Potsdam Silvio S. soll Entführung gleich gestanden haben

DPA 05.07.2016

Der mutmaßliche Kindermörder Silvio S. soll die Entführung des vierjährigen Mohamed am Frühstückstisch seiner Eltern unumwunden zugegeben haben. Entsprechende Schilderungen der Mutter zitierte am gestrigen Montag der Polizeibeamte, der Silvio S. im vergangenen Oktober im Haus der Familie festgenommen hat. Der Beamte sagte im Potsdamer Prozess gegen den 33-Jährigen aus.

Laut Anklage hat Silvio S. Mohamed im Oktober entführt, missbraucht und schließlich aus Angst vor Entdeckung umgebracht. Zudem wird dem Wachmann aus Brandenburg die Entführung und Ermordung des sechsjährigen Elias aus Potsdam vorgeworfen.

Die Mutter von S. habe ihren Sohn nach eigenen Worten auf einem Fahndungsbild erkannt, sagte der Dienstgruppenleiter. „Huch, was machst Du denn in der Zeitung?“, will die Mutter nach dem Wiedererkennen gesagt haben. Silvio S. soll sich nach der zitierten Aussage keinen Moment verteidigt haben. „Ich hab’s gemacht. Ich hole noch Beweise“, soll er gesagt haben. Silvio S. sei daraufhin im Auto weggefahren. Die Mutter rief bei der Polizei an.

Die Festnahme hat dessen Vater nach Erinnerung von Polizisten kalt gelassen. „Der Vater saß im Sessel und sagte, er finde es komisch, dass so viel Polizei im Hause sei“, erinnerte sich einer der drei an der Festnahme beteiligten Beamten. Ein zweiter Polizist ergänzte: „Der Vater sagte: Jetzt macht Ihr uns mit Euren schmutzigen Schuhen noch den Teppich dreckig.“ Ihm sei diese Reaktion unangemessen vorgekommen. Die Mutter wirkte nach Erinnerung der eingesetzten Beamten dagegen traurig und sehr niedergeschlagen.

Als Erster war ein Dienstgruppenleiter eingetroffen. Auch er sprach von einem kühlen Empfang. Der Vater habe gesagt: „Unser Sohn lebt sein Leben, wir unseres.“ Es habe kaltherzig geklungen. Silvio S. sei bei seinem Eintreffen unterwegs gewesen. Bei der Rückkehr wurde er festgenommen.