Ulm Skurrile Prozesse: Sex im Spaßbad und der „Knöllchen-Horst“

Ulm / dpa/keu 09.11.2018
Es geht um Tiere, Sex, Qualm und Stehpinkler. Vor Gericht wird so manches Kuriose verhandelt. Hier eine Auswahl.

Münchner Richter haben die Klage eines Unternehmers abgewiesen, der sich am Gebimmel von Kuhglocken auf der Weide vor seinem Haus stört. Der Mann hatte sowohl die Pächterin der Weide als auch die Marktgemeinde, der die Wiese gehört, vor dem Landgericht München II auf Unterlassung verklagt. Seine Ehefrau und er litten wegen des Lärms der Kuhglocken in Holzkirchen unter Schlaflosigkeit und Depressionen, erklärte er. Hinzu kämen der Wertverlust seiner Immobilie sowie Gestank und Gesundheitsgefahr durch Weidestechfliegen.

Die Klage scheiterte vor allem daran, dass der Unternehmer und die Landwirtin im September 2015 bereits einen Vergleich vor dem Amtsgericht Miesbach geschlossen hatten. Dieser sieht vor, dass die Kühe auf einer Hälfte der Weide mit Glocken grasen dürfen. Deshalb habe der Nachbar nun kein Rechtsschutzbedürfnis mehr, entschied das Landgericht München II am Donnerstag. Der Anwalt des Klägers kündigte an, Rechtsmittel einzulegen.

Weitere skurrile Prozesse

Stehpinkler

„Trotz der (...) Domestizierung des Mannes ist das Urinieren im Stehen durchaus noch weit verbreitet“, hält der Düsseldorfer Amtsrichter Stefan Hank fest. „Jemand, der diesen früher herrschenden Brauch noch ausübt, muss zwar regelmäßig mit bisweilen erheblichen Auseinandersetzungen mit – insbesondere weiblichen – Mitbewohnern, nicht aber mit einer Verätzung des im Badezimmer oder Gäste-WC verlegten Marmorbodens rechnen“, erklärt der Jurist. Ein Mieter hatte sich dagegen gewehrt, dass seine Vermieterin ihm nach seinem Auszug 2000 Euro von der Kaution abzog, weil die edlen Böden rund um die Toiletten stumpf geworden waren. Auch in zweiter Instanz bekommt er recht – auch wenn diesmal eine Richterin den Vorsitz hat.

„Knöllchen-Horst“

Ein Mann aus Niedersachsen hat im Mai 2017 im Zusammenhang mit seiner privaten Jagd auf Verkehrssünder eine juristische Niederlage erlitten. Das Verwaltungsgericht Göttingen entschied, dass eine Privatperson andere Verkehrssteilnehmer nicht filmen dürfe, um deren vermeintliche Verkehrssünden zu dokumentieren, wenn sie nicht selbst betroffen sei. Damit dürfe der Kläger eine sogenannte Dashcam nicht verwenden, um vermeintliche Verkehrsverstöße zu dokumentieren, sage der Sprecher.

„Knöllchen-Horst“ zeigte in den vergangenen Jahren Zehntausende Verkehrsteilnehmer an. Dabei ging es vor allem um angebliche Park-Verstöße. Auch Dolly Buster geriet ins Visier von „Knöllchen Horst“. Der bekannt gewordener Frührentner verlangte mehrere Hundert Euro Schmerzensgeld, weil Dolly Buster in einer RTL-Fernsehsendung gesagt habe, er geile sich am Anzeigen von Falschparkern auf. Das Amtsgericht im niedersächsischen Osterode am Harz weist das Begehren zurück – auch weil das Wort „geil“ aus dem Munde einer früheren Pornodarstellerin nicht unbedingt eine Beleidigung sein müsse.

Quicklebendig

1984 verschwindet in Braunschweig eine 24-Jährige Studentin - die Ermittler gehen von einem Gewaltverbrechen aus. 1989 wird sie für tot erklärt. Im Jahr 2015 folgt dann die große Überraschung: Die Frau taucht quicklebendig in Düsseldorf auf, nachdem bei ihr eingebrochen wurde und sie deshalb mit der Polizei spricht. Weshalb sie damals abtauchte, bleibt ein Rätsel.

Heilpraktiker auf Drogen

Wahnvorstellungen, Krämpfe, Luftnot – ein Heilpraktikertreffen in Handeloh bei Hamburg endet Anfang September mit einem Großeinsatz von Rettungskräften. Die Ermittler gehen davon aus, dass ein Drogenexperiment der 29 Seminarteilnehmer aus dem Ruder lief.

Vorsicht, schlüpfrig - Prozesse um die schönste Nebensache der Welt

„Puffauto

Nackte, aus Kaffeebohnen herausragende Frauenbeine mit halb ausgezogenen roten Pumps – dieses Bild zierte einen Lieferwagen, mit dem ein Mitarbeiter eines Kaffeevertriebs aus Mönchengladbach fahren sollte. Doch der weigert sich, ein solches „Puffauto“, wie er sagt, zu benutzen. Vor Gericht wehrt er sich gegen seine Kündigung. Die Arbeitsrichter sagen aber im Oktober: Der Arbeitgeber habe grundsätzlich die Möglichkeit, einem Arbeitnehmer ein nach seinen Vorstellungen gestaltetes Fahrzeug zuzuweisen.

Sex in der Erlebnisgrotte

Zwei Wochen Dauerarrest für ihn, Wochenendarrest plus 32 Stunden soziale Hilfsdienste für sie – das ist die Quittung für ein junges Paar, das in Bayern beim Sex in einem Erlebnisbad erwischt wurde. Eine Unterwasserkamera hatte den 19-Jährigen und seine 18 Jahre alte Freundin in flagranti gefilmt. Vor Gericht versucht sich der junge Mann noch damit herauszureden, dass ihm die Hose heruntergerutscht sei, doch die Richter sehen das sowohl in erster als auch zweiter Instanz anders.

Mehrweg-Kondome?

„1 Tüte à 7 Stück entspricht bis zu 21 Orgasmen“ – diese spaßige Rechnung auf Kondomverpackungen geht nach Ansicht des Landgerichts Düsseldorf nicht auf. Die Richterin befürchtet, man könne den Werbespruch missverstehen und die Kondome mehrfach benutzen. Per einstweiliger Verfügung wird der Satz am 27. Oktober verboten.

Haarige Angelegenheit: Wenn Tiere vor Gericht stehen

Gedeckte Hündin

Rüden dürfen Hündinnen nicht ohne Einverständnis von deren Besitzer schwängern. Tun sie es doch, gilt das als Sachbeschädigung. Im Jahr 2014 verlangte der Anwalt einer Hundebesitzerin vor dem Landgericht Coburg in Bayern 16.000 Euro Schmerzensgeld. Die beiden Parteien einigten sich dann aber auf eine Ausgleichszahlung von 500 Euro.

Knabberfische

In manchen Kosmetikstudios gibt es Fische, die Hornhaut von Füßen abknabbern. Die Stadt Köln meint, die Nutzung von Fischen zu reinen Wellness-Zwecken sei nicht mit dem Tierschutz vereinbar. Das Verwaltungsgericht Köln entscheidet jedoch: Fische dürfen Füße anknabbern.

Verleugneter Hund

Eine Vermieterin warf einem Mieter im Jahr 2009 vor, trotz Verbots einen Hund zu halten. Der Mann beteuerte, Bulldogge „Clyde“ lebe bei seiner Mutter. „Clyde“ wurde in den Zeugenstand des Amtsgerichts Köln geladen. Dort wurde klar: Die Seniorin wird mit dem großen Tier gar nicht fertig. Das Gericht gab der Vermieterin Recht.

Geht’s auch leiser?

Das Celler Amtsgericht untersagte 2002 einer Hundehalterin in Wietze (Niedersachsen) die Haltung von 15 Cockerspaniels. Damit wehrte sich ein Nachbar erfolgreich gegen das häufig kläffende Rudel in dem Wohngebiet. Die Frau durfte nur noch drei Hunde halten und musste nachts sowie in der Mittagszeit für Ruhe sorgen.

Hund vs. Postbote

Briefträger, die von Hunden angegriffen werden, dürfen sich auch mit Fußtritten und Knüppeln wehren. Das Oberlandesgericht Hamm (Nordrhein-Westfalen) befand 1997, die Tierarzt-Kosten für Dackel „Biene“ müsse sein Besitzer tragen – und nicht der Zusteller.

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