starlet Kim Kar­da­­shian in ihrem Hotel überfielen, um ihr Gold- und Diamantenschmuck im Wert von neun Millionen Euro abzuknöpfen. Kardashian war offenbar mit dem Vorsatz angereist, auf der Pariser Fashion-Week auch neben den Lauf­­stegen zu „glitzern“. Ihre damalige Luxusherberge liegt in der Nähe der Place Vendôme.