• 14 Menschen sind dabei ums Leben gekommen.
  • Ein Seil ist gerissen, die Gondel stürzte in die Tiefe.
  • Nun sind drei Männer des Betriebs verhaftet worden.
  • Der Verdacht der Ermittler erhärtet sich: Wurde die Notbremse manipuliert?

Seilbahnunglück 2021 in Italien: Fehler im Sicherheitssystem

Drei Menschen sind nach dem Seilbahnunfall am Lago Maggiore mehreren Medienberichten zufolge festgenommen worden. Nachdem die Gondel am Monte Mottarone in Italien talwärts stürzte und 14 Menschen starben, hat die Polizei die Ermittlung aufgenommen. Ihr Verdacht erhärtet sich nun immer weiter: Der Mechanismus an der Gondel, der die Notbremse auslösen sollte, falls das Seil reißt, war wohl deaktiviert worden. Derweil berichtet die französische Presseagentur (AFP) sogar: Das tödliche Seilbahnunglück am Lago Maggiore sei offenbar durch die absichtliche Abschaltung eines Sicherheitssystems verursacht worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung. Wer sind die festgenommenen Personen?

Gondelunfall Italien: Drei Mitarbeiter des Betriebs festgenommen

Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa mitteilt, handele es sich bei den festgenommenen Personen um Mitarbeiter des Seilbahnbetreibers „Ferrovie del Mottarone“, die die Gondeln auf den Berg Mottarone in Norditalien betreibt. Die Polizei habe unter anderem einen Manager festgenommen. Ermittler hätten festgestellt, dass ein Sicherheitsbremssystem „manipuliert“ worden sei – um Verspätungen des Seilbahnbetriebs zu vermeiden, zitierte Ansa die ermittelnde Staatsanwältin Olimpia Bossi, auf die sich die Deutsche Presseagentur beruft. „Das Büro der Staatsanwaltschaft hat drei Festnahmen wegen Entfernung oder Unterlassung von Sicherheitsvorkehrungen gegen Unfälle im Betrieb angeordnet“, sagte ein Sprecher der Carabinieri der Nachrichtenagentur AFP.

Gondel-Absturz Stresa am Lago Maggiore: Video zeigt den Unfall

Anfang der Woche hat die Staatsanwaltschaft das Video einer Überwachungskamera mit dem Unfall beschlagnahmt. Darauf sei zu sehen, wie sich die Gondel am Sonntag kurz vor der Bergstation am Monte Mottarone westlich des Lago Maggiore befunden habe, als plötzlich ein Seil riss und die Kabine abstürzte, hieß es. 14 der 15 Passagiere, die aus der Gondel geschleudert wurden, starben dabei. Die Gondel blieb am Ende völlig zerstört an einem Baum hängen. Die Seilbahn verbindet den Ort Stresa mit dem rund 1500 Meter hohen Monte Mottarone. Italienischen Medien zufolge sagte Bossi, die Beschuldigten hätten gewusst, dass die Notbremse bereits seit dem 26. April, dem Tag der Wiederaufnahme des Seilbahnbetriebs, abgeschaltet gewesen sei. Die Abschaltung sei in der Überzeugung beschlossen worden, "dass das Kabel niemals reißen würde".

Notbremse der Gondel manipuliert: Zugseil durch menschliches Versagen gerissen?

Mehrere Detailaufnahmen von den Bremsen der abgestürzten Gondel wurden im TV und in Zeitungen veröffentlicht. Laut Tagesschau meinen Experten, darauf sei zu sehen, dass eine Bremse durch eine Metallgabel gesichert ist, wie sie eigentlich nur bei Wartungsarbeiten eingesetzt werden – um die Bremsen der Gondel zu deaktivieren. Die Notbremsen können durch die Gabel im Ernstfall nicht aktiviert werden.
Nach dem Seilbahnunglück sind drei Mitarbeiter des Seilbahnbetreibers "Ferrovie del Mottarone" festgenommen worden. Darunter sei auch ein Manager.
Nach dem Seilbahnunglück sind drei Mitarbeiter des Seilbahnbetreibers „Ferrovie del Mottarone“ festgenommen worden. Darunter sei auch ein Manager.
© Foto: Antonio Calanni/dpa

Kleiner Junge überlebt das Seilbahnunglück in Italien

Nur ein kleiner Junge überlebte den Unfall – er verlor seine Familie bei dem Unglück. In Turin, wird derweil israelische Junge als einziger Überlebender im Krankenhaus behandelt, berichtet die Deutsche Presseagentur. Der Fünfjährige hatte bei dem Unfall in der norditalienischen Region Piemont seine Eltern und seinen Bruder verloren. Am Mittwochmorgen hätten die Ärzte den Beatmungsschlauch entfernt, der Junge sei kurz bei Bewusstsein gewesen, sagte der Direktor des Krankenhauses vor Journalisten der DPA. Dabei habe er auch kurz die Augen auf gemacht.