Vergangene Woche hatte der Bund den Ländern weitgehend Eigenverantwortung für die Lockerung der Corona-Regelungen gegeben. Jedoch kann es in einzelnen Regionen wieder zu strengeren Beschränkungen kommen. Die sogenannte „Notbremse“ soll gezogen werden, wenn in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt innerhalb einer Woche mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner registriert werden. Die Obergrenze wurde vereinbart, um unkontrollierte Corona-Ausbrüche zu vermeiden.

In welchen Landkreisen wurde die Obergrenze überschritten?

Inzwischen sind einige Kreise in Deutschland bekannt geworden, in denen die Obergrenze an Neuinfektionen in den vergangenen Tagen schon einmal überschritten wurde, darunter auch:
  • Die Stadt Rosenheim in Bayern,
  • die Landkreise Greiz
  • Sonneberg in Thüringen,
  • Steinburg in Schleswig-Holstein,
  • Coburg in Bayern
  • Straubing und der Kreis Straubing-Bogen in Bayern
  • der Kreis Straubing-Bogen und die Stadt Straubing in Bayern
  • Nach aktuellem Stand, 21.05., 0 Uhr, haben die kreisfreie Stadt Straubing (43,9 Fälle pro 100.000 Einwohner) und der Landkreis Coburg (47,2 Fälle pro 100.000 Einwohner) in den letzten sieben Tagen die Obergrenze überschritten. Der Wert dient als Grenze, bei deren Überschreitung strikte Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie vorgesehen sind – in der betreffenden Region.

RKI Fallzahlen: Ulm, Neu-Ulm, Alb-Donau-Kreis und Landkreis Biberach

Das Robert Koch-Institut (RKI) berechnet die Gesamtzahl pro Bundesland und pro Landkreis mittels der gemeldeten Fälle durch die jeweiligen Gesundheitsämter. Wie ist der Stand am 19. Mai?
  • In Ulm ist der Wert laut RKI im Vergleich zum Vortag mit 10,3 Fällen pro 100.000 Einwohner gleich geblieben. Insgesamt wurden dort bisher 277 Fälle gemeldet. 5 Menschen sind verstorben.
  • Auch für den Landkreis Neu-Ulm meldet das RKI 1,7 Corona-Fälle pro 100.000 Einwohner innerhalb der letzten Woche - genau wie am Tag zuvor. 423 Erkrankungen sind bekannt geworden seit Beginn der Pandemie. Es gab 25 Todesfälle.
  • Im Alb-Donau-Kreis gibt es 622 registrierte Corona-Fälle. Die Zahl der Fälle pro 100.000 Einwohner der vergangenen Woche ist gesunken: 7,7 gibt das RKI hier als Wert an. 21 Todesfälle wurden bisher gemeldet.
  • Im Landkreis Biberach wurden insgesamt 591 Personen positiv auf das Coronavirus getestet. Nach RKI-Angaben gab es in den letzten sieben Tagen auf 100.000 Einwohner gerechnet 4 Fälle. Es gibt 33 Corona-Tote.

Baden-Württemberg: Kein Landkreis kommt an die Obergrenze heran

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums gibt es im Südwesten derzeit keinen Landkreis, der nahe an die Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche herankommt. Dafür sprechen auch die Zahlen des RKI am Dienstag, 20. Mai, 0 Uhr. Die Stadt Pforzheim verzeichnet mit 15,1 Fällen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen momentan den höchsten Wert in Baden-Württemberg. Der Hohenlohekreis verzeichnet 14,3 Fälle.

Viele Landkreise in Deutschland ohne Neuinfektion

Der RKI-Übersicht zufolge sind bis zum 18. Mai, in rund 50 Landkreisen innerhalb von sieben Tagen keine neuen Ansteckungen bekannt geworden. In rund 220 waren es fünf oder weniger Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner. Insgesamt erfasst das RKI etwas mehr als 400 Kreise und kreisfreie Städte.
Zu den – in den vergangenen Tagen – coronafreien Kreise und Städte gehören am 20. Mai, 0 Uhr, unter anderem
  • der Landkreis Sigmaringen
  • Memmingen
  • Kempten
  • der Landkreis Unterallgäu
  • der Landkreis Würzburg
  • sowie mehrere Landkreise in Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen.

RKI Pressekonferenz: Es gibt regionale Unterschiede

Bei einer Pressekonferenz des RKI vergangene Woche in Berlin betonte RKI-Vizepräsident Lars Schaade, dass er die 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner für eine pragmatische Grenze halte. „Das ist keinesfalls die Schwelle ab der man erst aktiv werden soll – das muss man bei jedem einzelnen Fall.“ Es gebe in Deutschland regionale Unterschiede, was der Grund dafür sei, dass die Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus regionalisiert wurden und nicht überall gleich sind. Die Obergrenze sei nach seinem Verständnis eine Grenze ab der übergeordnete Stellen des Landes eingebunden werden, um über die Erforderlichkeit von Maßnahmen nachzudenken. Einen klaren Grenzwert für Neuinfektionen könne niemand solide benennen, es sei letztendlich eine Einschätzungsfrage.
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