Ulm Selbstversuch mit Bus

Ulm / ANNA-LENA KAST 14.09.2012
Schläfrig und noch absolut überfordert von der Welt, sitze ich an diesem Tag, einem Mittwochmorgen, um 6.50 Uhr in einem Bus in Richtung Ulm. Der Grund für diesen Selbstversuch so früh am Tag?

Schläfrig und noch absolut überfordert von der Welt, sitze ich an diesem Tag, einem Mittwochmorgen, um 6.50 Uhr in einem Bus in Richtung Ulm. Der Grund für diesen Selbstversuch so früh am Tag? Herausfinden, wie einfach oder schwer es Schüler "von dr Alb ra" haben, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu ihren Schulen nach Ulm zu gelangen. Das erklärte Ziel der Reise: Um 7.45 Uhr muss ich am Schulzentrum auf dem Kuhberg sein, denn um diese Uhrzeit beginnt der Unterricht.

Eine Stunde vor der Abfahrtszeit, es war etwa 5.45 Uhr, hatte mich mein Wecker aus dem Schlaf gerissen. Meine Augen fanden die Uhrzeit ebenso wenig toll wie ich. Deshalb konnte ich sie auch kaum offen halten. Aber: wo ein Wille, da ein Weg - heißt es. Das Ziel war vorerst einmal die Bushaltestelle in Berghülen, meinem Wohnort. Der Bus kam, meine Fahrt ging los. Kaum im Bus, ereilt mich der erste Schock. Schuld daran ist der Fahrpreis. Er beträgt stolze 4,50 Euro. Die Tatsache, dass ich ein nettes Plätzchen am Fenster habe, stimmt mich zumindest ein wenig freudig. Die erste Etappe der Reise lautet: Berghülen - Ulm, Ehinger Tor. Dort habe ich dann laut Fahrplan zwei Minuten Zeit, in den Bus auf den Kuhberg umzusteigen.

Das Verhältnis von Fahrgästen zu Sitzplätzen im Bus hält sich bis Wippingen die Waage. Doch dann wird es knapp und die ersten Fahrgäste müssen die Fahrt im Stehen ertragen. Eine kurze Entspannung der Situation bringt die nächste Haltestelle in Herrlingen. Der Bus leert sich etwas, doch viele Fahrgäste bleiben sitzen und fahren über Blaustein weiter nach Ulm. Um den Gesprächen anderer Fahrgäste zu entkommen, packe ich meinen MP3-Player aus und lausche meiner Musik. So verfliegt die Zeit rasch und ich erreiche das Ehinger Tor, meine Umsteige-Stelle.

Dort erwarten mich viele Schüler und überfüllte Busse. Meine zwei Umsteige-Minuten kann ich vergessen, denn der Bus der ersten Etappe hat acht Minuten Verspätung. Also warte ich auf den nächsten in Richtung Schulzentrum Kuhberg. Kurz danach: Ein Bus dieser Linie fährt auf mich zu. Die Fahrt kann weitergehen! Doch: Falsch gedacht, denn der Bus ist total überfüllt. Die Folge: Ein Kontrolleur der SWU lässt mich nicht mehr in den Bus einsteigen: "Das ist der ganz normale Wahnsinn hier", sagt er. "Aber der nächste Bus kommt gleich. Vielleicht haben Sie da Glück", ermuntert er mich.

Und tatsächlich: Das Glück ist kurz auf meiner Seite. Der Bus kommt, ich steige ein. Doch schneller als ich mich freuen kann, ist das Glück wieder verflogen. Denn der Bus ist so voll, dass ich mich zwischen stehenden Schülern, dicken Schultaschen und undefinierbarer Musik aus Ohrstöpseln gesellen muss - ein typisches "Ich bin eine Sardine in der Dose"-Gefühl.

In einem Bus stehen zu müssen, ist das eine - das andere aber ist, sich dabei wie in einem Boxauto zu fühlen. Der ständige Wechsel von abruptem Abbremsen und unsanftem Anfahren macht die Fahrstrecke zum Kuhberg zu einem Erlebnis, das ich so schnell nicht nochmal erleben möchte.

Mein Bus-Abenteuer an diesem Morgen endet nach etwa einer Stunde. Denn um kurz nach 7.45 Uhr steige ich aus dem Bus am Kuhberg. Pünktlich zum Unterricht hätte ich es nicht geschafft. Und ich stelle fest: Einmal diese Strecke zu bewältigen, ist in Ordnung. Doch jeden Tag brauche ich diese einstündige Rumkurverei nicht.