Studie So viele Menschen sterben beim Selfie machen

Besser hier als am Rande einer Klippe: Junge Menschen machen ein Selfie.
Besser hier als am Rande einer Klippe: Junge Menschen machen ein Selfie. © Foto: Gregor Fischer/dpa
Mumbai / Moritz Clauß 12.11.2018
Vom Zug überfahren oder in die Tiefe gestürzt: Manche Menschen riskieren zu viel für ein Selfie – und bezahlen mit dem Leben.

Immer mehr Menschen sterben, während sie ein Selfie machen wollen. Zwischen Oktober 2011 und November 2017 waren es weltweit mindestens 259 Personen – so das Ergebnis einer Studie aus Indien.

Die Toten waren durchschnittlich 23 Jahre alt, 73 Prozent von ihnen waren Männer. Die häufigsten Todesursachen waren Ertrinken, Verkehrsunfälle und Stürze. Einige Menschen starben etwa, weil sie am Strand von den Wellen weggespült wurden oder mit einem Ruderboot kenterten. Andere machten Selfies vor einem herannahenden Zug oder am Rande einer Klippe.

Auch ein Todesfall in Deutschland

Die mit Abstand meisten Selfie-Todesfälle gab es der Studie zufolge in Indien (159), gefolgt von Russland (16), den USA (14) und Pakistan (11). Die Wissenschaftler führen die hohen Zahlen in Indien unter anderem darauf zurück, dass dort besonders viele junge Menschen leben. Außerdem seien Gruppen-Selfies dort besonders beliebt. Das führt dazu, dass in Indien bei einem Unglück häufig mehrere Menschen auf einmal sterben.

In Deutschland soll es bisher erst einen Fall gegeben haben: Ein 22-jähriger Schotte wurde 2017 auf der A24 von einem Auto erfasst, als er mitten auf der Fahrbahn ein Foto von sich und seinen Freunden schießen wollte.

Der Unfall steht beispielhaft für zahlreiche Situationen, in denen sich Personen selbst in große Gefahr begeben, um ein beeindruckendes Foto von sich zu schießen. Dass vor allem junge Menschen und Touristen beim Selfie machen sterben, führen die Forscher darauf zurück, dass diese Menschen gerne „cool sein“ wollen.

Nur „die Spitze des Eisberges“

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass vor allem die verstorbenen jungen Männer auf der Jagd nach Likes und Kommentaren erhebliche Risiken eingegangen sind. Die Frauen waren demnach deutlich vorsichtiger. Insgesamt erkannten die Wissenschaftler in 69 der 259 Todesfälle kein riskantes Verhalten der Betroffenen.

Die Forscher gehen außerdem davon aus, dass ihre Analyse nur „die Spitze des Eisberges“ abbildet. Schließlich haben sie nur englischsprachige Meldungen analysiert. Zudem berichten Medien nicht über jeden Fall. Bei dem Versuch, ein Selfie zu machen, sind 2017 weltweit mindestens 93 Menschen gestorben. Zum Vergleich: Allein in Deutschland starben im selben Jahr 3.177 Personen bei Verkehrsunfällen.

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