Silvio Berlusconi gehört zu den bekanntesten Figuren der italienischen Politik. Der Unternehmer und TV-Mogul, der bereits mehrfach als Ministerpräsident im Amt war, stand im Laufe seiner Karriere im Mittelpunkt unterschiedlichster Skandale. Immer wieder kam es zu Gerichtsverfahren, unter anderem aufgrund von Steuerbetrug oder des Verdachts auf Verbindungen zur Mafia. Bei den Neuwahlen des italienischen Parlaments im September 2022 wollte Berlusconi mit seinem Rechtsbündnis nun wieder zurück an die Macht. Alter, Vermögen, Karriere, Skandale – In diesem Artikel stellen wir euch Silvio Berlusconi im Porträt vor.

Silvio Berlusconi Steckbrief: Alter, Geburtsort, Vermögen

  • Name: Silvio Berlusconi
  • Geburtstag: 29. September 1936
  • Geburtsort: Mailand
  • Wohnort: Mailand
  • Alter: 85
  • Größe: 1,64 m
  • Beruf: Politiker, Unternehmer
  • Partnerin: Marta Fascina (32, Abgeordnete der Forza Italia)
  • Kinder: Barbara, Pier Silvio, Luigi, Eleonora, Marina
  • Mutter: Rosa Bossa
  • Vater: Luigi Berlusconi
  • Schwester: Maria Francesca Antonietta
  • Bruder: Paolo
  • Vermögen: 5.6 Milliarden USD (Forbes)

Silvio Berlusconi: Karriere als Unternehmer

Die Karriere von Silvio Berlusconi begann mit dem Abschluss seines Jura-Studiums im Jahr 1961. Im Studium konnte Berlusconi bereits Erfahrungen als Immobilienmakler sammeln. Im Jahr 1961, mit 24 Jahren, gründete Berlusconi dann eine Bauholding und machte sich damit selbstständig. 1966 realisierte er den Bau einer Siedlung für 4000 Menschen. Der Erfolg des Projekts führte zu weiteren Aufträgen. 1969 baute Berlusconi die „Milano due“ mit Wohneinheiten für über 10.000 Bewohner. Als Bauträger profitierte er finanziell stark von dem Projekt. Sein Kapital investierte er daraufhin in Medienunternehmen. 1979 übernahm er seinen ersten regionalen TV-Sender. Für weitere Investitionen und Beteiligungen gründete Berlusconi 1982 die „Fininvest“, die 1983 den privaten TV-Sender „RETE Quattro“ kaufte. In Folge kam es auch zu Beteiligungen an TV-Sendern im europäischen Ausland und in Kanada. Ab 1986 wurde Silvio Berlusconi nach einer Großbeteiligung der Präsident des „AC Mailand“. 1988 kaufte er die größte Warenhauskette Italiens und wurde so als Inhaber der „Fininvest“ zum Eigentümer des größten, nicht an der Börse notierten Wirtschaftsunternehmen Italiens.

Silvio Berlusconi: Karriere in der Politik

In der Politik engagiert sich Silvio Berlusconi seit den 90er Jahren. Nach dem Zusammenbruch des bis zu dieser Zeit etablierten Parteiensystems Italiens gewann Berlusconi mit der von ihm gegründeten Partei „Forza Italia“ die Parlamentswahlen 1994. Die "Forza Italia" gilt als konservativ und populistisch. 2001 wurde Berlusconi zum neuen Staats- und Regierungschef Italiens. Als italienischer Ministerpräsident versuchte Berlusconi seit Frühjahr 2002 auch die staatlichen Rundfunkanstalten „RAI“ in seinen Besitz zu bringen. Die Konzentration politischer und wirtschaftlicher Macht sowie des immensen Medieneinflusses in der Person Berlusconi wurde allerdings zunehmend kritisch gesehen. Seit 2002 hatte sich in Italien eine Protestbewegung gegen den Abbau der Demokratie durch die Berlusconi-Regierung gebildet. Außerdem hatte Berlusconi konstant Konflikte mit der italienischen Justiz. Allerdings kam es 2003 sowohl zu innen- als auch außenpolitischen Krisen. Bei den italienischen Regionalwahlen erlitt die Regierungskoalition unter Berlusconi 2005 eine schwere Niederlage. Doch Berlusconi kehrte zurück in die Politik und trat im Mai 2008 zum dritten Mal in 14 Jahren das Amt des italienischen Ministerpräsidenten an. 2011 kündigte Berlusconi angesichts der schwierigen Finanz- und Wirtschaftspolitischen Lage Italiens sowie schlechten Ergebnissen bei Kommunalwahlen seinen Rücktritt an.

Mandatsverbot wegen Steuerbetrug

Im August 2013 wurde Berlusconi aufgrund von Steuerbetrug zu einer Haftstrafe von 4 Jahren verurteilt und es wurde ihm ein sechsjähriges Mandatsverbot bis November 2019 verhängt. Im Frühjahr 2018 entschied ein Mailänder Gericht, das sechsjährige Mandatsverbot wegen „guter Führung“ um ein Jahr zu verkürzen. Berlusconi trat bei den Europawahlen als Spitzenkandidat der "Forza Italia" an und wurde zum Europaparlamentarier gewählt.

Berlusconi: Putin ist gedrängt worden

Silvio Berlusconi hat kurz vor der Parlamentswahl mit einer Aussage über Wladimir Putin für Aufsehen gesorgt. Der 85-Jährige behauptete in einem TV-Interview am Donnerstagabend, 22.9.2022, der Kremlchef sei zum Einmarsch in die Ukraine gedrängt worden. „Putin wurde von der russischen Bevölkerung, von einer Partei, von seinen Ministern gedrängt, sich diese Spezialoperation auszudenken“, sagte Berlusconi im Sender Rai.
Berlusconi ist ein Freund des russischen Präsidenten und zögerte nach Kriegsausbruch lange, die Invasion zu verurteilen. Nun sagte er: „Putin ist in eine wirklich schwierige und dramatische Situation gerutscht.“ Er benutze diesen Ausdruck bewusst, weil Putin von Vertretern der zwei selbst ernannten Republiken im Donbass im Februar aufgefordert worden sei, einzuschreiten. Diese hätten Putin überredet mit der Behauptung, die Ukraine greife die Gebiete immer heftiger an.

Skandale um Berlusconi: Mafia, Ruby-Prozess, Sex-Partys

Immer wieder werden Berlusconi Verstrickungen mit der Mafia vorgeworfen. Beispielsweise wurde Berlusconis enger Mitarbeiter Marcello Dell’Utri 2010 wegen Unterstützung der Mafia zu sieben Jahren Haft verurteilt. Nach Angaben eines italienischen Gerichts hatte Berlusconi zwischen 1974 und 1992 hohe Summen Schutzgeld an die Cosa Nostra bezahlt. Darüber geriet Berlusconi auch aufgrund von Sexualskandalen in den Fokus der Öffentlichkeit. So beispielsweise im „Ruby-Prozess“ um die damals minderjährige Karima el-Mahroug, bekannt als „Ruby Rubacuori“. Im „Ruby-Prozess“ wurde Berlusconi angeklagt, Sex mit minderjährigen Prostituierten gehabt zu haben. Das Gericht verurteilte ihn zu sieben Jahren Haft ohne Bewährung und zu einem lebenslangen Verbot, öffentliche Ämter auszuüben. Allerdings wurde Berlusconi 2015 freigesprochen. Als Begründung gab das Gericht an, es könne nicht nachgewiesen werden, dass er von der Minderjährigkeit gewusst habe. Darüber hinaus wurde auch immer wieder von ausschweifenden Sex-Partys im Hause Berlusconis berichtet.

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