Valencia Spanien erlebt Touristenansturm – und will sich dagegen wehren

Dolce Vita auf den Balearen. Doch das Gedränge an den Stränden nimmt zu. Die Regierung der Region will das ändern.
Dolce Vita auf den Balearen. Doch das Gedränge an den Stränden nimmt zu. Die Regierung der Region will das ändern. © Foto: afp
HEINZ KRIEGER 24.05.2016
68 Millionen Touristen haben 2015 Spanien besucht. Heuer könnten es noch mehr werden. Einigen Politikern ist das zu viel. Sie reagieren etwa mit Steuern.

Iberia Express macht heute eine neue direkte Flugverbindung auf: von Palma de Mallorca nach Stuttgart. Es ist eine von hunderten Anbindungen an europäische Flughäfen. Und sie wird weitere Touristen auf die größte Baleareninsel bringen. Doch die stöhnen schon jetzt unter der Last von Millionen Feriengästen. 13,5 Millionen waren es im vergangenen Jahr, 2016 werden mehr als 14 Millionen erwartet.

Alle spanischen Touristenziele zusammengenommen kamen 2015 auf mehr als 68 Millionen Besucher. In diesem Jahr dürften es ebensoviele oder mehr werden, denn so beliebte Ziele wie Griechenland, Türkei, Tunesien und Ägypten gelten als unbequem wegen Flüchtlingen – oder gefährlich wegen der Islamisten.

Balearen Mallorca und die anderen Baleareninseln wollen ein wenig mit einer Ökosteuer gegensteuern. Die dadurch erwarteten rund 80 Millionen Euro Einnahmen sollen vor allem zur Pflege der verbliebenen Naturreservate dienen. Von Juli an sind pro Tag je nach Unterkunft zwischen einem halben und zwei Euro zu entrichten. Während die deutschen Urlauber, die aus ihrer Heimat Kurtaxen gewohnt sind, die Entscheidung mürrisch hinnehmen, regt die Maßnahme die Briten richtig auf. Von einem „Schlag ins Gesicht“ englischer Urlauber schrieb der Independent. Der Telegraph rechnet aus, dass eine vierköpfige Ferienfamilie mit 44 britischen Pfund (57 Euro) Zusatzkosten rechnen müsse. Die Zeitung veröffentlichte aber auch eine Liste mit ähnlichen Besuchersteuern an anderen Orten von Malta über Rom, Nizza, Paris bis Prag. Zudem wird darüber nachgedacht, die Zahl der Autotouristen zu begrenzen, ähnlich wie es auf Capri schon der Fall ist.

Kanaren Auch der Inselregierung der Kanaren macht der Touristenzustrom Sorge. Hier wurde schon 2001 ein „Moratorium“ eingeführt. Es gebe genug Hotels und Ferienunterkünfte, mehr brauche man auf den Inseln nicht, hieß es damals. Richtig durchgesetzt wurde die Verfügung nicht. Moises Simancas, Geografie-Professor an der Uni Laguna auf Teneriffa, hat ein Buch dazu veröffentlicht. Dem zufolge wurden zwischen 2001 und 2009, als das Moratorium streng durchgesetzt werden sollte, dennoch 83?000 neue Fremdenbetten genehmigt. Zuvor waren Simancas zufolge zwischen 1997 und 2000 genau 131?000 neue Betten genehmigt worden. „Ein Tsunami“, findet er. Fernando Clavijo, der Präsident der Inselregierung, will zur alten Linie zurück. „Begrenzen, nicht reduzieren“ will er die Zahl der Besucher auf Gran Canaria, Teneriffa, Lanzarote und den anderen kanarischen Inseln.

Barcelona Erst begrenzen und dann reduzieren will die Bürgermeisterin von Barcelona die Zahl der in der katalanischen Hauptstadt wohnenden Ausländer wie auch die der nur zu Besuch kommenden Fremden. Ada Colau hat eben erst den seit einem Jahr geltenden Baustopp für neue Hotels um ein weiteres Jahr verlängert. Nur das neue Grand Hotel Hyatt darf eröffnen, weil die Anträge schon älter sind. Barcelona ist gerade beim Partyvolk ein Kultziel geworden und  hat bei 1,6 Millionen Einwohnern 426 Hotels mit 75?525 Zimmern. Die Bürgermeisterin will das Kontingent verringern, jedoch nicht mit der Brechstange. Sie setzt auf einen „natürlichen Rückgang“ des Fremdenverkehrssektors. So erlischt beispielsweise jede Genehmigung für die Vermietung einer Ferienwohnung, wenn die Immobilie verkauft wird. Diese Fremdenzimmer sind auch vielen Bewohnern der Stadt ein Dorn im Auge. In manchen Vierteln gibt es schon mehr Fremde als Einheimische.

Zugleich ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Barcelona, bringt 13 Prozent der Wirtschaftsleistung. Im vergangenen Jahr kamen 8,3 Millionen Besucher in die Hotels, ein neuer Rekord.

So viel Ökosteuer verlangen die Balearen pro Tag

Kosten Fünf- und Vier-Sterne-Superior-Hotels: 2 Euro (Nebensaison 1 Euro);

Vier- und Drei-Sterne-Superior-Hotels: 1,50 Euro (Nebensaison 0,75 Euro);

Ein- bis Drei-Sterne-Hotels: 1 Euro (Nebensaison 0,50 Euro);

Ferienapartments (vier Schlüssel): 2 Euro (Nebensaison 1 Euro);

Ferienapartments (drei Schlüssel Superior): 1,50 Euro (Nebensaison: 0,75 Euro);

Ferienapartments (ein bis drei Schlüssel): 1 Euro (Nebensaison: 0,50 Euro);

An Urlauber vermietete Privatwohnungen und Fincas: 1 Euro (Nebensaison: 0,50 Euro);

Landhotels: 1 Euro (Nebensaison: 0,50 Euro);

Hostals, Pensionen und Campingplätze: 0,50 Euro (Nebensaison: 0,25 Euro);

Herbergen: 0,50 Euro (Nebensaison: 0,25 Euro);

Kreuzfahrtschiffe: 1 Euro (Nebensaison: 0,50 Euro).

(Quelle: Mallorca Zeitung)