Hamburg Sie mag es anzüglich

Hamburg / dpa 07.10.2017
Hosenanzüge sind für viele Frauen ein Muss im Job. Jetzt haben sie die Designer wiederentdeckt. Siehe da: Hosenanzüge müssen nicht langweilig sein.

Es gibt kaum ein Wort, das mehr Langeweile versprüht als:  Hosenanzug. Für die Bundeskanzlerin ist er „das“ Kleidungsstück schlechthin, die Versicherungskauffrau trägt ihn, die Anwältin und die Wirtschaftsprüferin. Er steht für einen strengen Dresscode, für Seriosität und Ordnung. Und seine klassischerweise dunklen Farben versprühen wenig Lebensfreude. Doch das ändert sich jetzt: Ein Modetrend im Herbst und Winter 2017/18 lautet:  Frau trägt Hosenanzug. Die klassischen Varianten gehören zwar auch dazu, aber vor allem gehen die Designer mit dem Hosenanzug in leuchtenden Farben und ungewöhnlichen Mustern neue Wege.

„Knallrot als Signalfarbe von Kopf bis Fuß ist dabei ein Thema, aber auch plakative Dessins und Blumenprints von oben bis unten“, erklärt die Modeberaterin Stephanie Zarnic aus München. Das ist am Hosenanzug neu, passt aber perfekt in eine Ära, in der sich Designer und Modefans eigentlich nur ein Leitthema auf die Fahnen geschrieben haben: „Alles ist möglich.“

Kein einfaches Styling

Doch das hat auch eine Kehrseite: Das Styling ist nicht einfach, wie die Imageberaterin Katharina Starlay aus Wiesbaden betont. „Je bunter der Look ist, umso stilsicherer muss man sein, weil der Erinnerungswert bei einem solchen Outfit sehr hoch ist.“ Deshalb sollten sich Frauen beim Kauf eines ausgefallenen Hosenanzugs überlegen, was sie mit dem Look ausdrücken möchte.

Starlay erklärt die Optionen: „Verspielte Muster wirken auf den Betrachter wenig professionell.“ Ein geblümter Hosenanzug im Geschäftsumfeld ist eine Gratwanderung, für die viel modisches Fingerspitzengefühl nötig ist. Dazu gehört etwa, auf Details des Anzugs zu schauen: „Wenn man sich für ein Blütendessin entscheidet, sollte man auf einen festeren Stoff achten“, rät Starley. „Weiche, fließende Materialien machen den Look nämlich noch verspielter.“

Apropos Materialien: Neben den klassischen Schurwollstoffen werden im Herbst und Winter auch Hosenanzüge aus Samt oder Cord getragen. Beide Stoffe sind in der Mode ohnehin schwer angesagt.

Die Silhouette dominiert vor allem eine Linie: Es geht weg vom auf Taille geschnittenen Modell. „Oversized ist wieder gefragt“, sagt die Stilberaterin Silke Gerloff aus Offenbach. Die Blazer sind weit und gerade geschnitten, die Schultern betont.

Wer dabei an die 80er Jahre zurückdenkt, liegt nicht ganz falsch, wie Zarnic findet: „Man fühlt sich eindeutig in diese Dekade zurückversetzt. Jil Sander, Armani und viele andere entwarfen damals überdimensionierte, weich fließende, breitschultrige und vor allem maskuline Damenanzüge“, erläutert die Beraterin. „Androgyn, wenn nicht sogar maskulin, flanierten Naomi, Cindy, Linda, Claudia und Kate über den Laufsteg. Cool, lässig und elegant.“

So sieht das auch jetzt wieder aus. Bei dieser eher maskulinen Linie wird meistens auf ganz klassische Materialien wie eben Schurwolle gesetzt, auch die Muster sind zurückhaltend, sofern überhaupt vorhanden.

Zusammengefasst dominieren bei den Hosenanzügen also zwei Trends: der klassische mit Retro-Elementen aus den 80er Jahren und der ultrafeminine mit Blüten, aber auch mit Stickereien oder Intarsien. Für welche der beiden Linien frau sich entscheidet, ist auf der einen Seite Geschmackssache und hängt auf der anderen Seite vor allem mit der eigenen Figur zusammen. Stilberaterin Gerloff hat ein paar Tipps: „Allgemein kann man sagen, dass die Oversized-Silhouette zwar gut verstecken und kaschieren kann, andererseits auch viel Volumen bringt und mit den langen Jacken auch staucht.“ Diese Form eignet sich daher gut für eine große Trägerin, die schlank, aber auch etwas fülliger sein kann. „Eine kleine, zierliche Person wird von dieser Silhouette allerdings erdrückt, sie versinkt darin.“

Gemusterte Stoffe tragen auf

Auch die opulenten Hosenanzüge mit Blüten und Intarsien sind nicht zwingend für jede Frau die richtige Wahl. „Gemusterte Stoffe und Materialien wie Samt tragen nämlich durchaus auf“, erklärt Gerloff. „Für kleine, zierliche Frauen sind sie allerdings gut geeignet, vorausgesetzt man achtet auf eine schmale Silhouette. Allzueite Hosen machen optisch noch kleiner.“

Auf der sicheren Seite ist man beim Kauf seines Anzugs dann, wenn man auf eine gemäßigte, klassische Linie achtet – und auf hochwertige Materialien. Dann stehen die Chancen gut, dass man den Hosenanzug länger als nur eine Saison tragen kann. „Damit liegt man überdies im Trend für mehr Nachhaltigkeit und einen bewussten Umgang mit Rohstoffen“, findet Starlay.